Kommunalwahlkampf
: Grüne wollen Dialog statt Polarisierung

Die Zeichen stehen auf Dialog – so jedenfalls wollen Bündnisgrüne in Fürstenberg ihre Politik in Zeiten der Polarisierung verstanden wissen.
Von
Thomas Pilz
Fürstenberg
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Aus dem grünen Nähkästchen geplaudert: Gerhard Kalinka (rechts) erläuterte den Gästen der Veranstaltung, wie aus Sicht seiner Partei Lokalpolitik betrieben werden sollte – vor allem mit Respekt vor den Ansichten der Mitbewerber.

MOZ/Thomas Pilz

Tilman Kunowski, Stadtverordneter der Grünen in Fürstenberg, hatte zu der Veranstaltung ausdrücklich die breite Öffentlichkeit eingeladen. „Wir wollen vor allem in einen dauerhaften Dialog mit den Bürgern treten“, betonte er zu Beginn. Unterstützt wurde er von einem erfahrenen Kommunalpolitiker der Bündnisgrünen aus dem Landkreis Teltow-Fläming, Gerhard Kalinka, seines Zeichens Vorsitzender des dortigen Kreistages.

„Die Leute sollen miteinander und im sachlichen Ton ins Gespräch kommen“, erklärte Kunowski. Jeder solle zu Wort kommen können, um seine Überzeugungen kundzutun und Vorschläge mitzuteilen, was die Lokalpolitik bewerkstelligen muss, erläuterte der Himmelpforter die Idee der Veranstaltung.

Wenn auch nicht außerordentlich viele Bürger den Weg in die Alte Reederei gefunden hatten, das Gespräch über die Probleme in Fürstenberg und Umgebung nahm schnell Fahrt auf.

Zuvor aber erläuterte Kalinka Chancen, aber auch Grenzen der Kommunalpolitik. Er selbst sei Mitte der 90er-Jahre aus Westberlin ins Brandenburgische gezogen. Dort habe er schnell, auch wegen rechter Tendenzen in seiner neuen Heimatregion, den Wunsch verspürt, in die Kommunalpolitik zu gehen. 2003 sei er bei den Grünen eingetreten und habe begonnen den Kreisverband in Teltow-Fläming aufzubauen. „Damals waren wir ganz Wenige und heute rennen uns alle Leute die Türen ein“, beschrieb Kalinka die epochalen Entwicklungen, hervorgerufen vor allem durch den Klimawandel.

Jeder, der den Wunsch verspüre, in die Politik zu gehen, sollte sich die Frage nach dem „Warum?“ stellen. Wie wolle man leben, und wie setze man diese Vorstellung um? laute eine weitere wichtige Grundfrage. Aber auch, was ist das Verbindende mit den Mitmenschen, erklärte Kalinka, der vorhat, in seiner Gemeinde Blankenfelde-Mahlow bei den Kommunalwahlen als Bürgermeisterkandidat anzutreten.

Das Wichtigste aber, nach Überzeugung von Kalinka: Die Grünen seien keine abgehobene Partei, auch nach den Wahlen wolle man mit den Bürgern in einem intensiven Kontakt bleiben, gleichsam basisdemokratisch und auf Augenhöhe – wenngleich Lokalpolitik  und somit das Erreichen von Zielen ein „zäher Prozess“ sei.

Tilman Kunowski bekräftigte diese Haltung, „wir wollen einen Dialog entfalten mit allen, die sich einbringen wollen“, erklärte er. Für einige Gäste willkommener Anlass, ihrem Ärger über Probleme in Fürstenberg Luft zu machen. Ulrich Kasten und Michael Adebahr warnten vor dem Entstehen einer neuen, wilden Müllkippe unweit der Röblinsee-Siedlung. Dort habe eine unbekannte Person einfach Berge von Asbest abgekippt. Eine Schande, wobei sich die Kommune angeblich nicht in der Lage sehe, dagegen vorzugehen.

Thematisiert wurde auch das Dauerärgernis der Müllkippe an der Waldstraße. Ein Gast äußerte die Vermutung,  dass dort gar keine Umwelt-Untersuchungen stattgefunden hätten, die Kommune mithin eine tickende Zeitbombe erwerbe.

Kunowski merkte an, dass auch die Schullandschaft in Fürstenberg Anlass zu Kritik gebe. Bernhard Hoffmann aus Steinförde machte der prognostizierte Bevölkerungsschwund sorgen, da müsse dagegen gehalten werden. Michael Wittke lenkte das Augenmerk darauf, nicht die Probleme zu betonen, sondern die Chancen. So sei der neue Landesentwicklungsplan ganz klar ein Entwicklungshemmnis für die Wasserstadt. Das könne aber nur lokalpolitisch im Miteinander, also fraktionsübergreifend, gelöst werden. DJ Mike van Dijk erklärte, es sollten von der Kommune Voraussetzungen für die Ansiedlung von digitalen Start-up-Unternehmen geschaffen werden.

Raimund Aymanns (Pro Fürstenberg und Ortsteile) lenkte das Augenmerk auf den „Gülle-Tourismus“, dem man ausgeliefert sei, wo Firmen aus Westdeutschland massenweise Gülle in der Tourismusregion Gewinn bringend verklappten. Die Bahn AG sollte außerdem einen Nachtzug fahren lassen, lautete eine weitere Forderung. Ebenso fordere man einen halbstündlichen Zugverkehr in Stoßzeiten zwischen Berlin und Fürstenberg, regte Robert Schulzke an, ebenfalls für die Grünen engagiert.

Einig war man sich außerdem, die Digitalisierung sollte nun endlich auch in der Stadtverwaltung Fürstenberg massiv Einzug halten. So sollten Sitzungs- und Beschlussvorlagen digital versendet und öffentlich einsehbar sein.

Wahlvorbereitung

■  Der Bündnisgrüne Tilman Kunowski wird bei den Kommunalwahlen am 26. Mai voraussichtlich wieder als Kandidat für das Stadtverordnetenversammlung antreten.

■  Kunowski und Mitstreiter werden demnächst auf der Kreismitgliederversammlung der Grünen gewählt.

■  Die Grünen in Fürstenberg laden im April zu einer Veranstaltung ein, die sich mit einem speziellen Lokalpolitik-Thema beschäftigt.⇥(pilz)