Der oder das Barock – das sind mehr als einhundert Jahre auf dem Geschichtspfeil. Angefangen gegen Ende des 16. Jahrhunderts zieht sich diese historische Epoche bis etwa 1760 und umfasst damit so wichtige Ereignisse wie Reformation und Gegenreformation, den Dreißigjährigen Krieg, den Augsburger Religionsfrieden (der sich in seiner Grundstruktur bis heute erhalten hat), Kopernikus brachte das überlieferte christliche Weltbild durcheinander, an der Loire wurden Schlösser „wie am Fließband“ gebaut, und in Florenz malte Leonardo da Vinci seine Mona Lisa, während wenige Jahre später sein Kollege Michelangelo auf dem Rücken liegend die Sixtinische Kapelle bemalte. Frankreich stieg politisch und kulturell zur führenden Macht in Europa auf, während die einstige europäische Handelsmacht, die Hanse, langsam ihrem Ende entgegen segelte.

Musik aus den Hansestädten

Zur Hanse gehörten die damals bedeutendsten Städte Europas, so etwa Soest, Köln, London, Visby, Nowgorod und natürlich Bremen, Hamburg und Lübeck. Die Stadt an der Trave gilt bis heute als „Königin der Hanse“, seine wohlhabenden Bürger sehnten sich nach einem kulturellen Leben. Hier entstanden die Lübecker Abendmusiken, die unter Dieterich Buxtehude so bekannt wurden, dass der damals 20 Jahre alte Johann Sebastian Bach aus Arnstadt in Thüringen zu Fuß nach Lübeck kam, um mit den Kollegen zu studieren.

Christian Volkmann erzählt amüsante Anekdoten

Bach hätte Buxtehudes Nachfolger werden können, doch eine Klausel im Vertrag behagte ihm nicht: Er hätte Buxtehudes älteste Tochter Anna Margreta heiraten müssen, die zehn Jahre älter als er war. Diese Anekdote erzählte der Kirchenmusiker und Sänger Christian Volkmann am Sonntag im Kirchlein von Klein-Mutz.
Der international anerkannte Musiker stammt aus Zehdenick, studierte Kirchenmusik in Dresden, anschließend Gesang Alte Musik an der Hochschule für Künste in Bremen. Zusammen mit seinen Studienkollegen Manoel Reinecke (Barockvioline) und Ilja Kulikov (Cembalo) führte er am Sonntag ein Konzert mit Barocker Kammermusik und Kantaten aus Lübeck, Hamburg und Bremen auf. Die Presse rühmt Volkmanns „beeindruckende Artikulation“, seine „exzellente Technik“ sowie seine „strahlende, höhensichere, dabei gleichsam schwerelos geführte Stimme“ – dem ist nichts hinzuzufügen.

Hervorragend aufeinander abgestimmt

In Klein-Mutz interpretierten die drei hervorragend aufeinander eingespielten Musiker, die wegen Corona nur dreimal proben konnten, die Kantate „Singet dem Herr ein neues Lied“ (Dietrich Buxtehude), die Arie „Steh auf du kühler Wind vom Norden“ (Thomas Selle), die Kantate „In te Domine speravi“ (Johann Christian Schieferdecker) die Arien „Süßer Blumen Ambraflocken“ / „Süße Stille, sanfte Quelle“ (Georg Friedrich Händel) und die Kantate „Ich hebe meine Augen“ (Georg Philipp Telemann).
Dass Christian Volkmann auch sehr gut Cembalo spielt, bewies er beim Duett mit Manoel Reinecke bei „Sine titulo“ (Johann Schop). Ilja Weckmann zeigte sein ganzes Können am Cembalo bei der „Toccata in d“ (Matthias Weckmann).

Lange Konzerttradition in Klein-Mutz

Die evangelische Kirchengemeinde in Klein-Mutz kann mit diesem Konzert auf eine schon recht lange Tradition verweisen, denn es war bereits die zwölfte Veranstaltung dieser Art in Folge. Die rund 60 Besucher in der Kirche hielten sich an Hygiene- und Abstandsregeln und klatschten intensiv Beifall. Im Anschluss an das Konzert hatte die Kirchengemeinde zu einem Imbiss und Umtrunk geladen.