Seit wenigen Tagen hängt an einer Mauer des ehemaligen KZ Ravensbrück neben anderen Gedenktafel auch eine Tafel aus Grüneberg. Sie fällt auf, weil sie nicht wie alle anderen rechteckig ist, sondern rund. Vor nahezu zwei Jahren entstand die Idee dafür aus einer Gruppe von Jugendlichen heraus, die sich seit 2016 im Arbeitskreis „Grüneberg erinnert“ gefunden hat, um die Geschichte des Ortes gemeinsam mit der evangelischen Pfarrerin vor Ort, Ruth-Barbara Schlenker, aufzuarbeiten. Grund: In Grüneberg hat es von 1943 bis 1945 eine Außenstelle des Konzentrationslagers Ravensbrück gegeben. In diesem Lager waren 1800 Frauen untergebracht. Sie waren Zwangsarbeiterinnen der Nationalsozialisten und mussten in der Grüneberger Munitionsfabrik arbeiten.

Rund wie der Boden einer Patronenhülse

„Die Idee für die Tafel hat sich aus einem Workshop mit einer Gedenkstätten-Pädagogin heraus entwickelt“, erinnert sich der 24-jährige Tony Sieg. Dass die Tafel rund ist, sei Absicht. „Das soll an den Boden einer Patronenhülse erinnern“, sagt Sieg, weil die Frauen eben in der Fabrik Munition hätten herstellen müssen. Während die Jugendlichen den Entwurf gut fanden, war die Pfarrerin letztlich dagegen. „Dass es eine Patronenhülse darstellt, konnte ich damals nicht mit dem Gedenken zusammenbringen“, sagt Ruth-Barbara Schlenker. Aber sie sei überstimmt worden. Über den Inhalt der Gedenkplakette sei sie allerdings „ein bisschen enttäuscht“. Der Text sei „so wenig jugendgemäß“, sondern ganz traditionell. Er lautet: „Zur Erinnerung an die etwa 1800 inhaftierten und ausgebeuteten Frauen und Jugendlichen des ehemaligen Außenlagers Grüneberg des Konzentrationslagers Ravensbrück und zur Mahnung an die nachfolgenden Generationen.“

2000 Euro Fördermittel

„Wir wollten mit dem runden Entwurf auffallen“, sagt Tony Sieg. Die Munitionsherstellung habe sie letztlich auf diese Darstellungsform gebracht. Sogar die Form einer kompletten Patronenhülse sei im Gespräch gewesen. Trotz der Ablehnung durch die Pfarrerin kümmerten sich die Jugendlichen um die Umsetzung ihrer Plakette. „Wir haben die Fördermittel eingeworben und alles mit der Gedenkstätte abgesprochen“, so Tony Sieg. Gut 2000 Euro kostete die Messingtafel. Das Geld kam von der Mittelbrandenburgischen Sparkasse (1500 Euro) und der Fürstenberger Dr. Hildegard Hansche Stiftung (500 Euro) zusammen. Den Rest steuerte der Arbeitskreis „Grüneberg erinnert“ bei.

Teil des Online-Programms zur Befreiung

Seit 19. März hängt die runde Tafel aus Grüneberg gut sichtbar an der Erinnerungsmauer der Gedenkstätte Ravensbrück. Am 26. März wurde dort eine Rede von Tony Sieg zur Plakette aufgenommen, die am Sonnabend, 18. April, um 18 Uhr von der Gedenkstätte Ravensbrück gepostet wird und online geht. Sie ist Teil des am 8. April gestarteten Online-Programms „Erinnerung teilen“ zum 76. Jahrestag der Befreiung. Vorgesehen sind unter anderem Gedenkveranstaltungen, Gesprächen mit Überlebenden sowie Angehörigen der zweiten und dritten Generation, der 360°-Ausstellung „BRUCHSTÜCKE ´45“, Filmen und Kunstprojekten.