Leben auf der Straße: Wie Elton Menschen in Not zwischen Oranienburg und Berlin hilft

Elton aus Oberhavel hilft Obdachlosen in Oranienburg, Hennigsdorf und Berlin. Immer mit dabei: Hund Rusky. Doch sein Projekt steht regelmäßig auf der Kippe.
Vonovia/Offenblende/Kerstin VihmanAnderen in Not helfen, ist für einen Mann aus Oberhavel nicht nur zur Weihnachtszeit ein erklärtes Ziel. Er unterstützt seit Jahren Obdachlose in Oranienburg, Hennigsdorf, Velten, Oberkrämer und Berlin — im Ehrenamt und als Ein–Mann–Projekt „Elton on Tour“. Er weiß aus eigener Erfahrung, wie schnell einen die Obdachlosigkeit erwischen kann. Die Reaktionen auf sein Hilfsangebot sind positiv, doch die konkrete Unterstützung bleibt oft aus.
Egal, ob im vereisten Winter am Hennigsdorfer Bahnhof oder im Hochsommer am Bahnhof Zoo, der 45–jährige Elton ist unterwegs. Er greift denen unter die Arme, die sonst keine Hilfe erfahren. Er weiß, wie das ist.
Elton hat selbst auf der Straße leben müssen
Der ehemalige Bauingenieur, der durch eine einschneidende gesundheitliche Einschränkung mit Mitte Vierzig bereits Frührentner ist, hat es selbst erlebt: Gesundheit weg, Selbständigkeit weg, schließlich alles weg — der Tiefpunkt. Ein halbes Jahr lang war Elton auf der Straße. Seinen richtigen Namen möchte er nicht preisgeben. Für ihn steht das Projekt im Fokus, nicht seine Person.
Was ihm in der Zeit auf der Straße geholfen hat? Anderen zu helfen. Doch auch er ist auf Unterstützung angewiesen — in Form von Sach– und Geldspenden. Das Immobilienunternehmen Vonovia hat Elton und sein Projekt kürzlich mit Sachspenden im Wert von 1000 Euro geholfen. „Für uns ist es eine Herzensangelegenheit“, erklärt Sandra Holborn, Regionalbereichsleiterin bei Vonovia, in einer Pressemitteilung. „Er weiß am besten, was die Menschen auf der Straße brauchen, weil er wirklich jeden Tag mit ihnen im Gespräch ist.“

Elton lebte selbst ein halbes Jahr lang auf der Straße. Er kennt die Umstände und weiß um die fehlende Unterstützung.
Vonovia/Offenblende/Kerstin VihmanEr sieht diejenigen, die meist übersehen werden, die unsichtbar sind, weil Menschen weggucken. Der Weg in die Obdachlosigkeit kann kurz sein. Immer mit dabei: sein Hund Rocky. „Der kommt überall hin mit. Er kann nicht alleine sein, und das versteht man ja auch“, so Elton, der sein Projekt 2018 ins Leben gerufen hat. Jeden Tag fährt er seine Route ab, verteilt Sachspenden, wirbt auf Facebook für das Projekt. Um rund 40 Schützlinge kümmert er sich, der älteste ist 81 Jahre alt. Er nimmt sich Zeit, hört zu, fragt nach, bleibt manchmal sogar eine Nacht mit draußen.
Elton zeigt, die bisherige Obdachlosenhilfe reicht nicht aus. „Was so gut wie alle Stellen für Obdachlose haben, sind Essen und Kleidung. Immer Essen und Kleidung“, so Elton. „Das ist natürlich gut, aber Schlafsäcke, Campingkocher, Duschgel, Zahnbürsten und Socken darf man eben auch nicht vergessen“. Es gebe Obdachlose, denen würde niemand ansehen, dass sie auf der Straße leben, weil sie so gepflegt seien. Deshalb seien Hygieneartikel entscheidend: Sie bewahren die Würde vieler und helfen, Vorverurteilungen vorzubeugen.
Spenden in Oranienburg und Hennigsdorf
In einem Porträt fragte Vonovia Elton, warum er keinen Verein für sein Projekt gründe. Seine Antwort: „Für einen eingetragenen Verein braucht man sieben Leute. Und finde mal sechs andere, denen du vertrauen kannst.“ Er hat ein kleines Netzwerk aufgebaut von Menschen, die ihm helfen. So gibt es Spendenchancen beim Goral Zoo– und Angelcenter in Hennigsdorf oder im Bären–Eck in Berlin–Reinickendorf. Besonders dankbar ist er für eine Spendenbox in der Filiale von Thomas Philipps in Oranienburg. Sämtliche Spenden fließen in sein Projekt. Auf Facebook („Das Team, für die Obdachlosen auf Berlins Straßen„) teilt er mit, was er gerade braucht, wo er unterwegs ist, wie sein Projekt läuft und wohin Geld gespendet werden kann.

2018 hat Elton sein „Elton on Tour“-Projekt gestartet. Er ist auf Spenden angewiesen, Geld- und Sachspenden.
Vonovia/Offenblende/Kerstin VihmanImmer Sommer ist die Spendenbereitschaft meist auf einem Tiefstand. „Die Leute denken, im Sommer ist Obdachlosigkeit kein Problem, da ist es ja warm draußen“, weiß Elton aus Erfahrung. „Aber gerade das mit der Hygiene ist schwierig, wenn es so heiß ist. Wer auf der Straße lebt, kann sich auch nicht so einfach vor der Hitze und der direkten Sonneneinstrahlung schützen.“ Jedes Mal ist er unsicher, ob seine Hilfe bis in den Herbst reicht, sollte die Spendenbereitschaft nicht wieder zunehmen.
Sein Projekt hat nicht nur im Alltag Erfolg. Vier bis fünf Menschen habe er schon aus der Obdachlosigkeit herausholen können — ein langer und kostspieliger Prozess. „Es braucht ungefähr ein halbes Jahr, ohne dass wirklich jemand in der Wohnung wohnt — die Obdachlosen können anfangs nur für sehr kurze Zeiträume und nur mit Betreuer dort sein, weil sie keine Wände und Decken mehr gewöhnt sind“, hat er der Kommunikationsagentur von Vonovia erzählt.
Nur noch 190 Euro auf dem Spendenkonto
Jetzt, im Dezember, sind zwar ganz allgemein die Menschen eher bereit, Geld oder Sachspenden zu geben. Doch es reicht oft nicht. In diesem Jahr ist die Spendenbereitschaft — vielleicht bedingt durch Krisen und Inflation — nicht wirklich gestiegen. Der Spendenkontostand am 30. November: 190 Euro, neun Spender. Elton versteht oft nicht, warum nicht mehr Menschen abseits ihrer Sympathie für sein Projekt bereit sind, ihre Hilfe anzubieten. Regelmäßig sieht er seine Ein–Mann–Aktion in Gefahr. Auch jetzt befürchtet er erneut, sein Projekt zum Ende des Jahres beenden zu müssen.

