Wären nicht die Corona-Kontaktbeschränkungen, würden sicher viele Löwenberger zur Beisetzung von Günter Ludwig kommen. Denn mit ihm geht auch Stück Löwenberger Geschichte, die er auf vielfälgige Art und Weise mitbestimmt hat.
In Stettin kam Ludwig 1936 zur Welt. Seine Kindheit verbrachte er bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges in Stolp in Pommern, die jedoch mit der Flucht ein abruptes Ende fand. Zuerst fand die Familie in Wackerberge eine Unterkunft, später in Teschendorf. Die Schule verließ er frühzeitig, um in Berlin auf dem Bau zu arbeiten. In der Abendschule holte Günter Ludwig seinen Schulabschluss nach und qualifizierte sich schließlich zum Betonbauer und Baumechaniker.

Erinnerungen

Fast 16 Jahre verließ er frühmorgens das Haus, um mit dem Rad nach Grüneberg zum Bahnhof zu radeln, und nicht nur einmal musste er sich sputen, um den Zug noch zu bekommen. Otto Pieske, der damals Fahrdienstleister auf dem Grüneberger Bahnhof war, hat davon seinem Enkel berichtet, und das ist Bernd-Christian Schneck, der Bürgermeister des Löwenberger Landes. Manchmal habe Ludwig nicht einmal die Zeit gehabt, um das Rad anzuschließen. Das habe dann sein Großvater für ihn gemacht, ist nur eine Episode, die Schneck noch in Erinnerung geblieben ist.

Weg führt nach Löwenberg

Doch mit dem Kennenlernen von Gisela, die nach dem Krieg in Löwenberg ein neues Zuhause gefunden hatte und 1957 seine Frau wurde, verlagerte sich sein Lebensmittelpunkt immer weiter Richtung Löwenberg. 1967 fand Ludwig bei der Landbaugesellschaft Zehdenick im Löwenberger Betriebsteil eine Anstellung.
Zwei Kinder krönten die Ehe mit Gisela. Vier Enkel bescherten ihm seine Söhne Hartmut und Roland, zwei Urenkel kamen noch dazu.
Für seinen Ort hat sich Ludwig immer eingesetzt, ob beim Straßenbau, der Organisation von Dorf- und Erntefest oder mit kräftiger Stimme beim Männerchor, den er immerhin fast 45 Jahre leitete. Besonders beliebt waren übrigens die Auftritte der Männer zur Karnevalszeit.

Wahl in den Gemeinderat

Die politische Wende führte Günter Ludwig dann in die Politik. Er trat in die SPD ein, trat zur ersten freien Wahl an und wurde in den Gemeinderat gewählt. Maßgeblich hat er den Aufbau neuer Verwaltungsstrukturen mitbestimmt und an der Bildung des Amtes Löwenberg mitgewirkt. Als 1992 das Amt schließlich gebildet wurde, wurde ihm der Posten des Vorsitzenden des Amtsausschusses übertragen. In der Gemeinde arbeitete er im Bauausschuss mit und war Beiratsvorsitzender des Ortsteils Löwenberg.
Auch für die Partnerschaft mit der Lahnstadt Bad Laasphe hat sich Ludwig stark gemacht, um daraus eine Freundschaft entstehen zu lassen, die auch heute noch hält.
Doch irgendwann muss Schluss sein. Für Günter Ludwig war das das Jahr 2004, als er sich von der kommunalpolitischen Ebene verabschiedete. Dass sein Enkel Mathias in seine Fußstapfen gestiegen ist, um im Löwenberger Ortsbeirat und in der Gemeindevertretung des Löwenberger Landes mitzuarbeiten, hat ihn mit Stolz erfüllt, und das hat er durchaus auch in der Öffentlichkeit gesagt.

Bundesverdienstkreuz verliehen

Für sein Engagement für die Gemeinde wurde Günter Ludwig im Januar 2015 mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Völlig zu Recht, wie Bernd-Christian Schneck als amtierender Chef der Großgemeinde feststellt. „Er hat dabei geholfen, die Weichen für die Entwicklung des Löwenberger Landes zu stellen. Er konnte hart diskutieren und tat das auch, wenn er von einer Sache überzeugt war. Doch er war auch ein guter Ratgeber, von dem man viel lernen konnte.“
Am Freitag, 20. November, wird Günter Ludwig auf dem Löwenberger Friedhof um 14 Uhr nun zur letzten Ruhe gebettet. Durch die Abstandsregelungen aufgrund der Corona-Pandemie dürfen nur 100 Trauergäste daran teilnehmen. Wer sich vom Verstorbenen verabschieden möchte, kann das auch danach noch tun. „Die Tore zum Friedhof werden nicht verschlossen“, so der Hinweis des Bürgermeisters.