Es ist in mehrfacher Hinsicht eine bemerkenswerte Zahl: 666. Zahlenmystiker und andere Verschwörer sehen darin den Antichristen. Auch in der Bibel taucht sie in der Offenbarung des Johannes auf. Aber das alles lockt bei den Einwohnern von Grüneberg nur ein müdes Lächeln hervor. Für sie steht die 666 für eine große Party. Und diese steigt in wenigen Wochen – mit einem Umzug, Musik und einem Hauch von Grüner Woche.
Vor 666 Jahren wurde Grüneberg zum ersten Mal erwähnt. Freilich als „Grunenberg“, was 1356 so viel bedeutete wie: „Siedlung am grünen Berg“. Dass die Grüneberger feiern können, ist mit dem Trecker Treck und den großen Ernte-Dank-Umzügen hinlänglich bewiesen und weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannt.
Viele Wagen werden beim Erntedankfest in Grüneberg von Pferden gezogen.
Viele Wagen werden beim Erntedankfest in Grüneberg von Pferden gezogen.
© Foto: Sabine Slatosch
Jetzt legen sie aber noch einmal eine Schippe obendrauf. Noch größer, noch bunter, noch mehr Angebot. Einen großen Anteil daran hat der Landkreis Oberhavel. Er hat sich in das Grüneberger Jubiläum eingeklinkt. „Zwei Jahre ist die Grüne Woche, an der sich viele Betriebe aus Oberhavel gezeigt haben, ausgefallen“, sagt Benjamin Kahl, Vizefachdienstleiter Landwirtschaft in der Kreisverwaltung. „Jetzt wollen wir als Ersatz den Direktvermarktern und Landwirten eine Bühne bieten, sich vorzustellen und das passt in Grüneberg sehr gut.“
Sie organisieren die 666-Jahr-Feier in Grüneberg: Karl-Heinz Wacker, Jörn Lehmann, Gerhard Gabriel und Bernd-Christian Schneck (von links)
Sie organisieren die 666-Jahr-Feier in Grüneberg: Karl-Heinz Wacker, Jörn Lehmann, Gerhard Gabriel und Bernd-Christian Schneck (von links)
© Foto: Burkhard Keeve

Erntefest mit Direktvermarktern

Also wird am 3. September nicht nur das Erntedankfest gefeiert, sondern auch eine grüne Messe. 19 von 20 angeschriebenen Direktvermarktern haben bereits zugesagt. Mit von der Partie sind unter anderem Richard‘s Wild, Filzschmuck Martens und der Apfelhof Wähnert genauso wie der Kreislandfrauenverein Oberhavel, Landwirt Koch aus Großmutz und die Agrar Gmbh Kraatz.
Bis zum Schluss wird an der Einladung und dem Programm gefeilt.
Bis zum Schluss wird an der Einladung und dem Programm gefeilt.
© Foto: Burkhard Keeve
Auf der Wiese hinter der alten Schule in Grüneberg werden die „Grüne-Messe-Teilnehmer“ ihre Produkte vorstellen. Kahl: „Regionalität steht im Vordergrund.“ Für die Messemacher um Ortsvorsteher Karl-Heinz Wacker, Ex-Pfarrer Gerhard Gabriel und Bürgermeister Bernd-Christian Schneck, der Grüneberger ist, ist das diesjährige Fest eine logistische Herausforderung.

Umzug mit historischen Schaubildern

Dem ehemaligen Pfarrer „Mäcky“ Gabriel ist besonders daran gelegen, dass die Geschichte des Dorfes an diesem Tag eine wichtige Rolle spielt. So sind für den Umzug schon jetzt fünf Motivwagen, die von einer Kutsche gezogen werden, vorgesehen – „mit Schaubildern zum Beispiel mit Albrecht der Bär (der erste Markgraf in Brandenburg) oder Bischof Dietrich“, so Pfarrer Gabriel.
Der Liebenwalder Historiker Jörn Lehmann hat ein Buch über Grüneberg verfasst. Auf dem Fest wird es verkauft.
Der Liebenwalder Historiker Jörn Lehmann hat ein Buch über Grüneberg verfasst. Auf dem Fest wird es verkauft.
© Foto: Burkhard Keeve
Wer noch weitere Ideen hat und einen Motivwagen bauen will, kann sich bei Grünebergs Ortsvorsteher Karl-Heinz Wacker melden. Noch ist nicht ganz klar, wie lang der Umzug wird. Doch es klang durch, dass die Rekordzahl von 52 geschmückten Wagen aus dem Jahr 2007 geknackt werden könnte. Der Umzug mit den historischen Bildern beginnt um 14 Uhr.

Landespolizeiorchester spielt auf

Als ein weiterer Höhepunkt ist ein Konzert mit dem Landespolizeiorchester Brandenburg vorgesehen. Sie treten um 16 Uhr auf. Zwischendurch ist das Blasorchester Sachsenhausen zu hören. Mit ins Boot wurde auch der Bürgermeister von Liebenwalde, Jörn Lehmann, geholt.

Liebenwalde

Sein Amtskollege aus dem Löwenberger Land, Bernd Christian Schneck, hat den bekannten Regional-Historiker, einfach mal angesprochen, „ob er nicht eine kleine Broschüre zum Fest über Grüneberg, so vier bis fünf Seiten, machen könnte“, so Schneck. Das hat dann eine gewisse Eigendynamik entwickelt. Denn Lehmann stellte fest, dass es über Grüneberg „noch gar nichts gibt“. Da waren sein Interesse und Ehrgeiz geweckt. „Ich habe dann in meinen Unterlagen gesucht und gesagt: Ich mache ein bisschen mehr.“ Denn sein historisches Archiv umfasst tausende Bände.
So sieht das Programm für die 666-Jahr-Feier in Grüneberg aus.
So sieht das Programm für die 666-Jahr-Feier in Grüneberg aus.
© Foto: Burkhard Keeve
Aus der kleinen Broschüre wurde ein Buch mit 70 Seiten. Druckfrisch liegt es jetzt in einer Auflage von 500 Exemplaren vor. Zur Feier soll es verkauft werden. „Beim Blick hinein hatte ich gleich Gänsehaut“, verrät Karl-Heinz Wacker, der sich sowohl über die historischen wie aktuellen Bilder freut.