Pendler: Bahn soll Dörfer in Oberhavel nicht mehr stündlich anfahren

Die Dörfer werden abgehängt: Nur noch alle zwei Stunden soll die Regionalbahn in Vogelsang, Neuhof, Bergsdorf und anderen kleinen Haltestellen zum Ein- und Aussteigen stoppen, fordern Templiner Stadtverordnete.
Martin RiskenNach dem Start in Templin Stadt würde die Regionalbahn 12 nur noch in Zehdenick, Löwenberg und in Oranienburg halten. Die übrigen Haltestellen Templin, Hammelspring (Uckermark), Vogelsang, Zehdenick-Neuhof, Bergsdorf, Grüneberg, Nassenheide und Sachsenhausen würden lediglich noch jede zweite Stunde angefahren, was zu einer Zeitersparnis führen soll: Statt 100 Minuten wären Templiner Fahrgäste bereits in 70 Minuten, ohne Umsteigen in Oranienburg, in Berlin-Gesundbrunnen.
„Das Umsteigen in Oranienburg, um das Berliner Zentrum zu erreichen, ist generell lästig, bei Verspätungen zudem unbequem“, begründet die Fraktion unter anderem ihren Antrag. Berlin-Gesundbrunnen sei zudem mit einer Vielzahl von Fernzügen und S-Bahnanbindungen, Warte- und Einkaufsmöglichkeiten attraktiver als Ostkreuz. Das Vorhaben ließe sich 2021 kurzfristig realisieren. Langfristig soll die Linie dann bis Südkreuz verlängert werden und so das Berliner Zentrum in 60 Minuten erreichbar sein.
Doch damit nicht genug: In dem Antrag wird gefordert, den Antrieb der Regionalbahn von Diesel auf Wasserstoff umzustellen, der aus Windkraft und Photovoltaik umweltfreundlich und Kohlendioxid-neutral gewonnen werden könnte. Die Verwendung von dieselbetriebenen Zügen widerspreche der angestrebten Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern. Die Wasserstofftechnologie sei für Schienenfahrzeuge schon entwickelt und solle bald in der Prignitz eingeführt werden.
Die Bürgermeister aus Zehdenick und dem Löwenberger Land, Bert Kronenberg und Bernd-Christian Schneck, meldeten am Mittwoch Protest an: „Der Vorstoß von FDP und CDU in der Templiner Stadtverordnetenversammlung, kleinere Orte vom Bahnverkehr abzuhängen, widerspricht vehement der Bedeutung, die der Bahn in der Zukunft zukommt und ist zudem schädlich für die Umwelt“, erklärten die beiden Bürgermeister. „Deshalb lehnen wir den Vorschlag ab. Wir bieten der Stadt Templin an, gemeinsam nach einer Lösung zu suchen.“
