Rockszene: Rock ’n’ Roll in der Corona-Warteschleife

Wieder eine Absage kassiert: Die Jukeboys mit Sänger Olaf Hasenpusch (weißes Sakko) hofften darauf, am 30. Mai wieder einen Auftritt zu haben – unter strengsten Hygiene-Auflagen. Doch daraus wird nichts.
Torsten BrueschAm Dienstag kam die Absage: Die Behörden machten einen Rückzieher. Denn niemand kann sagen, ob der Pfingstsonnabend Jubel, Trubel und Heiterkeit bewirkt – wie bei den Rock ’n’ Rollern von den Jukeboys –, oder viele Infektionen. Künstler aller Genres durchleben derzeit diese schwere Krise doppelt. Nicht wegen mangelnder Kreativität, sondern wegen Existenznöten.
Soziale Nöte der Künstler
„Wir laufen echt auf dem Zahnfleisch“, erklärt Olaf Hasenpusch, der begnadete Sänger der Jukeboys. Er ist in Fürstenberg beheimatet, gilt als einer der ganz wenigen wirklich guten Elvis-Kopien landauf, landab. Während des Frühjahrs, als die Band ein außergewöhnliches Programm einstudierte, geschah das Unglaubliche. Mit der Big Band des Heeresmusikkorps Neubrandenburg sollte gerade eine Rock-Revival-Show erarbeitet werden.
Für Anfang April war der erste Auftritt in Greifswald geplant. Dann die Katastrophe: „Auf einmal wurde das gesamte Projekt quasi im vollen Galopp von Corona abgeschossen“, erinnert sich der Sänger.
Es gibt da so die ganz großen Stars im Pop-Geschäft, die schweben in Höhen, dass ihnen der Begriff soziale Nöte vollkommen fremd ist. Auch eine Pandemie ändert nichts daran. Mick Jagger und Co. sitzen in ihren Gemächern, streamen einen neuen Song, der eine Million Mal geklickt wird, und der Rubel rollt weiter.
Ganz anders bei Olaf Hasenpusch. Der Musiker verkörpert auf der Bühne nicht nur einen Star, nämlich den King of Rock ’n‘ Roll Elvis Presley. Olaf ist selber einer, so hervorragend wie er gesanglich und mimisch sowie mit größtem Körpereinsatz arbeitet, sprich dem legendären Hüftschwung. Kurz gesagt, Olaf Hasenpusch ist ein echter Profi. Harte Arbeit ist er gewöhnt. Seit Wochen aber ist er zu Arbeitslosigkeit verdammt. Der waschechte Fürstenberger sitzt zu Hause, ohne Einnahmen und auch ohne Aussicht, dass sich das 2020 noch einmal ändern wird.
„Ich sitze tatsächlich wie auf glühenden Kohlen, wir haben zurzeit überhaupt keine Perspektive“, erklärt der Vollblutmusiker auf Nachfrage. „Wir“, das sind die Jukeboys, die Olaf vor rund zwölf Jahren mit gegründet hatte. Gemeinsam mit dem Bassisten Andreas „James“ Last, dem Gitarristen Guido Kamps und Drummer Gordian Schimanski. Gemeinsam haben sie sich dem ursprünglichen, unverfälschten Rock verschrieben. Und sind nun unverschuldet in einer düsteren Sackgasse gelandet. So wie viele andere Künstler, die von der Hand in den Mund leben, inzwischen Hartz IV bekommen, oder die Pandemie-Überbrückungsgelder beantragten.
Hartz IV, das klinge erst einmal wie ein Rettungsring. Zugleich aber fällt der Künstler, der in die Grundsicherung wechselt, aus der Künstlersozialkasse heraus. „Und dann muss man erst einmal wieder Aufträge nachweisen, um in dieser Sozialversicherung aufgenommen zu werden.“ Das kann dauern. Olaf ist aber dankbar. Wenigstens hat er die Corona-Hilfe erhalten. „Nicht viel, aber der Mensch freut sich!“ Was aber das Schlimmste sei: Die Juke Boys sind selbstverständlich keine Kommune oder gelten als ein Hausstand. Mit anderen Worten, die Jukeboys dürfen auch nicht proben. Geschweige denn ins Studio gehen, um neue Songs aufzunehmen. „Jetzt übt jeder für sich zu Hause“, so Hasenpusch. Für eine Band, die von Gemeinsamkeit und Teamgeist lebt, sei das bitter.
Kein Sommerfest in Tornow
„Und das Elend scheint sich fortzusetzen, wir haben nicht nur für dieses Jahr ausschließlich Absagen erhalten. Auch für das kommende Jahr sieht es nicht gut aus“, erklärt der Sänger. Vor allem an der Ostsee, zum Beispiel in den Kaiserbädern auf Usedom, aber auch überall dort, wo es Strandmuscheln gibt, also die überdachten Bühnen, sind die Jukeboys bekannt und und werden stets gebucht. "Diese Einnahmequellen sind gnadenlos weggebrochen“, klagt er. Dabei haben auch Musiker laufende Kosten, wie die Miete für den Probenraum, der nicht genutzt werden darf.
Und dann wäre da das Gastspiel in Tornow beim Tierschutzverein. Für 23. August ist das Sommerfest geplant. Den Sommer wird es wohl geben, das Fest aber kaum. Langsam dürfte sich die Warteschleife zu einem dicken Knoten entwickeln.