Katharina Otto hatte Tränen in den Augen, als sie auf den Schulhof der Libertasschule in Löwenberg fuhr und ausstieg. Auf sie und ihren Mann Benjamin, der ihr mit einem weiteren Fahrzeug gefolgt war, warteten schon Schulkinder aus etlichen Klassen. Vor sich hatten die Mädchen und Jungen Kisten mit Hilfsmitteln für Ukrainer auf der Flucht gestapelt. Die Kinder von Katharina Otto, der neunjährige Leo und der 14-jährige Joshua, gehen in die Libertasschule. Natürlich ist dort wie Zuhause der Krieg in der Ukraine unweigerlich ein zentrales Thema. „Mama, wir wollen helfen“, sagten ihre Söhne. So kam in der Löwenberger Familie die Idee auf, selbst einen Hilfstransport an die polnisch-ukrainische Grenze auf die Beine zu stellen – und alle machten mit: andere Eltern, die Lehrerinnen und Lehrer und die vielen Schülerinnen und Schüler der Libertasschule. „Es gab eine massive Unterstützung“, sagte Schulleiter Axel Klicks am Mittwoch. Die Idee machte rasch die Runde, eine Liste mit dringend benötigten Dingen half bei der Spendenauswahl. Innerhalb weniger Tage wurden zahlreiche Kisten mit Hygieneartikel wie Zahnbürsten und Windeln, aber auch Decken, Schlafsäcke, Taschenlampen und Spielzeug gepackt.
Katharina Otto packt die Spenden der Schüler, Eltern und Lehrer der Libertasschule ein.
Katharina Otto packt die Spenden der Schüler, Eltern und Lehrer der Libertasschule ein.
© Foto: Burkhard Keeve

Auf dem Rückweg werden Flüchtlinge mitgenommen

Freitag machen sich Katharina und Benjamin mit den beiden vollgepackten Fahrzeugen auf den Weg Richtung Ukraine. „Wir sind lange Fahrten gewohnt“, sagt Benjamin Otto. Der 38-Jährige arbeitet in der Pflege, seine 35-jährige Frau ist Sozialpädagogin. „Für uns war und ist es klar, dass wir helfen müssen“, sagt Katharina Otto. Auf der Rückfahrt wollen sie acht geflüchtete Ukrainer, die eine sichere Unterkunft suchen, einladen, mit nach Löwenberg zu kommen.
Der Wunsch zu helfen, sei groß, sagt Schulleiter Axel Klicks. Das spüre er in ganz Löwenberg und sehe es den Kindern in den Klassen an. „Es gibt viele Anfragen aus den Familien.“ Nichts zu tun, ist verkehrt. Da ist sich Klicks mit vielen einig. Gerade in der Schule werfe der Ukraine-Krieg viele Fragen auf. „Wir arbeiten die Lage kindgerecht auf. Die Kollegen gehen einfühlsam damit um, ohne es zu beschönigen.“ Den Krieg zu ignorieren, sei nicht möglich, auch wenn einige Eltern das wollten, so Klicks. „Manche wollen nicht, dass wir mit den Kindern über den Krieg reden, um sie nicht zu traumatisieren.“ Verschweigen sei aber die falsche Reaktion. Besser sei es, etwas zu tun, „und zu zeigen, dass wir zusammenhalten und gastfreundlich sind“, so Klicks. Am Montag waren bereits, wie an vielen anderen Orten in Oberhavel, Zeichen gesetzt worden. In Löwenberg waren blaue und gelbe Stiefmütterchen vor der Schule und am Hort in Form einer ukrainischen Fahne und eines Peace-Zeichens gepflanzt worden. Klicks: „Wir gehen behutsam mit dem Thema Krieg um, aber wir haben auch einen Bildungsauftrag.“
Die Spenden wurden sortiert und in Kisten verpackt. Die Kinder Libertasschule helfen beim Beladen.
Die Spenden wurden sortiert und in Kisten verpackt. Die Kinder Libertasschule helfen beim Beladen.
© Foto: Burkhard Keeve
Löwenbergs Bürgermeister, Bernd-Christian Schneck, freute sich über die handfeste Löwenberger Solidarität mit den kriegserschütterten Ukrainern und hofft, „das sie lange anhält“.
Auf Friedensmission unterwegs Richtung Ukraine. Freitag geht der Transport los.
Auf Friedensmission unterwegs Richtung Ukraine. Freitag geht der Transport los.
© Foto: Burkhard Keeve

Frankfurt (Oder)/ Cottbus

Mehr zu den Hilfsaktionen in Brandenburg finden Sie auf einer Themenseite. Infos zum Ukraine-Krieg gibt es im Liveticker