Gemeinsam bringen sie es auf 40 Jahre geballte Fachkompetenz: Ellen Hartmann und Anke Sandow sind nicht nur die Wegbereiter der Tagespflege im Christlichen Seniorenheim „Viktoria Luise“, sie feiern in diesem Monat auch ihre Betriebsjubiläen beim Träger Hoffnungstaler Stiftung Lobetal.

Seit 30 Jahren in der Altenpflege der Diakon tätig

Am längsten dabei ist Ellen Hartmann. Die 61-Jährige ist stellvertretende Leiterin der Tagespflege. Die gelernte Sprechstundenschwester besuchte Anfang der 1990er-Jahre einen Altenpflege-Lehrgang und kam 1991 als Gemeindeschwester zur Diakonie in Klosterfelde (Barnim) und baute später die neugegründete Tagespflege in Zehdenick mit auf. Zunächst half sie dort vertretungsweise, ab 2016 wechselte sie dauerhaft in die Havelstadt und gehört zum eingespielten Team, das seit zehn Jahren von der Zehdenickerin Anke Sandow geleitet wird.

Von der Krankenschwester zur Leitern der Tagespflege

Dass auch sie einmal in der Altenpflege landen wird, stand zu Beginn ihrer beruflichen Karriere nicht fest. 1981 begann Anke Sandow in Potsdam mit dem Fachstudium zur Krankenschwester. Ihr Lehrkrankenhaus war damals in Fürstenberg. Später wurde sie Krankenschwester in Zehdenick und erlebte dort die letzten Tage des Hauses. „Ich habe in Zehdenick das Licht ausgeknipst“, sagt sie. Anschließend wechselte sie zum Waldkrankenhaus Gransee, wie die heutige Klinik damals noch hieß. Später habe sie von ihrem Professor das Angebot erhalten, mit ihm in die Justizvollzugsanstalt Wulkow zu wechseln. Acht Jahre arbeitete sie dort als Schwester.

Im Gefängnis als Schwester gearbeitet

Alt werden wollte sie dort allerdings nicht. Zu krass sei dort der Arbeitsalltag im Vergleich zum realen Leben draußen vor den Gefängnismauern gewesen. Deshalb absolvierte sie eine Ausbildung zur Altenpflegerin. In Neuruppin war sie zunächst Pflegedienstleiterin, bevor ihr 2011 das Angebot gemacht wurde, die Tagespflege der Diakonie in Zehdenick zu leiten. Da musste die Havelstädterin nicht lange überlegen, schließlich befand sich ihr neuer Arbeitsplatz fast vor ihrer Wohnungstür. Dennoch sei sie anfänglich etwas skeptisch gewesen. Doch diese Skepsis war schnell verflogen, konnte die heute 56-Jährige der neuen Einrichtung doch ihren Stempel aufdrücken und an der Erstellung des Konzeptes mitwirken.

Anke Sandow fordert und fördert die Senioren

Beim Einleben in den neuen Job half Ellen Hartmann. Sie hatte in der Tagespflege in Klosterfelde schon Erfahrungen sammeln können, als das Angebot in Zehdenick mit zunächst neun Tagesgäste startete. Damals kam eine Vielzahl von Gästen noch aus dem Nachbarkreis Barnim. Zum Teil waren die Senioren anderthalb Stunden mit dem Shuttle unterwegs, bevor sie in Zehdenick eintrafen. Die Tagespflegegäste sollen und dürfen sich in den Tagesablauf mit einbringen. Sie übernehmen kleine Aufgaben. Ressourcenorientierens Arbeiten nennt Anke Sandow ihr Konzept. So kann sich jeder mit seinen Fähigkeiten mit einbringen.

Auch die Tagespflege hat sich gewandelt

Doch leider nutzen vielen Senioren die Tagespflege viel zu spät, nämlich dann erst, wenn sie bereits stark dement sind und ihre kognitiven Fähigkeiten schon stark nachgelassen haben. „Die Eingewöhnungsphase ist schwieriger, je dementer ein Menschen ist“, weiß Anke Sandow, die sich wünscht, dass die Angehörigen frühzeitig die Möglichkeiten der Tagesbetreuung nutzen. Vorbehalte der Angehörigen, die das Gefühl hätten, die Senioren nur „abschieben“ zu wollen, seien hier völlig fehl am Platz. Natürlich gebe es auch auf Seiten der Betreuten Ängste. Viele fürchteten, dass sie ins Heim abgeschoben werden sollen. Aber wenn sich die Tagesgäste erst einmal eingewöhnt haben, wollen sie das Angebot nicht mehr missen. Viele suchten ja Geselligkeit und wollen unterhalten werden, gerade in Zeiten wie diesen mit starken Kontaktbeschränkungen.

Rund-um-Betreuung gibt es fast geschenkt

Finanzielle Gründe, das Angebot der Tagespflege nicht zu nutzen, dürfte es eigentlich nicht geben. „Die Tagespflege gibt es fast umsonst“, so Anke Sandow. Die Pflegekassen zahlen, die Gäste müssten lediglich einen geringen Eigenanteil aufbringen. Von 8.30 bis 14.30 Uhr werden die Senioren aktiv betreut, ihr Durchschnittsalter liegt längst weit jenseits der 80. Für Frühstück, Mittagessen und Kaffee am Nachmittag ist gesorgt und wenn das Angebot der Küche nicht gefällt, wird auch schon mal selbst gekocht. Viel Abwechslung in den Betreuungsalltag bringen die bei allen Tagesgästen beliebten Ausflüge in die Region. Erst kürzlich besuchten sie das Schwarzwildgatter in Zehdenick.