Johann Brüning ist im Züchterglück. Dabei ist er gar keiner. Doch aus seiner kleinen Schafherde ist quasi über Nacht eine große geworden. 14 Lämmer der Rasse Shropshire sind seit Ostern auf einer Wiese unweit von Grüneberg auf die Welt gekommen. Eins niedlicher als das andere. Mit zehn Tieren hat er vergangenes Jahr angefangen, jetzt sind es 33 und ob noch Nachzügler kommen, ist unklar. So viele „Shropies“, wie die Schafe liebevoll betitelt werden, wollte er gar nicht haben.
„20 bis 25 sind ideal“, sagt Brüning, ideal für seine große Streuobstwiese, die er 2019, wie mit dem Lineal gezogen mit 531 Obstbäumen 42 unterschiedlicher alter Hochstamm-Sorten angelegt hat. Auf Anhieb findet er so auch die aufgespießte Heuschrecke im jungen Apfelbaum in Reihe sieben, die der Neuntöter dort als Futterreserve hinterlassen hat – aber das ist eine andere Geschichte.

Oma-Schaf wird noch einmal Mutter

Zurück zum fleißigen Bock und dem Züchterglück. Selbst eine 13 Jahre alte Schaf-Oma wurde noch einmal Mutter. „Das kann sich keiner erklären“, sagt Johann Brüning. „Damit gehören wir eigentlich ins Guinessbuch der Rekorde“, scherzt er. Einige Tiere wird er also verkaufen. Da gibt es Interessenten, sagt er. Denn das Besondere an dieser alten englischen Rasse ist, dass sie keine Bäume anfressen wie andere Artgenossen, was auf einer Streuobstwiese fatale Folgen hätte. Sie interessiert nur das Gras und Kraut zwischen den Bäumchen. Sie lassen die Stämme in Frieden. Eine ideale Koexistenz. Die Tiere sind das ganze Jahr draußen, müssen nur getränkt und ab und an mit Heu gefüttert werden.

Eine FÖJ’lerin kümmert sich um die Tiere

Das macht Nora Ludwig gerade. Die 19-jährige Berlinerin gehört zum Team vom Hof Grüneberg, eine Ferienanlage, die Johann Brüning zusammen mit seiner Frau Wendy Bartsch-Brüning betreibt, die zudem noch eine Reitschule leitet. Die 19-jährige Nora absolviert hier ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) und ist eindeutig in die kleinen Wollmaschinen vernarrt.
Es ist eine erwiderte Liebe. Die Tiere kommen sofort, wenn sie die Wiese betritt, die mit einem hohen Zaun gegen Damwild und mit einem Stromzaun gegen den Wolf gesichert ist. Fünf Zwillingsgeburten gab es bisher. Von den 14 Lämmern sind nur vier kleine Böcke. Ein gutes Verhältnis. Im ersten Jahr gab es nur sechs Lämmer und ebenfalls vier Männchen. Die Böcke sind mittlerweile kastriert, eine ungehinderte Vermehrung also unterbunden.

Jacken aus eigener Wolle

Neben den Mäh-Eigenschaften sind die Tiere auch Fleisch- und Wolllieferanten. „Wobei ich fast kein Fleisch mehr esse“, sagt Brüning, „lieber Gemüse“. Aber die Wolle, darauf steht er. So sehr, dass er eine Miniserie von Lammjacken aus der Wolle seiner Schafe produzieren lassen will. Er selbst trägt schon ein Jackenmodell, wie es ihm vorschwebt. Fast täglich, wie er zugibt. Die Jacke ist nicht von seinen Schafen, aber sie ist heißgeliebt und der Ideengeber für sein eigenes Label „Stark wie ein Baum“.
So heißt sein Streuobstwiesen-Projekt, das im Oktober 2019 ins Leben gerufen wurde. 25 Kilogramm Wolle hat Brüning aus der ersten Schur erhalten. Das Material geht an eine kleine Schafswollmanufaktur in Thüringen. „30 Jacken wird es geben“, freut sich der Shropie-Fan. Und eine Stickerei hat er auch gefunden, die sein Label auf die Miniserie seiner Jacken aufbringt. Der Erlös kommt wiederum der Stiftung zugute, sagt Brüning.

Stark wie ein Baum und die Stiftung


Bereits mehr als 100 Baumpaten machen bei dem Projekt Stark wie ein Baum vom Hof Grüneberg mit.

Mit dem Paten-Obolus von 12 Euro im Monat wird das Gemeinschaftsprojekt des Caritas-Kinderhospizdienstes und der Stiftung Hof Grüneberg unterstützt.

Das Geld kommt Familien mit schwerkranken Kindern und auch der Pflege der Streuobstwiese zu Gute.

42 alte Sorten stehen auf der Grüneberger Plantage, darunter seltene Apfel-, Birnen-, Quitten- und Pflaumenbäume. 531 Hochstämme wurden gepflanzt. Nur sechs überlebten den ersten Winter nicht. Sie wurden ersetzt. Kürzlich fand der erste Pflegeschnitt statt.

Baumpaten können irgendwann die Früchte ihres Baums selber ernten oder zum Beispiel einem kranken Kind schenken.

Vor zehn Jahren wurde die Stiftung Hof Grüneberg gegründet, um Menschen mit Behinderung und Familien mit kranken Kindern Ferien auf dem Bauernhof zu ermöglichen. Familien, die auch der Kinderhospiz- und Familienbesuchsdienst des Caritasverbandes im Erzbistum Berlin unterstützt. Dieser arbeitet seit sechs Jahren mit der Stiftung Hof Grüneberg zusammen.