Todesmarsch-Dokumentation: OSZ-Schüler nehmen Interviews mit Zeitzeugen auf
Die Worte des kürzlich verstorbenen Holocaust-Überlebenden Zwi Steinitz stammen aus dem Film „Ein Weg – Tausend Schicksale“. Gedreht haben das 90-minütige eindrucksvolle Dokument über den Todesmarsch Schüler des Georg-Mendheim-Oberstufenzentrums Oranienburg. Bereits 2012 wurde mit den Aufnahmen begonnen. Doch erst zum zweiten Mal wurde er jetzt in Grüneberg der Öffentlichkeit vorgestellt. Dass der Film gezeigt wurde, liegt an Tony Sieg. Er war OSZ-Schüler und für den Film hatte Sieg mit einigen Mitschülern den damaligen Leiter der Gedenkstätte Sachsenhausen, Günter Morsch, interviewt. Andere junge Filmemacher waren nach Israel geflogen, um mit Überlebenden des Todesmarsches zu sprechen. Sie trafen neben Zwi Steinitz auf Jacov Tsur, Simche Appelbaum, Fanny Englard und in Berlin auf Henry Schwarzbaum. „Ich wusste nicht wohin sie uns bringen, nur dass sie uns umbringen“, erinnerte sich Schwarzbaum.
Tony Sieg ist aber nicht nur Mitglied der jungen Gemeinde, sondern gehört auch zum Arbeitskreis „Grüneberg erinnert“. Auch deshalb wurde das Zeitzeugen-Dokument am Holocaustgedenktag im Dorfgemeinschaftshaus gezeigt. Rund 30 Besucher kamen, einige mussten sogar stehen.
Schüler sprechen über Schuld
Nach der Vorführung wurde deutlich, dass die Zeitzeugen-Gespräche mit den Überlebenden die Besucher bewegt hat. Als besonders wertvoll wurden dabei die aufgezeichneten Gedanken der Schüler angesehen, die Antworten zum Beispiel auf die Frage nach der Schuld der Deutschen haben oder ihre Eindrücke nach dem Besuch der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem schilderten.
„Dieser Film hat mich sich sehr gerührt. Er sollte doch viel häufiger und vor allem in den Schulen gezeigt werden“, regte am Abend der Grüneberger Kantor Jens Seidenfad an. Neben anderen schloss sich auch der SPD-Landtagsabgeordnete Andreas Noack dem Wunsch an. „Die Erinnerung muss wach gehalten werden. Dieser Film ist sehr authentisch, das ist wichtig und hat mir gut gefallen.“
Der Film gehört dem Georg-Mendheim-Oberstufenzentrum. Schulleiter Dieter Starke freute sich auf Nachfrage dieser Zeitung über das Interesse an dem Film-Dokument. Tatsächlich hat Starke längst geplant, den Film auch an andere Schulen auszuleihen. „Dazu muss aber noch einiges geschehen“, sagt Starke. Der Film soll auf Schulstundenlänge von 44 Minuten gekürzt werden. "Außerdem mussten wir uns um alle Rechte, auch an der Musik kümmern“, so Starke. Im Mai ist die Premiere für die neue Film-Fassung geplant.
Hintergrund: Am 21. April 1945 trieb die SS mehr als 30 000 Häftlinge des KZ Sachsenhausen, unter ihnen Frauen und Kinder, zu Fuß Richtung Nordwesten auf einen Todesmarsch. Hunderte starben unterwegs oder wurden von der SS erschossen. Vom 23. bis zum 29. April wurden mehr als 16 000 Häftlinge im Belower Wald nahe Wittstock zusammengezogen. Sie lagerten ohne Unterkunft und Versorgung im Wald, mit Stacheldraht umzäunt und von einer SS-Postenkette bewacht.
Der Arbeitskreis freut sich über neue Mitglieder
Der Arbeitskreis "Grüneberg erinnert" hat sich in diesem Jahr viel vorgenommen. Das Programm für das erste Halbjahr steht.
2. Februar: Fahrt zur Gedenkstätte Jamlitz/Lieberose (Landkreis Dahme-Spreewald), einem Nebenlager von Sachsenhausen.
12. März: Erinnern wir uns? Ein Geschichtsprojekt im Hennigsdorfer Gemeinschaftszentrum Konradsberg.
20. bis 22. März: Weiterbildungswochenende in Sachsenhausen
3. bis 5. April: Performance für Grüneberg. Jugendliche erarbeiten eine Darbietung für die Gedenkfeier in Ravensbrück am 19. April.
18. April: Generalprobe für Wiedereinweihung der restaurierten Schrifttafeln am Gedenkort Grüneberg.
19. April: Enthüllung der Gedenktafel "Grüneberg erinnert".
19. Juni: Abschlussveranstaltung überLAGERt in Sachsenhausen
Im Juli: Besuch des Zeitzeugens Janusz Rakowicz in Krakau, verbunden mit einer Gedenkfahrt nach Auschwitz.
Der Arbeitskreis "Grüneberg erinnert" freut sich über neue junge Teilnehmer. Kontakt über Ruth-Barbara Schlenker: 033094 89766.⇥bu


