Die Nachricht hat viele erschüttert und betroffen gemacht: Wenige Tage vor seinem 80. Geburtstag ist der in der Region sehr bekannte Fleischermeister Karl-Heinz Tiemann am 3. Januar an den Folgen einer Corona-Infektion verstorben.
Die Trauerfeier findet mit Rücksichtnahme auf die derzeitige Situation in engstem Familien- und Freundeskreis in Grüneberg statt, wie die Familie in einer Traueranzeige an diesem Wochenende bekannt gibt. Anstelle zugedachter Blumen wird um Spenden für den Erhalt der Grüneberger Kirche gebeten.

Läden seit Silvester geschlossen

Tiemanns Ladengeschäfte in der Zehdenicker Altstadt sind seit Silvester zu. „Liebe Kunden, aus gesundheitlichen Gründen bleibt unser Geschäft vorübergehend geschlossen. Vielen Dank für Ihr Verständnis“ steht draußen dran. Sein Sohn Dirk, der schon seit 2010 die Geschäfte des Handwerksbetriebes gemeinsam mit seinem Vater in einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) führte, kündigte am Freitag auf Nachfrage an, dass die Läden wieder geöffnet werden sollen, sobald die Quarantäne überstanden ist. Einen genauen Zeitpunkt nannte er noch nicht.

Erfolgreichen Handwerksbetrieb aufgebaut

Karl-Heinz Tiemann hatte die Möglichkeiten genutzt, die sich mit der politischen Wende 1989 ergaben. Er baute zusammen mit seiner Frau Renate und seinem Sohn Dirk in der Havelstadt eine bis heute erfolgreiche Fleischerei auf, bei dem die Kunden an manchen Tagen Schlange stehen. 2017 würdigte ihn die Handwerkskammer Neuruppin mit dem Goldenen Meisterbrief zum 50-jährigen Meisterjubiläum.

Meisterausbildung 1967 abgeschlossen

Angefangen hatte alles 1956. Damals stand für Karl-Heinz Tiemann fest, dass er Fleischer werden möchte. In Gransee begann er seine Lehre. Nach drei Gesellenjahren und 20 Monaten Wehrdienst bei der Nationalen Volksarmee (NVA) meldete er sich 1964 zum Meisterlehrgang an. Damals war er schon in Zehdenick tätig. Erst bei der Konsumfleischerei am Markt, aus der später ein Betriebsteil der „Orania" wurde. Zwei Jahre lang musste Tiemann neben seiner Berufstätigkeit jeweils an den Wochenende für den Abschluss büffeln. Am 21. März 1967 war es soweit: Nach bestandenen Prüfungen in Theorie und Praxis hielt er seinen Meisterbrief in den Händen. Die Urkunde ziert noch heute das Ladengeschäft an der Berliner Straße.
1991 bot sich schließlich die Möglichkeit, den HO-Laden von der Treuhand zu erwerben, die Immobilie gehörte ebenso dazu wie der völlig veraltete Maschinenpark der Fleischerei. Die Verhandlungen mit der Treuhand zogen sich hin. Als er den Zuschlag erhielt, nahm er einen Kredit auf, modernisierte den Verkaufsraum und die Produktion.

Übernahme der Fleischerei Schiller

Mit vier Verkäuferinnen, einem Gesellen, seiner Frau Renate, die selbst gelernte Fachverkäuferin ist, und seinem Sohn startete er in die Selbstständigkeit. Die Geschäfte entwickelten sich so gut, dass weitere Mitarbeiter eingestellt werden konnten. 2017 übernahm Tiemann schließlich noch die Zehdenicker Fleischerei Schiller, die zum Verkauf stand. Fortan betrieb er in der Zehdenicker Innenstadt zwei Ladengeschäfte. Bis zu seinem Tod blieb Karl-Heinz Tiemann Fleischer mit Leib und Seele, einer der immer wieder auch die Herausforderung suchte. Bei verschiedenen Qualitätswettbewerben gab es höchste Auszeichnungen für die Wurstwaren.

Wie geht es weiter ohne Meister?

Aber wie kann das Unternehmen dauerhaft überleben, wenn der Sohn keinen Meistertitel hat, aber für das Führen einer Fleischerei Meisterpflicht besteht? Dirk Tiemann weiß darauf noch keine Antwort. In der Handwerkskammer Potsdam wird auf die verschiedenen Ausnahmeregeln hingewiesen, auf die Erteilung einer Ausübungsberechtigung beispielsweise. Auf jeden Fall müsse ein Unternehmen „unverzüglich einen Betriebsleiter“ benennen, weil der Fleischer zu den zulassungspflichtigen Handwerksberufen zähle und eine Eintragung in die Meisterrolle vorgeschrieben sei.