Veranstaltung: Klassik ersetzt in Kappe das Dorffest

Musizierten in Kappe: Aliny und Ilya Levinsky und Igor Budinstein (von links)
Wolfgang GumprichEr dirigierte in Südkorea, China, Dänemark, Polen sowie in Kanada und Mexiko. Igor Budinstein studierte Viola und Violine am Moskauer Tchaikovsky–Konservatorium, an der Universität der Künste Berlin sowie an der Hochschule für Musik Lübeck. Der Tenor Ilya Levinsky wurde in Baku geboren, dort studierte an der Musikakademie. Als erster Solist sang er an der Komischen Oper Berlin, stand auch auf Opern–Bühnen in Europa, USA und Japan. Seine Frau Alina arbeitet als Gesangslehrerin, die — so erzählte Budinstein — seine Tochter unterrichtet, die Dank des pädagogischen Geschicks ihrer Lehrerin es in den Kinderchor der Komischen Oper Berlin geschafft habe.
Und nun stand diese geballte musikalische Kompetenz als Trio unter den neun Quadratmetern eines Gartenpavillons, nannte sich mit einem Augenzwinkern „Die Kapper Rohrspatzen“, und trat auf dem Dorffest in Kappe auf. Falsch, korrigiert Bernd Halle, es ist eine „öffentliche Probe“, darauf legt der Ortsvorsteher wert. Und schiebt eine pfiffige Erklärung nach: Alle Ortsteile, so Halle, hätten bei einer entsprechenden Sitzung mit dem Bürgermeister auf ihre Feste verzichtet — außer Kappe. Denn der in Kappe wohnende Dirigent hatte zusammen mit dem Ortsvorsteher die Idee einer „öffentlichen Probe“. „Wir haben uns dann mit der Feuerwehr und dem Heimatverein zusammengesetzt“, erzählt der Ortsvorsteher, „und wir waren uns einig: Gibt es Corona–Fälle in Kappe, blasen wir es ab, wenn nicht, ziehen wir diese Idee durch“. Dazu habe man ein Hygienekonzept entwickelt, das vorsah, den Veranstaltungsort vom Ortseingang auf die Fläche des Gemeindezentrums zu verlegen, „dort haben wir mit 4 000 Quadratmetern die doppelte Fläche“. Außerdem konnte durch einen zentralen Eingang die Besucherzahl kontrolliert werden, sie wurde auf 150 beschränkt; Adressen sammeln und Hände desinfizieren gehörten ebenfalls dazu.
Augenzwinkernder Name
Die „Kapper Rohrspatzen“ spielten sich quer durch das Repertoire mit dem Motto „Die Welt zu Gast in Kappe“, Moderator Budinstein zeigte vor den Stücken jeweils die Entwicklung und Entstehungsgeschichte auf. So machte das Lied „Plaisir d’amour“ eine erstaunliche Karriere. Es wurde 1785 in Frankreich von einem Bayern namens Johann Paul Martin geschrieben und erlebte eine erstaunliche Verwandlung: Joan Baez sang es, Vangelis und Demis Roussos — damals noch als Aphrodite’s Child — sangen über die Melodie „I want to live“; Elvis Presley machte daraus „Can’t help falling in love with you“ (Lief lange Zeit in „Sturm der Liebe"). Weltklasse in Kappe — und das umsonst und draußen.