Kein Verständnis hat sie nach eigenem Bekunden derzeit für die Bürger, die der Meinung seien, man müsse keinen Finger mehr rühren, denn die Westvariante sei so gut wie sicher, quasi eine ausgemachte Sache.

Initiative für ein neues Bürgerbegehren

Und zwar: Weil der Bund nie und nimmer in einen langen Tunnel investieren werde, so die Überzeugung einiger Fürstenberger. Ein gewisses Verständnis habe sie für jene, die meinen, die Straße im Westen sei ideal, sie wäre weit weg und man würde keine Belästigung haben. "Aber unser Kurgebiet, der Tourismus und die Natur werden platt gemacht", meint Margit Hirsch.
Deshalb nun ihre Initiative für ein neues Bürgerbegehren: "Die Wahl zwischen Pest und Cholera", so das Motto. Denn genau das sei es, was den Leuten am 25. Juni in der Mehrzweckhalle vonseiten des Landesbetriebs offeriert wurde. Fünf Varianten waren vorgestellt, erläutert und grafisch dargestellt worden. Vier stadtnahe Optionen und die umstrittene Route einer Westumfahrung, die freilich von der Kommune und vielen Einheimischen nach wie vor favorisiert wird.
"Dass der Freiraum im Westen zerschnitten werden soll, stellt nämlich ein großes Problem dar", betont die Initiatorin. Außerdem gibt sich die Fürstenbergerin überzeugt, dass eine Mittelvariante unterm Strich noch am billigsten wäre.
Fakt sei: Leider sei Fürstenberg kein staatlich anerkannter Kurort, sondern "ein abgewracktes Industrienest" – siehe Kraftfuttermischwerk, weswegen den Planern die "Billigvariante einer Schnellstraße reicht", heißt es in dem Aufruf.

Lärmschutzwände führen durch Fürstenberg

Die Ingenieure des Landesbetriebs Straßenwesen Brandenburg führten diesbezüglich als Argument das gesetzliche Verbot der Zerschneidung von Freiraumverbund-Gebieten an. So steht es im seit 2019 geltenden Landesentwicklungsplan (LEP) der gemeinsamen Landesplanung Berlin-Brandenburg.
Für den Landesbetrieb rückten deshalb seine drei bahnparallelen, innenstadtnahen Varianten in den Mittelpunkt, meint Margit Hirsch. Aber neun Wohngebiete würden dadurch neu verlärmt, warnt sie.  Nach Überzeugung der Initiatoren des Bürgerbegehrens werde der Bund eine Schnellstraße bauen mit einer Durchfahrtgeschwindigkeit von 100 Kilometer pro Stunde. Und das zwischen sechs Meter hohen Lärmschutzwänden, die durch die Stadt führen und sie 200 Meter entfernt vom Marktplatz teilen.
Die Unterscheidung dieser drei innenstadtnahen Varianten besteht in:
entweder Wasserwerk abreißen oder den Maiberg abgraben beziehungsweise den denkmalgeschützten Wasserturm abstützen.
Wie gesagt: 200 Meter entfernt vom Marktplatz würde diese Mittelvariante gebaut, warnen die Initiatoren des Bürgerbegehrens, für dieses Option ebenfalls ein absolutes Unding sei. Es gebe Schätzungen, mutmaßt Margit Hirsch, dass das Verkehrsaufkommen dann überdies um 40 Prozent zunehmen könnte.

Ost-Umfahrung mit Tunnel

Was aber wollen Margit Hirsch und ihre Mitstreiter? Das aktuell von ihr organisierte Bürgerbegehren soll in erster Linie die Stimmen der Leute sammeln, die bei dem Gedanken an "Pest oder Cholera" Bauchschmerzen bekämen, heißt es in dem Aufruf der Initiatoren.
Deshalb gebe es die Forderung nach der Durchfahrt von Stadt und Wohngebieten "in einem Graben-Trog und Tunnel", alles andere wird bezüglich der Mittelvariante ausgeschlossen.
Oder als Alternative: Eine neue Ost-Umfahrung wird gebaut mit gleichfalls einem Trog und Tunnelabschnitten. Damit die Natur und sensible Areale in diesem Bereich geschützt bleiben. Unabhängig von diesem Bürgerbegehren und sicher ohne geistige Verwandtschaft hatten eine Ost-Umfahrung der Wasserstadt bereits die Mitglieder der AfD-Fraktion empfohlen – bislang ein Tabu wegen der Gedenkstätte Ravensbrück, die dann betroffen wäre.