Wechsel
: Mehr Bildung als Betreuung in Zehdenick

Mit Anja Michelsen leitet jetzt eine Erziehungswissenschaftlerin die Zehdenicker Kita „Sonnenschein“. Kinder sollen zu selbstbewussten Persönlichkeiten erzogen werden.
Von
Martin Risken
Zehdenick
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Hat klare Vorstellungen von der Kindererziehung: Anja Michelsen übernahm am 1. September die Leitung der Kita "Sonnenschein". Sie löst Doris Riesenberg ab, die im August in Rente gegangen ist

Martin Risken

Selbstbewusstsein fördern

„Bei uns sollen die Kinder lernen, ihre eigene Meinung zu vertreten und Verantwortung für sich zu übernehmen“, umschreibt die 33-Jährige ihr pädagogisches Konzept, das von dem bisherigen gar nicht so stark abweichen würde. Aus eigenem Erleben wisse sie, dass viele Jugendliche heute zunehmend unselbstständig seien, viele ließen sich sogar bei der Berufswahl noch durch ihre Eltern bevormunden. "Wir wollen die natürliche Neugierde der Kinder aufrechterhalten und fördern“, sagte die junge Pädagogin, die aus Salzwedel stammt.

Nach dem Abitur zog es sie nach Berlin. An der Freien Universität studierte sie Erziehungswissenschaften und war danach bei einem freien Kita-Träger in Berlin in verschiedenen Einrichtungen tätig, zuletzt in Prenzlauer Berg in einer große Kita mit fast 200 Kindern als stellvertretende Leiterin. Als sie und ihr Mann vor zwei Jahren ihr erstes Kind bekamen, fiel die Entscheidung, der Großstadt Berlin nach dreizehneinhalb Jahren den Rücken zu kehren. Weil ihre Schwägerin schon seit Jahrzehnten in Liebenwalde wohnt, fiel die Entscheidung für ein Häuschen im Grünen in Norden Brandenburgs. Wie gerufen kam da die Stellenausschreibung der Stadt Zehdenick, die eine neue Leitung für die Kita "Sonnenschein“ suchte.

Nun gibt es zwei Bezugserzieher

Noch während ihrer Tätigkeit in Berlin ließ sich Anja Michelsen zur Kinderschutzkraft weiterbilden. „Kindeswohlgefärdung kennt viele unterschiedliche Formen, die Vernachlässigung ist nur eine davon“, sagt sie. Wenn sie und ihre Kollegen zu der fachlichen Einschätzung kommen, dass die Entwicklung und das Wohl eines Kindes in Gefahr sind, würden die Eltern zum Gespräch geladen, um gemeinsam zu klären, welche Formen der Unterstützung das Kind und die Familie benötigt, und mitunter auch anzuraten, weiterführende Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Mit der Übernahme der Leitung hat Anja Michelsen eine Änderung vorgenommen, die insbesondere von vielen Eltern begrüßt worden sei: Im Kindergarten gibt es jetzt für jede Gruppe zwei Bezugserzieher als Tandem. Sie selbst lege größten Wert auf „partizipatives Arbeiten“ und größtmögliche Transparenz, bei allen wichtigen Entscheidungen holte die 33-Jährige ihr Team ins Boot. Gemeinsam sei so die Entscheidung getroffen worden, das sogenannte Straßenfest nach 29 Jahren abzuschaffen. "Diese Entscheidung ist aus dem Team heraus entstanden“, so Anja Michelsen. Es werde weiterhin ein Kitafest geben, aber in anderer Form. Für den Sommer sei ein Forscherfest geplant, auch weil in diesem Jahr die Rezertifizierung als „Haus der kleinen Forscher“ ansteht.

Zusammen mit der Stadt will die neue Kita-Leiterin erreichen, dass die Gruppenräume nach und nach renoviert und neu ausgestattet werden. In etwa einem Jahr wächst die Kita „Sonnenschein“ mit der Eröffnung des Neubaus beträchtlich. Um rund ein Viertel steigt dann die Kapazität. Die ersten Arbeiten haben in dieser Woche mit der Entkernung des alten Jugendclub-Gebäudes begonnen. Der wachsenden Verantwortung sieht Anja Michelsen gelassen entgegen.

Einrichtung mit 176 Kindern

Gut 30 pädagogische Mitarbeiter kümmern sich in der Kita "Sonnenschein" um 176 Kinder in zehn Gruppen. Zurzeit sind aber nicht alle Stellen besetzt, zum Teil auch, weil einige Mitarbeiterinnen in Elternzeit sind.

Im Sommer soll sich der Personalschlüssel durch neue Gesetze noch einmal andern. Neue Mitarbeiter sollen mit der Erweiterung der Kita hinzukommen.⇥ris