Der Anfang vom Ende
Doch wann begann der Anfang vom Ende? Darüber gibt es viele Spekulationen und Motive. Für den Musiker und Pfarrer Andreas Domke ist es der Oktober 1988: Da trat der (West)Berliner Musiker Rio Reise in der Seelenbinderhalle im damaligen Ost-Berlin auf und spielte seine eigenen Lieder sowie die aus seiner Zeit bei "Ton, Steine, Scherben" – außer, darauf hatte die Freie Deutsche Jugend (FDJ) gedrungen, "Keine Macht für Niemand". Stattdessen spielte er "Der Traum ist aus", und es gibt auf Youtube einen Mitschnitt, der mit gut einminütigem Beifall endet. Reiser singt "der Traum ist aus, aber ich werde alles geben, dass er Wirklichkeit wird". Nach der Hälfte der Zeit singt der ganze Saal voller Inbrunst mit. Domke eröffnete mit Reisers Lied am Donnerstagabend in der Zehenicker Klosterscheune sein Projekt "ZweiLand", in dem er sich charmant-kritisch an der DDR, dem Ort seiner Kindheit und Jugend, abarbeitet. Dabei beschränkt er sich mit seiner Band mit Jan Tiedrian (Bass) und Wilhelm Furian (Tasten, Schlagwerk) auf die zwei Jahre 1989 und 1990.
Dank Multimedia erscheinen auf der Leinwand Prominente, die Domke zu speziellen Themen befragt hat. Heiko Schröder, ortsbekannter Wirt aus Zehdenick, die Politiker Matthias Platzek und Gregor Gysi stehen Domke Rede und Antwort. Im Januar 1989 war Heiko Schröder zur Armee eingezogen worden, Gysi erinnert sich an Gerichtstermine und Platzek war beim Skifahren im Erz­gebirge.
Am Sonntag, 7. Mai 1989, feierte Andreas Domke seinen Geburtstag, zeitgleich wurden Kommunalwahlen in der DDR abgehalten, von denen damals niemand wusste, dass es die letzten sein würden. Domke und Freunde, so erzählte er vor vollem Haus in der Klosterscheune am Donnerstagabend, mischten in Wahllokalen mit, notierten Zahlen; ihr Ergebnis rund 90 Prozent, was von der offiziellen Wirklichkeit des Neuen Deutschland um acht Prozent übertroffen wurde. Im Verlauf des Abends spürte der Zuschauer (auch die aus dem Westen von ZweiLand), wie eng verwurzelt Domke mit dem Ort seiner Kindheit und Jugend ist.
Die DDR habe ihm zwar zugesetzt, er wurde verhaftet, von der Stasi observiert und verfolgt; seine Freiheit fand er in den Liedern, die er hörte und dann spielte oder die er schon mit 15 Jahren im Schatten der Glienecker Brücke schrieb. Zu einer weiteren Wende wurde das Konzert von Pink Floyd im Niemandsland zwischen Potsdamer Platz und dem Brandenburger Tor. Roger Waters intonierte "We don’t need no education" und jeder im Osten habe verstanden, dass die Bevormundung zu Mauern führe.
Domke und Band beendeten ihr Konzert mit sehr viel Beifall und einer Zugabe. Der Musiker kündigte an, dass die Gruppe das Projekt "ZweiLand" im Herbst an anderen Orten aufführen möchte. Interessant wäre es, auch die andere Seite (der Elbe) mit in "ZweiLand" einzubinden.

Die großen Hitsund Eigenkompositionen


ZweiLand – das erste Soloprogramm von Andreas Domke – erinnert an die Wendezeit.

Zum Soundtrack gehören Titeln von Silly, Rio Reiser, Pink Floyd und eigene Kompositionen und Texte aus Domkes Repertoire. red