Wohnungsmarkt: Oberhavels Norden wird für Berliner immer attraktiver

Der Vorstand des Haus- und Grundeigentümervereins (von links): Wolfgang Waldorf, Rudolf Ehrhardt, Anke Heubel (ausgeschieden), Marita Wagner und Annette Kloke.
Martin Risken„Mehr und mehr strömen Mieter aus den verschiedensten Gründen in den Kreis“, so Ehrhardt. Da seien die noch moderaten Mieten, die Abkehr vom Großstadtstress, die landschaftlichen Reize oder einfach, um den wohlverdienten Ruhestand zu genießen. Oranienburg sei dabei nach Potsdam ein Wachtumsmotor. „Das strahlt auch bis Zehdenick, Gransee und Fürstenberg“, so der Vereinschef in seinem Rechenschaftsbericht.
Wem die Mieten im Südkreis zu hoch sind, der finde hier im Norden Oberhavels eine angemessene Wohnung und das in viel schönerer Landschaft. Die Nachfrage nach Wohnraum steige. Auch durch die Migranten. „Wir sollten sie willkommen heißen und helfen, ihnen eine neue Heimat zu geben. Grundsätzlich sollte jeder Hauseigentümer bei ausländischen Mietinteressenten die gleichen Maßstäbe anlegen, wie bei deutschen. Pauschale Urteile wie ,Ich nehme keine Ausländer’ sind hier fehl am Platz“, appellierte der Vereinschef an die Mitglieder. Auch forderte Ehrhardt die Hauseigentümer auf, mehr zu investieren. Er verwies in diesem Zusammenhang auf die niedrigen Bauzinsen. Probleme gebe es mit Hartz-IV-Empfängern. Diese würden des Öfteren, ohne zu kündigen, aus ihrer Wohnung ausziehen. Die Vermieter würden dann auf den Kosten sitzenbleiben.
Während Wohnungen gut nachgefragt werden, gibt es bei Gewerbeimmobilien größere Schwierigkeiten. Nicht wenige Ladenlokale stehen leer. Die Frage eines Vereinsmitgliedes an Zehdenicks amtierenden Bürgermeister Dirk Wendland, ob die Kommune Anreize für die Ansiedlung von Einzelhandelsunternehmen plane, beantwortete der Verwaltungschef: Das sei nicht Angelegenheit der Kommune. Allerdings gebe es Fördermittel von Land und Bund. „Nehmen sie mit uns Kontakt auf“, empfahl Wendland. Gemeinsam werde man nach Lösungen suchen.
Auch die von den Freien Wählern geforderte Abschaffung der Straßenausbaubeiträge in Brandenburg beschäftigen die Generalversammlung. Es sei ungerecht, dass diese Beiträge, die schnell mal mehrere Tausend Euro ausmachen könnten, in einigen Bundesländern nicht erhoben werden, in Brandenburg aber weiterhin, kritisierte Ehrhardt. Gerade erst seien in Gransee neue Gebührenbescheide von bis zu 10 000 Euro verschickt worden. Die Volksinitiative „Straßenausbaubeiträge abschaffen!“ ringt noch immer um eine zeitnahe und rückwirkende Abschaffung der Beiträge.
Auch die geplante Erdgasförderung im Feld Zehdenick-Nord beschäftigte die Haus- und Grundeigentümer, geht in der Region doch die Angst um, durch Erdbeben könnten Gebäude Schaden nehmen. Wolfgang Waldorf, stellvertretender Vorsitzender des Vereins und Rechtsanwalt in Fürstenberg, hat sich intensiver mit dem Bergrecht beschäftigt. Hinsichtlich möglicher Schäden könne er Entwarnung geben. Die Beweislast, dass die Schäden nicht durch die Erdgasförderung entstanden sind, liege beim Verursacher. Die Förderung durch Jasper Rescoures zu verhindern, sei hingegen extrem schwierig. Es bestehe zwar die Möglichkeit, dass das Wirtschaftsministerium des Landes Brandenburg das untergeordnete Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffen (LBGR) anweisen werde, die Erlaubnis zu versagen. Allerdings habe das Unternehmen dann die Möglichkeit, die Erlaubnis einzuklagen, führte Waldorf auf Nachfrage aus. Privatleute könnten hingegen kein Widerspruch einlegen. Das sei einzig und allein das Privileg der am Verfahren beteiligten Träger öffentlicher Belange wie Behörden und Verbände. Denn die meisten Bodenschätze gehörten nicht den Grundstückseigentümern, sondern allein dem Land Brandenburg.
Vereinsstatistik
■ Der Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümverein Oberhavel/Nord hat bei seiner Generalversammlung einen neuen Vorstand gewählt. Dem Gremium gehören an:
Annette Kloke (Geschäftsführerin), Marita Wagner (Kassiererin), Frank Meier (Beisitzer), Rudolf Ehrhardt (Vorsitzender) und Wolfgang Waldorf (stellvertretender Vorsitzender).
■ Die Zahl der Vereinsmitglieder ist rückläufig: Am 1. Januar 2019 hatte der Verein 89 Mitglieder. Das sind zwölf weniger als im Jahr zuvor. Mehr als die Hälfte wohnen in Zehdenick und Umgebung. Darüber hinaus gehören dem Verein Fürstenberger und Granseer sowie aus den umliegenden Gemeinden an. Darüber hinaus gibt es Mitglieder mit Wohnsitz in den alten Bundesländern.
■ Zum Service des Vereins zählen die Beratungen, die 14-tägig dienstags von 14 bis 16 Uhr in der Geschäftsstelle des Vereins in Zehdenick, Am Kirchplatz 10, angeboten werden.
■ Auch das Gesellige kommt nicht zu kurz: Der Jahresausflug 2019 führt am 30. August zur Landesgartenschau Wittstock. 2018 gab es eine Bootsfahrt in Berlin. ⇥(ris)
