25 Jahre OWA-Wasserversorgung: Die Zeiten massenhafter Rohrbrüche sind vorbei

Baustelle: Günter Fredrich (rechts) und Frank Zirzlaff vor der zu errichtenden Filteranlage.
Roland Becker„Fangen wir mit Erich an.“ Solche saloppen Sätze baut Fredrich gern in seine Gespräche ein. In diesem Fall meint er den einstigen DDR-Staatschef Erich Honecker. Als dieser die DDR ein wenig zu öffnen versuchte, waren die Schleusen im damaligen VEB Wasserversorgung & Abwasserbehandlung Potsdam längst offen. Nach dem Studienabschluss als Ingenieur für Wasserwirtschaft und Wasserbau in Falkensee eingestiegen, hatte Fredrich 1984 den dortigen Bereich übernommen, zu dem auch die Versorgung von Hennigsdorf zählte. „Es gab Tage, da hatten wir morgens in Falkensee 30 Rohrbrüche. Im Laufe des Tages konnten wir zwölf beseitigen, und abends waren es dann schon wieder 30“, erinnert sich Fredrich.
Ein solch marodes Netz übernahm 1990 die Nachfolger-Firma PWA, aus der schließlich am 9. März 1994 die OWA hervorging. „Wenig später war das Schlimmste vorbei“, schaut der heute 67-Jährige zurück. Ein solches Vierteljahrhundert kann in Zahlen zusammengefasst werden. Zum Beispiel, dass die OWA-Rohre ein Gebiet von 833 Quadratkilometer durchziehen. Dass 2018 7 453 000 Kubikmeter Wasser an die Kunden flossen und 6 450 000 Kubikmeter Abwasser entsorgt wurden. Oder dass in beide System 307 Millionen Euro Investitionen flossen.
Ein Vierteljahrhundert kann aber auch anders erzählt werden. „Unseren Spitzenverbrauch haben wir morgens. Wenn alle aufstehen und pullern gehen“, plaudert der Geschäftsführer, der sich am Telefon gern mit „Fredrich, die Stimme der Vernunft“ meldet. Zu seinen vernünftigen Entscheidungen zählt er auch sein Motto: „Wir schmeißen keinen raus.“ Natürlich habe es nach der OWA-Gründung einen Überhang an Mitarbeitern gegeben. Laut Fredrich wurde ein Sozialplan erstellt, gegen dessen Auswirkungen keiner der Betroffenen vors Arbeitsgericht gezogen sei. Viele Kollegen seien schon seit Jahrzehnten dabei. "Wir haben ein fast familiäres Verhältnis und kennen uns alle seit Jahrzehnten“, beschreibt Frank Zirzlaff (57) die Stimmung im Unternehmen. Der Maschinenanlagenmonteur gehört zu denen, die sein Chef gern als Saurier der OWA bezeichnet. Ihn habe er zu DDR-Zeiten nach Hennigsdorf locken und dort halten können, weil er ihm eine Wohnung besorgen konnte. Dass nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst bezahlt wird, dürfte zu den langen Betriebszugehörigkeiten beitragen.
Wer in Hennigsdorf oder Velten, in Oberkrämer oder Kremmen, in Leegebruch oder Germendorf den Wasserhahn aufdreht, für den ist die OWA zuständig. Und wer in Hennigsdorf oder Velten, in Leegebruch oder Oberkrämer die Toilettenspülung drückt, für den entsorgt dasselbe Unternehmen die Abwässer. Allerdings sind es hier die kommunalen Eigenbetriebe Abwasser der einzelnen Kommunen, die den Hut aufhaben und die praktische Arbeit an die OWA weitergeben.
Das Gespräch, das im Hennigsdorfer Wasserwerk stattfindet, wird von einem ständigen Rauschen begleitet. "Das sind die Pumpen, die das Wasser ins Netz drücken“, erläutert Fredrich. Bevor das Trinkwasser durch die Leitungen in Richtung tausender Wasserhähne fließen kann, muss es im Hennigsdorfer Werk gefiltert werden. Derzeit übernimmt das eine aus den 1930er-Jahren stammende und mehrfach aufgerüstete Anlage. Dort, wo die zweite Filteranlage stehen soll, klafft ein riesiges Loch in der Wand. „Die Filterkessel der aus den 1960er-Jahren stammenden Anlage waren so verschlissen und schadhaft, außerdem nicht automatisierungsfähig, dass wir hier jetzt die letzte größere Investition tätigen“, berichtet der OWA-Chef. Zumindest die letzte dieser Größenordnung – es handelt sich um gut zwei Millionen Euro –, bei der er selbst den Hut aufhat.
Vielleicht wäre das silberne OWA-Jubiläum ein Zeitpunkt gewesen, in den Ruhestand zu gehen. Theoretisch. Praktisch sieht Günter Fredrich das anders. „Ich fühle mich geistig doch noch auf der Höhe der Zeit“, stellt er fest. Zwar sei die Nachfolge schon geregelt, aber der Geschäftsführer-Erbe muss noch gut zwei Jahre warten. Bis dahin hat Fredrich noch einiges vor. Zum Beispiel das Rohrnetz in einem Teil von Veltens Berliner Straße auszutauschen. Dafür muss nochmals der gerade erneuerte Gehweg aufgerissen werden. „Das ließ sich nicht mit der Straßensanierung koordinieren“, sagt er.
Was sich Fredrich kein zweites Mal wünscht, ist der Leegebrucher Sommer von 2017, als große Teile des Ortes unter Wasser standen. „75 Prozent der Haushalte konnten nicht entsorgt werden. Meine Kollegen haben, ohne zu Murren, vier Wochen täglich bis zu 14 Stunden geackert.“ Auch ein Beweis dafür, dass das Betriebsklima stimmt. Und darauf soll angestoßen werden: am 18. März beim offiziellen Festakt. Und im Sommer auf einem Betriebsfest für die 120 Mitarbeiter.
