Es ist keine vier Monate her, da versicherte Christoph Schneider, Chef der Stadtwerke Hennigsdorf, gegenüber moz.de, dass die Eintrittspreise ins Aqua-Stadtbad in diesem Jahr trotz deutlich gestiegener Betriebskosten nicht angehoben werden. Das sei auch deshalb nicht nötig, weil „die Stadt das Bad durch einen Verlustausgleich subventioniert“, erklärte Schneider Ende März. Nun haben ihn damals auf 700.000 Euro geschätzten Verluste, die er in diesem Jahr erwartet, zu einer Kehrtwende veranlasst.
Die Preise erhöhen sich um bis zu 50 Prozent und sollen ab 1. September gelten. Im Einzelnen ändern sich die Eintrittsgelder wie folgt: 90 Minuten im Schwimmbad kosten für Erwachsene statt 3,50 dann vier Euro, für Kinder 2,50 statt bislang zwei Euro. Die Zusatzstunde kostet für Erwachsene zwei (bisher 1,50) Euro, für Kinder 1,50 statt bislang einen Euro.

Sauna wird um ein Drittel teurer

Um ein Drittel teurer wird das Schwitzen. 90 Minuten Saunavergnügen kosten bislang 7,50 Euro, künftig muss ein Zehn-Euro-Schein hingelegt werden. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre zahlen statt 4,50 nun sechs Euro.
Tageskarten schlagen für Kinder mit 8,50 statt bisher 4,50 zu Buche. Bei Erwachsenen sind das elf statt der jetzigen sechs Euro. Teurer werden auch die Schwimmkurse. Sind derzeit 45 Minuten Unterricht für neun Euro zu haben, müssen ab September zwölf Euro bezahlt werden.

Vereine müssen ab 2023 mehr zahlen

Für Schulen und Vereine gibt es derzeit noch keine Preiserhöhungen. Das soll sich aber zum 1. Januar 2023 ändern. In der Pressemitteilung des Rathauses heißt es, dass „die Nutzungsentgelte dann angepasst werden“. Welche Preissprünge vorgesehen sind, dazu wurde noch nichts mitgeteilt. Rathaussprecherin Andrea Linne erklärt dazu, dass das Stadtbad in Hennigsdorf auch nach Inkrafttreten der neuen Preise weiterhin unter dem Schnitt vergleichbarer Bäder in der Region und Berlin liege.
Um bei den Hennigsdorferinnen und Hennigsdorfern Verständnis für die Preiserhöhungen hervorzurufen, verweist Stadtbad-Chefin Bärbel Sachtleben darauf, dass „das in mehr als zwei Jahrzehnten die zweite Preisanpassung ist“. Sie sei schmerzhaft, aber notwendig, um den gestiegenen Kosten für Strom, Fernwärme und Personal etwas entgegensetzen zu können. Zudem seien wegen der Corona-Pandemie die Umsätze spürbar zurückgegangen. Diese Verluste hätten auch durch die Corona-Hilfen der Bundesregierung nicht kompensiert werden können.

350.000 Euro Mehrkosten in diesem Jahr

Kamen 2019 noch 120.500 Gäste zum Schwimmen, so waren es 2021 weniger als die Hälfte. 2022 rechnet das Aqua-Stadtbad mit 97.000 Gästen. Waren 2021 insgesamt 950.000 Euro nötig, um das Stadtbad zu betreiben, so stiegen die Aufwendungen 2022 auf 1,3 Millionen Euro, also um 37 Prozent. 2023 wird mit Kosten von 1,45 Millionen Euro gerechnet. Das entspricht einer 50-prozentigen Steigerung der Kosten, um das Bad offenhalten zu können. Diese Analyse lag zuletzt auch den Hennigsdorfer Stadtverordneten vor.
Was in der Pressemitteilung des Rathauses nicht erwähnt wird: Für das Verlustjahr 2020 hatten die Stadtverordneten dem Bad zusätzliche 325.000 aus dem Stadthaushalt zugebilligt. Für das ebenfalls verlustreiche Jahr 2021 hatte Schneider noch Ende März gehofft, 225.000 Euro Zuschuss zu bekommen. Vom Rathaus vorgeschlagen und von den Stadtverordneten gebilligt wurden Anfang Juli allerdings nur 198.000 Euro.
Der Stadtwerke-Chef betont, dass die Preisanhebung ausschließlich dem Ziel diene, die gestiegenen Unterhaltungskosten für das inzwischen 42 Jahre alte Stadtbad zumindest teilweise zu decken. „Wir wollen, dass die Kommune und die Stadtwerke weiter in der Lage sind, die natürlichen Verluste, die der Betrieb einer solchen Einrichtung zu sozialverträglichen Eintrittspreisen mit sich bringt, auszugleichen.“ Er führt weiter aus: „Ganz besonders mit Blick auf die gestiegenen Energiepreise und die aktuell wenig vorhersehbaren Kosten müssen wir hier zeitnah handeln.“
Alle Detail zu Preisen und Öffnungszeiten finden sich auf der Internetseite www.stadtbad-hennigsdorf.de.