Bahnwerk
: Betriebsrat von Bombardier platzt der Kragen

Vertreter der Bombardier-Arbeitnehmer in Hennigsdorf beklagen Hinhaltetaktik und Konzeptlosigkeit des Konzerns.
Von
Roland Becker
Hennigsdorf
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Die S-Bahn für Hamburg war ein Auftrag, der in Hennigsdorf abgearbeitet wurde.

Bernd Settnik

Der Gesamtbetriebsrat aller zehn deutschen Standorte beunruhigt allerdings die gesamte Entwicklung der Bahnsparte von Bombardier. Und das so sehr, dass dieses Gremium einen Appell veröffentlicht hat, der wie ein Brandbrief klingt. Unter der Überschrift „Konzepte vorlegen, Verhandlungen endlich beginnen“ wird beklagt, dass die Konzernleitung bislang keine Strategie vorgelegt hat, die Perspektiven aufzeigt. Im Positionspapier heißt es dazu: „IG Metall und Gesamtbetriebsrat erkennen aktuell nicht, dass im Unternehmen eine Strategie besteht, die dieses Ziel verfolgt.“

Schon vor Weihnachten hatten Nachrichten wie im Handelsblatt für Verunsicherung gesorgt, wonach Bombardier über den beschlossenen Jobabbau von 2 200 Stellen (davon 400 in Hennigsdorf) weitere Arbeitsplätze streichen wolle. Das wurde von Bombardier zwar nicht bestätigt. Doch wenig später bot die Konzernleitung dem Gesamtbetriebsrat und der Gewerkschaft einen unmittelbaren Beginn von vorgezogenen Gesprächen an, die erst im Sommer 2020 stattfinden sollten. Für das erste Vierteljahr lagen laut Betriebsrat wöchentlich Termine vor. Einen Tag vor Verhandlungsstart sei dieser auf die erste Februarwoche verschoben worden. Ende Januar habe es geheißen, dass das erste Gespräch frühestens Ende Februar stattfinde. Laut Betriebsrat habe es zur Begründung geheißen, dass aus der Konzernzentrale in Kanada noch keine Zustimmung erteilt worden sei.

Den Gesamtbetriebsrat plagt nun die Sorge, dass Bombardier seine Rolle „als globaler Player“ auf dem Schienenfahrzeugmarkt verspielen könne. Die Hinhaltetaktik der Geschäftsführung sei inakzeptabel. Betriebsrat und Gewerkschaft verlangen, möglichst zügig eine Perspektive für die deutschen Standorte vorzulegen, die bis mindestens 2025 reicht. Es dürfe keine betriebsbedingten Kündigungen geben.

Mit großer Aufmerksamkeit wurde am Donnerstagmittag die Telefonkonferenz aus dem kanadischen Hauptquartier erwartet.