Bürgeramt in Berlin-Spandau: Personalausweis und Reisepass – kein Warten auf Termin mehr?

Spandau soll zukünftig ein drittes Bürgeramt bekommen. Neben den Standorten am Rathaus Spandau und in der Wasserstadt ist ein weiteres Amt in Staaken geplant.
Jessica NeumayerWer einen Reisepass beantragen, den Personalausweis verlängern oder seinen Wohnsitz ummelden möchte, muss dazu in Spandau, auch im Zeitalter der Digitalisierung, immer noch ins Bürgeramt gehen. Dafür sollte genug Zeit eingeplant werden. Die nächsten verfügbaren Termine, um einen neuen Reisepass zu beantragen, sind in zwei Monaten zu haben und das auch nur bei einer berlinweiten Suche.
Anstatt in eines der in Spandau schon vorhandenen Bürgerämter am Rathaus oder der Hugo-Cassirer-Straße in der Wasserstadt zu gehen, kann es also gut sein, dass sich ein Spandauer vor dem Urlaub auf Reise Richtung Köpenick begibt. Das könnte sich zukünftig ändern. Spandau bekommt ein drittes Bürgeramt – in Staaken.
Neuer Standort in Staaken geplant
„Mit dem Standort in Staaken können mehr Termine für die Berlinerinnen und Berliner insgesamt, aber auch für die Bewohnerinnen und Bewohner vor Ort, akquiriert werden“, erläutert das Bezirksamt die Wahl des Standortes. Immerhin würden alleine in Staaken über 47.000 Einwohnerinnen und Einwohner leben. Das ist mehr als ein Fünftel der insgesamt in Spandau lebenden Personen. (Einwohnerzahl 257.091, Stand 31.12.2023). „Zudem weist der Standort eine gute Erreichbarkeit, auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln, auf.“
Personalausweise, Reisepässe und Co. sollen zukünftig auch im Staaken-Center in der Obstallee beantragt werden können, wenn es nach den Vorstellungen des Bezirksamts geht. Hier soll das neue Bürgeramt entstehen – ganz in der Nähe der Stadtteilbibliothek. „Der Bezirk verfügt derzeit nicht über bezirkseigene Liegenschaften, die für die Einrichtung eines neuen Bürgeramtsstandortes geeignet sind“, erklärt die Sprecherin die Kooperation mit einem privaten Unternehmer.
Auch wenn alles noch nicht final schwarz auf weiß besiegelt ist, zeigt sich das Bezirksamt optimistisch. „Die Anmietungsverhandlungen sind bereits weit fortgeschritten und werden voraussichtlich bald zu einem positiven Ergebnis führen“, teilt die Sprecherin des Bezirks auf Nachfrage mit. Alle baulichen und technischen Voraussetzungen seien bereits mit dem Vermieter abgesprochen.
Dass der Bezirk sich für Räume in privater Hand entschieden hat, ist etwas ungewöhnlich. Es bedeutet, dass das Land Berlin Miete zahlen muss. Damit wäre eine zentrale Vorgabe des Senats nicht erfüllt. Wenn jedoch begründet werden kann, dass ein alternativer Standort nicht gefunden werden konnte, könne seitens des Senats doch zugestimmt werden. Entscheiden wird sich das höchstwahrscheinlich im März, wenn der Senat sowie das Abgeordnetenhaus tagen.
Mehr Personal für die Eröffnung im Juni
Im Juni 2024 soll laut der aktuellen Planung die Eröffnung sein. Ob dies in drei Monaten wirklich umsetzbar ist, bleibt abzuwarten. Doch alleine ein Bürgeramt zu eröffnen, bedeute noch nicht, dass es zukünftig für Bürgerinnen und Bürger einfacher wird, einen Termin zu ergattern. Sollte in einer ohnehin schon angespannten Personalsituation einfach nur Mitarbeitende eines anderen Standortes versetzt werden, bliebe das Problem das gleiche.
Die Sprecherin des Bezirksamts versichert, dass am neuen Standort sowohl auf vorhandenes und somit erfahrenes Personal zurückgegriffen wird, aber ebenso neue Mitarbeitende eingestellt werden. „Es werden insgesamt zwölf Neueinstellungen vorgenommen, wovon bereits zehn Mitarbeitende für die Sachbearbeitung gewonnen werden konnten.“
Drei weitere Bürgerämter für Berlin
Spandau ist nur eines der vier neu geplanten Bürgerämter in Berlin. Weitere Standorte sind in Marzahn-Hellersdorf, Treptow-Köpenick und Pankow geplant. Sie sollen voraussichtlich 2024 und 2025 eröffnen.
Für alle Bürgerämter sollen insgesamt 100 zusätzliche Stellen geschaffen werden. Davon fallen 20 Stellen auf ein neues Bürgeramt in Mitte und je zwölf Stellen auf Spandau und Marzahn-Hellersdorf. Die restlichen neuen Angestellten sollen vorerst auf die übrigen Bezirke aufgeteilt werden. Laut einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur von September 2023 sei zusätzlich zu den 100 Stellen noch einen Springerpool mit weiteren 20 Angestellten geplant, die dort aushelfen, wo sie benötigt werden.


