Buslinie 824: Hennigsdorfer beschweren sich über neue Strecke

Die geänderte Linienführung begeistert längst nicht alle Fahrgäste.
Roland Becker11 337 Kilometer gespart
Die Linie 824 (Hennigsdorf-Velten-Oranienburg) verkehrt seit Dezember über die Fontane- und Marwitzer Straße. Als Argumente für die veränderte Linienführung hatte die OVG im Vorfeld der Stadt gegenüber angegeben, dass pro Fahrt bis zu drei Minuten gespart werden und die von Baustellen belastete Linie dadurch pünktlicher werden könne. Außerdem hantierte das Busunternehmen mit sehr großen Zahlen: Es würden 530 Stunden und 11 337 Kilometer pro Jahr gespart.
Nach Auskunft aus dem Rathaus hat die OVG Fahrgastzählungen vorgenommen, die aber noch nicht ausgewertet seien. Erst nach der Grünen-Anfrage, so teilte Susann Cersovsky mit, die bei der Oberhavel Holding für den ÖPNV zuständig ist, „haben wir eine explizite Stellungnahme an die Stadt geschickt.“ Über die konkreten Inhalte wollte sie nichts sagen. Nur zwei Zahlen waren ihr zu entlocken: „Im ersten Halbjahr 2019 hatten wir innerhalb Hennigsdorfs 3 500 oder 1,2 Prozent mehr Fahrgäste als im Vergleichszeitraum 2018.“ Das sind pro Tag rund 20 Kunden. 2018 allerdings war die Linie durch die Großbaustelle Marwitzer Straße erheblich beeinträchtigt und bediente gar nicht die alte Strecke.
Ausgelöst durch mehrere bei den Grünen gelandeten Bürgeranfragen wollte die Partei auch wissen, unter welchen Umständen die Stadt eine Rückkehr zur früheren Linienführung präferieren würde. Dazu heißt es, dass dafür neben den Ergebnissen der Fahrgastzählungen auch die Bevölkerungsdichte in den jeweiligen Einzugsbereichen zu betrachten sei. Das spricht dafür, dass die Linienführung über die Fontanestraße präferiert wird. Im Gegensatz zur früheren Strecke werden mehr Gebiete erreicht, in denen der Geschossbau dominiert. Mit 112 Wohnungen, die ab Jahresende in den Fontanehöfen bezogen werden, wird dieses Argument nochmals untermauert.
Den Grünen geht es nicht unbedingt darum, dass der 824er wieder die alte Linienführung bedient. Ihnen ist mehr daran gelegen, dass Hennigsdorf mittelfristig mindestens eine eigene Stadtbuslinie erhält. „Wir möchten, dass die Stadt eine Defizitanalyse erstellt“, fordert die grüne Fraktionschefin Petra Röthke-Habeck. Ein erster Versuch, dieses Ansinnen im Rahmen des Antrags zum Klimanotstand durchzubekommen, scheiterte daran, dass der Gesamtantrag Klimanotstand eher auf Ablehnung stieß. Jetzt will Röthke-Habeck zur Haushaltsdiskussion 2020 den Antrag zur Buslinien-Defizitanalyse einreichen. Sie vermutet, dass vor allem die westlichen Stadtteile (zum Beispiel Tucholsky- und Liebknechtstraße) sowie Stolpe-Süd zu schlecht angebunden sind. Ab 2020 wird der Nahverkehrsplan des Kreises neu gestrickt. Dafür wünscht sie sich, dass Hennigsdorf entsprechende Wünsche formuliert.
Busangebotein der Stadt
Die Linie 809 kommt aus Berlin-Hermsdorf und endet in Hennigsdorf-Nord. Seit der Umlegung der Linie 824 ist sie die einzige, die die westlichen Stadtteile bedient. Sie verkehrt werktags stündlich, am Wochenende nur fünf Mal pro Tag.
Die Linie 824 verbindet Hennigsdorf mit Oranienburg im 20-Minuten-Takt, am Wochenende deutlich seltener.⇥rol