Corona-Forschung
: Hennigsdorfer Firma hilft, Impfstoff gegen das Virus zu finden

In sehr kleiner Dosis stellt die Hennigsdorfer Firma peptides&elephants künstliche Eiweiße her. Die sind derzeit weltweit begehrt, um einen Impfstoff gegen Corona zu finden.
Von
Roland Becker
Hennigsdorf
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Dr. Oliver Kreuzer weist auf eine sogenannte 96-Loch-Platte. Darin stecken ebenso viele Röhrchen, in denen sich Peptide in fester Form befinden. Eine erste Lieferung ist jetzt auf die Reise nach Rom gegangen.

Roland Becker

„Wir werden im April gut zu tun haben“, ist sich Dr. Oliver Kreuzer sicher. Dafür sorgt neben der Columbia Universität in New York, Wissenschaftlern in Italien und Portugal sowie einer Forschergruppe mehrerer deutscher Universitäten auch das Karolinsta-Institut. Die in Stockholm beheimatete Medizinische Universität gilt als eine der renommiertesten in Europa. Dort, wo an dem dringend benötigten Impfstoff gegen das Coronavirus geforscht wird, werden synthetisch hergestellte Peptide benötigt. Und hier kommen die Hennigsdorfer von p&e ins Spiel. Sie stellen diese im Körper vorkommende Proteine, also Eiweiß-Moleküle, künstlich her.

„Mit diesen synthetischen Peptiden können wir tote Viren simulieren“, erläutert Kreuzer. Erfahrungen damit haben seine Mitarbeiter bereits bei der Grippe-, Aids- und Krebstherapie gesammelt. Für das Coronavirus liegt die genetische Information vor. Die Forscher haben nun auf dieser Grundlage die Aufgabe herauszufinden, welche der sich an der Oberfläche des Virus befindlichen Proteine was für eine Antwort geben: „Welche Bereiche der Proteine können eine Immunreaktion auslösen? Sind sie Freund oder Feind?“, fasst Chemiker Kreuzer die Frage zusammen. Bei dem gesuchten Corona-Impfstoff gehe es darum, „den Virus nachzubilden, ohne die Krankheit auszulösen“, erklärt er.

Das menschliche Immunsystem ist in der Lage, einen Eindringling wie etwa einen Virus zu erkennen. „Es entschlüsselt aber nur Bereiche dieses Eindringlings. Zumeist sind das Proteine. Und auch davon werden nur Bruchstücke erkannt“, weiß Kreuzer. „Genau diese Bruchstücke bilden wir nach“, umreißt er die Aufgabe von p&e. Bei diesen Bruchstücken handelt es sich um eben jene, aus Aminosäuren bestehenden Peptide, die aus Proteinen abgeleitet werden. „Diese Bruchstücke sind für die Diagnostik wichtig, um schließlich einen Impfstoff entwickeln zu können“, erklärt Kreuzer. p&e stellt diese Peptide in einem selbst entwickelten und patentierten Automaten her. Produziert wird in geringsten Mengen. „Ein Gramm, das ist die Obergrenze, die wir herstellen“, sagt der Chemiker. Oftmals würden sich die Aufträge nur im Rahmen von zwei bis 20 Milligramm bewegen.

Zwei bis drei Wochen dauere es, ehe die bestellen Peptide geliefert werden können. Eine erste Charge von 140 solcher künstlichen Eiweiße ist in dieser Woche nach Rom gegangen. Dort untersuchen italienische Forscher in einem Verbund mit Kollegen aus dem portugiesischen Lissabon und aus China die Peptide. „Anhand von Blutproben gesunder und geheilter Patienten wird untersucht, ob deren Immunsystem die Peptide erkennt und Antikörper bildet“, beschreibt Oliver Kreuzer das Prozedere.

Milligramm für Mammutaufgabe

Ob die Zuarbeit aus Hennigsdorf letztlich geholfen hat, Corona das Garaus zu machen, werden Kreuzer und seine Mannschaft kaum erfahren. Rückmeldungen gebe es selten. Bleibt als Trost: peptides&elephants produziert im Miniformat für eine Mammutaufgabe, der Coronavirus-Forschung auf die Sprünge zu helfen.

Aus der Firmengeschichte

Bereits seit 19 Jahren ist die Firma peptides & elephants (p&e) auf dem Markt der Herstellung von synthetischen Peptiden aktiv. Im Land Brandenburg gibt es laut Geschäftsführer Dr. Oliver Kreuzer kein weiteres darauf spezialisiertes Unternehmen.

Gestartet wurde in Potsdam-Rehbrücke, danach zog p&e nach Golm. Im April 2017 zog die Firma ins Blaue Wunder nach Hennigsdorf. Hier bestehen genügend Möglichkeiten, sich zu erweitern. Derzeit gibt es sechs Festangestellte und vier freie Mitarbeiter.⇥rol