Diskussion zum Stadtbad-Projekt
: Stammgäste kritisieren Saunapläne

Hennigsdorfs neues Bad darf nicht mehr als 25 Millionen Euro kosten. Dennoch wird es sich nicht um einen Billigbau handeln. Geschwommen wird in Edelstahlbecken.
Von
Roland Becker
Hennigsdorf
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Das Dach des Bades, das im Karree Neuendorf- und Parkstraße sowie dem Alten Gymnasium errichtet werden soll, wird begrünt und mit einer Fotovoltaik-Anlage ausgestattet. Im oberen Bereich des Bildes ist der Turm für die Rutsche zu erkennen.

Stadt Hennigsdorf

Eine gläserne Front

„Die wichtigste Erkenntnis“, so setzte Tornow-Wendland vor etwa 25 interessierten Hennigsdorfern an, "besteht darin, dass alles durchsichtig ist“. In diesem Moment bezog die KIB-Chefin diese Bemerkung auf die geplante gläserne Front zur Parkstraße hin. Allerdings wird diese Transparenz einseitig sein: Vom Schwimmbecken aus kann der Besucher hinausschauen, von der Straße aus verhindern es aber Gestaltungsdetails, dass Passanten das Treiben im Bad beobachten können. Durchschaubar, oder besser gesagt transparent präsentierte Tornow-Wendland auch die Finanzierungsfrage. Nach den jetzigen Berechnungen wird das Bad inklusive Baukostensteigerungen und einer finanziellen Sicherheit für Unwägbarkeiten für 23,66 Millionen Euro zu haben sein. Da Tornow-Wendland dieser Zeitung gegenüber bestätigte, dass die bereits in der Vergangenheit von der Stadt gezahlten zwei Millionen Euro darin enthalten sind, wird Hennigsdorfs größtes öffentliches Bauvorhaben seit vielen Jahren unter der von den Stadtverordneten gesetzten Grenze von 25 Millionen Euro bleiben.

In der Praxis sind die Risiken, diese Summe zu überschreiten, allerdings noch nicht gänzlich ausgeräumt. Ende des Jahres, so Tornow-Wendland, sollen die Ausschreibungen starten. Erst wenn für die wichtigsten Aufträge (die Konstruktion des Bauwerks und die technischen Anlagen) Angebote vorliegen, kann eingeschätzt werden, ob der Kostenrahmen zu halten ist.

Für die meisten Besucher stand die Finanzierungsfrage an diesem Abend nicht im Vordergrund. Sie interessierten sich mehr für das, was neben den drei Becken noch entstehen soll. Da ist zum Beispiel die Sauna. Geschwitzt werden kann in einer finnischen und einer Duftsauna. „Wir Saunakumpel haben diskutiert und finden, dass der Bereich ein bisschen zu kurz kommt“, kritisierte Wolfgang Töpfer und fragte, ob es zum Abkühlen ein Tauchbecken geben wird. „Wir konnten nicht alle Wünsche erfüllen“, räumte Tornow-Wendland ein. Ein Tauchbecken hätte in diesem Bereich des Baukörpers eine Unterkellerung und damit eine nicht verantwortbare Verteuerung bedeutet. „Sollten wir die Genehmigung bekommen, werden wir versuchen, ein Tauchbecken im Außenbereich zu errichten“, stellte Stadtwerke-Chef Thomas Bethke in Aussicht. Immerhin ist aber von Anfang an ein kleiner Saunagarten geplant. Und im Inneren wird es einen Eisbrunnen zum Abkühlen des erhitzten Körpers geben. Kritik äußerte ein Hennigsdorfer auch daran, dass die Sauna nur für 25 Schwitzende gedacht ist.

Als zusätzliches Schmankerl präsentierten Tornow-Wendland und Bethke den zur Neuendorfstraße geplanten Turm, von dem eine 80 Meter lange spiralförmige Rutsche abgeht. Die KIB-Chefin geriet fast ins Schwärmen: „Die Rutsche ist wärmegedämmt und mit zahlreichen Lichtinstallationen ausgestattet.“

Einen guten Überblick über die Badelandschaft wird der Schwimmmeister haben. Seine voll verglaste Kabine befindet sich genau zwischen den drei Becken. Das größte davon, nämlich das Schwimmerbecken, wird mit einer Wasserfläche von 25 mal 12,5 Metern und fünf Bahnen für regionale Wettbewerbe tauglich sein.

Dass das Hennigsdorfer Bad trotz aller finanzieller Beschränkungen keine Billigausführung sein wird, beweisen schon die drei Edelstahlbecken. Nur die kleine, höchstens 30 Zentimeter tiefe Kinderplantsche sowie das Rutsch-Auslaufbecken werden gefliest beziehungsweise mit einem Kunststoff belegt.

Zu bedenken gab Sabine Krause von der Hennigsdorfer Osteoporose-Selbsthilfegruppe, dass das Mehrzweckbecken mit 30 Quadratmetern und einer Wassertiefe von 1,30 Meter sehr knapp ausfalle. „Wir brauchen fünf Quadratmeter pro Person. Da passen dann nur sechs Menschen ins Becken. Das ist für uns finanziell am Rand der Machbarkeit.“

Enttäuscht zeigte sich ein Zuhörer, dass noch nichts Konkretes bezüglich des Eintrittspreises verkündet worden sei. Bislang kostet ein 90-minütiger Aufenthalt 3,50 Euro, für Kinder zwei Euro. Zwar gibt es noch keine Preistabelle. Bürgermeister Thomas Günther (SPD) ließ aber durchblicken, dass mit einer moderaten Preissteigerung gerechnet werden muss. „Wir werden auch künftig dafür sorgen, dass das Bad für jeden zugänglich ist und einen Kompromiss finden, was die Preise angeht“, versprach er. Klar ist schon jetzt: Das Schwimmbad wird ein Zuschussgeschäft werden. Und das ist für kommunal betriebene Bäder durchaus nicht ungewöhnlich.

Wer das künftige Stadtbad mit dem Auto ansteuern will, findet 74 Parktaschen vor. Allerdings könnte es zumindest unter der Woche auf dem Parkplatz eng werden. Denn die Plätze sind auch für das geplante Kreativwerk im Alten Gymnasium gedacht. Günstiger erscheint es da, mit dem Sport schon auf dem Weg zur Abkühlung anzufangen. Wer nämlich zum Bad radelt, findet dort 180 Fahrradstellplätze vor. Auch an eine Elektroladestation für Pkw und E-Bikes wird gedacht.

Das am Donnerstag vorgestellte Konzept wird am 7. Oktober mit weiteren bis dahin vorliegenden Berechnungen dem Stadtparlament zur Beschlussfassung vorgelegt. Darin enthalten ist dann auch das Betriebskonzept. In diesem werden unter anderem Öffnungszeiten, Zeitreservierungen für Vereine und Schulschwimmen sowie die Eintrittspreise festgelegt. Den Abgeordneten wird außerdem ein Konzept samt Kosten für den Abriss des alten Aqua-Bades in Nord vorgestellt.

Tornow-Wendland hofft, dass bis zu diesem Stichtag auch die Baugenehmigung des Kreises vorliegt. Ihr Ziel ist es, Ende Februar den Bauantrag zu stellen. Einen Zahn zog sie den Hennigsdorfern bereits am Donnerstag: Die Chance, Fördermittel zu erhalten, sei mehr als gering. Hennigsdorf muss die 25 Millionen Euro aus der eigenen Kasse und mit Krediten finanzieren.

Auf der Suche nach einem Namen

"Bislang hat sich noch niemand Gedanken gemacht, wie das neue Bad heißen soll", sagte KBI-Chefin Birgit Tornow-Wendland im Gespräch mit dieser Zeitung.

Persönlich favorisiere sie den Namen Aquaplus, in Erinnerung ans bisherige Aqua-Stadtbad.

Noch aber sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Haben Sie eine pfiffige Namensidee, vielleicht sogar mit lokalem Bezug? Dann schreiben Sie an lokales@hennigsdorfer-generalanzeiger.de oder rufen Sie unter 03301 596384 an.

Als kleine Anregung: Wie wäre es mit Henni- oder Pinguin-Bad? Schließlich ist der Pinguin Henni das Maskottchen der Stadt. Und Pinguine haben bekanntlich großen Spaß im Wasser.⇥rol