Einkaufen in Spandau
: Gerüchte um Zukunft der Ellipse am Rathaus – wie es weitergeht

Das ehemalige Eiscafé Florida Eis gegenüber vom Rathaus Spandau steht leer. Gerüchte, was mit der Ellipse passiert, gibt es viele. Besitzer Olaf Höhn klärt auf, was 2024 geplant ist.
Von
Jessica Neumayer
Spandau
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Seit über einem Jahr steht das ehemalige Eiscafé in der Ellipse Spandau leer. Jetzt steht fest, was 2024 mit den Räumen und der Ellipse allgemein geschehen wird.

Jessica Neumayer

2025 hat das kleine Einkaufsoval gegenüber vom Rathaus Spandau ein Jubiläum: 20 Jahre steht das von manchen liebevoll genannte „Ei“ dann an seinem Platz. Nachdem das Eiscafé Florida Eis ausgezogen ist, steht eine Fläche leer – und die Gerüchteküche brodelt. Die Vorstellungen des Ellipsen-Besitzers Olaf Höhn und der Stadtbezirks, wie die Fläche genutzt werden sollte, gehen weit auseinander.

Wer den Fernbahnhof Spandau verlässt und zu den Bushaltestellen Richtung Kladow, Gatow, Staaken oder Potsdam läuft, kommt unweigerlich an der Ellipse vorbei. Sie ist als Immobilie mit 2500 Quadratmetern nicht übermäßig groß, hat auf zwei Etagen dennoch etwas zu bieten. Wer auf den Bus wartet, kann sich in der Zeit Kuchen, Brötchen oder einen Kaffee beim Bäcker kaufen, im Blumenladen stöbern, Geld am Bankautomaten abheben oder in der Reisebank wechseln. Geld tauschen auf andere Weise ist in der ansässigen Spielbank möglich.

Übergriffe und Beschimpfungen an der Tagesordnung

Bis Oktober 2022 wurden die Spandauerinnen und Spandauer in der Ellipse zudem mit selbstgemachtem Eis von Florida Eis versorgt. Doch nach 17 Jahren war damit Schluss. „Die Mitarbeiterinnen sind mir weggelaufen, weil Übergriffe und Beschimpfungen mittlerweile an der Tagesordnung waren. Dies hat sich so zugespitzt, dass ich von einem auf den anderen Tag geschlossen habe“, sagt Olaf Höhn, Geschäftsführer der Florida-Eis Manufaktur GmbH und Besitzer der Ellipse.

„Täglich haben wir Spritzen in den Sanitärräumen gefunden oder die Wände der Toiletten waren mit Kot beschmiert“, berichtet die Caféhaus-Leitung Heike Pfiffer. Die Übergriffe seien so weit gegangen, dass die Reinigungskräfte sich schon morgens bei der Arbeit eingeschlossen haben und nur noch zu zweit den Platz vor dem Café reinigten.

Darüber, wie die leerstehenden Räume in der Ellipse gegenüber vom Rathaus Spandau genutzt werden sollen, sind sich Immobilienbesitzer Olaf Höhn und das Bezirksamt Spandau nicht einig. Die Stadt hat jedoch das letzte Wort und Höhn zieht daraus seine Konsequenzen.

Jessica Neumayer

Von Beschimpfungen über Einbruch bis zum Raubüberfall sei in der Filiale alles vorgekommen, berichtet Höhn. Sämtliche Bemühungen, auch mit Polizisten, die in Zivilkleidung quasi Wache hielten, hätten an der Situation nichts geändert, bestätigt Pfiffer. In Notsituationen sei die Polizei zwar immer schnell zur Stelle gewesen und es seien Anzeigen aufgenommen worden, doch nach ein paar Wochen kam dann die Nachricht, dass das Verfahren eingestellt worden sei.

Keine Gäste für ein Café am Bahnhof?

Für Höhn war die Schließung keine leichte Entscheidung. Die Ellipse sei ein Herzensprojekt gewesen. Doch neben den gewalttätigen Übergriffen und dem fehlenden Personal, muss sich der Geschäftsmann auch eingestehen, dass er die Kunschaft am Busbahnhof falsch eingeschätzt hat. „So viele Menschen haben keine Zeit“, beschreibt er das hektische Treiben am Bahnhof und das geringe Interesse der passierenden Menschen mit Rollkoffern in den Händen. „Für ein Café mit Gemütlichkeit ist das nicht das Richtige.“

Fachmännisch spricht Höhn von geringem Kaufdurchschnitt. Es gab zwar viele Kunden, diese haben aber eher ein Eis zum Mitnehmen gekauft, um dann mit dem Auto, der Bahn oder dem Bus schnell weiterzufahren. Für ein Café sei das der Untergang. Dadurch entstandener Nachteil: „Für die Servicekräfte ist es ungünstig, weil das Trinkgeld wegfällt.“ Damit fehlte die Motivation, am Wochenende zu arbeiten.

Höhn will die Ellipse verkaufen. 2024 soll es so weit sein. Inserate seien dafür gar nicht nötig, sagt er. Die Immobilie sei beliebt. Es hätten sich schon mehrere Interessenten bei ihm gemeldet. Dennoch sei es für ihn keine einfache Entscheidung. Er möchte, dass dort anschließend „etwas Anständiges reinkommt“, sagt der Berliner. Das sei der Grund für den langen Leerstand. Höhn hat viele Nutzungsideen – vom Ärztehaus bis zum Supermarkt – durchgespielt. Der Geschäftsmann weiß: „Wenn man dort eine Kneipe hereinlässt, kommt auch die Klientel für eine Kneipe.“

Edeka hätte Interesse an Neueröffnung

In den 50 Jahren seiner Selbstständigkeit hat er einiges an Erfahrung gesammelt. Er rät davon ab, an dem Standort wieder ein Café zu eröffnen. Der Münsingerplatz sei nicht unbedingt attraktiv, um dort lange zu verweilen, äußert Höhn einen weiteren Kritikpunkt. Die Stadt sehe das jedoch anders.

„Edeka hatte Interesse, in der Ellipse einen kleinen Markt zu eröffnen“, sagt Höhn. Laut seiner Einschätzung wäre dieses Konzept ideal für den Standort gewesen. Doch die Stadt bleibe beim bisherigen Nutzungsplan und will dort weiterhin ein Café, sagt Höhn. Bisher sei die Ellipse als gastronomischer Betrieb angemeldet. Für ein Lebensmittelgeschäft müsste die Stadt einer Umnutzung als Gewerbe für den Einzelhandel zustimmen.

Die Ablehnung wird vom Bezirksamt mit der vertraglichen Vereinbarung, die man getroffen habe, erklärt. Die Zustimmung einer anderen Nutzung sei schon vor der Unterzeichnung des Kaufvertrags über das Erbbaurecht für die Ellipse ausgeschlossen worden, teilt das Bezirksamt auf Nachfrage mit. Nach den vertraglichen Regelungen zwischen dem Bezirksamt Spandau und Herrn Höhn ist eine überwiegend monofunktionale Nutzung zum Beispiel als Lebensmittelgeschäft nicht zulässig.“ Von der Stadt sei weiterhin gewünscht, die Fläche „im vollen Umfang und ausschließlich als Standort für einen Gastronomiebetrieb“ zu nutzen, wie vertraglich vereinbart.

Aufräumen mit Gerüchten rund um die Ellipse

Nachdem er viele Konzeptideen gedankliche durchgespielt habe, resigniere er nun, so Höhn. Deshalb will er die Ellipse noch 2024 verkaufen. „Es liegen Bewerbungen vor von Interessenten, die ein gastronomisches Konzept haben“, sagt Höhn knapp. Weiter geht er nicht ins Detail. Auch die Spielbank hätte Interesse bekundet, sich zu vergrößern.

An den bestehenden Läden wird sich vorerst jedoch wahrscheinlich nichts ändern, egal, wer die Ellipse zukünftig übernehmen wird, sagt Höhn. „Alle haben noch langfristige Mietverträge mit Verlängerungsoption. Eine kurzfristige Änderung wird es auf keinen Fall geben.“

Mit Gerüchten über den Abriss der Ellipse, möglicherweise um den Busbahnhof zu erweitern, räumt der Geschäftsmann auf. „Davon habe ich auch erst über die Medien erfahren“, dementiert er jegliche Pläne, die beinhalten würden, mit der BVG in Kontakt zu stehen und irgendwann Bagger anrollen zu lassen. Die Aufstockung um eine Etage war hingegen wirklich einmal kurz im Gespräch, als das Angebot des Lebensmittelhändlers vorlag. Statisch ginge das. „Ich habe die Ellipse damals extra so bauen lassen, dass das möglich wäre“.

Da der Einzug des Lebensmittelhändlers jedoch weiterhin unmöglich ist, bleibt es vorerst bei zwei Geschossen, höchstwahrscheinlich zukünftig wieder mit einem Café oder ähnlichem. „Wenn die Stadt dort ein Café drin haben will, muss da halt ein Café rein“, sagt Höhn, „ich bin dann raus“.

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