Freizeit
: Jugendclub-Türen öffnen sich im Netz

Discord heißt das neue Zauberwort: Auf dieser Internetplattform bieten die Jugendclubs aus Velten und Hennigsdorf Freizeitaktivitäten an.
Von
Roland Becker
Velten/Hennigsdorf
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Aktivitäten wie der Musikworkshop finden nicht mehr im Club, sondern im Internet statt.

Sophie Schade

Auf die Idee, der Kontaktsperre schnell auf diese Weise zu begegnen, sei der Club-Medienspezialist Uwe Drischmann gekommen. „Man muss sich nur mit der Mail-Adresse anmelden und muss keine persönlichen Daten angeben“, erklärt Yvonne Scherdin den Vorteil der Internetseite. Für die neue Clubleiterin, die erst zum 1. März in die Oase gekommen ist, stellt die virtuelle Welt eine weitere Herausforderung dar. Zuvor fand wegen der Bauarbeiten am Stammsitz die Clubarbeit in Kellerräumen des Bürgerhauses in Süd statt.

Besucher werden gecheckt

Bei Discord ist fast alles möglich. Private Chats, Videokonferenzen oder Voicenachrichten werden ebenso angeboten wie virtuelle Räume, in denen Workshops wie der Gesangs- oder Instrumentalunterricht stattfinden können. Allerdings müssen zuvor ein Begrüßungs- und ein Regelraum betreten werden. Die Clubmitarbeiter checken auch, ob sie es wirklich mit ihrer Klientel zu tun haben. Ein Mann sei bereits ausgeschlossen worden, weil er ganz andere, eher ins Sexuelle gehende Vorstellungen hatte.

Die Hennigsdorfer Nachbarn vom Conny Island waren von der Veltener Idee so begeistert, dass sie sich beraten ließen und seit 6. April auf derselben Plattform ihren virtuellen Jugendklub haben. „Hier können die Jugendlichen Playstation oder Xbox gegeneinander spielen oder auch chatten“, beschreibt Jennifer Burczyk, Hennigsdorfs Leiterin des Fachdienstes Jugend, die Möglichkeiten. Den Zugangscode finden Interessierte bei Facebook und Instagram von Conny Island. Auch in der Hennigsdorfer Ausgabe gibt es Kreativräume und ein Jugendcafé, in dem Spiele wie Schach oder Vier gewinnt angeboten werden.

Wenn Burczyk sagt: „Wir sind nicht naiv, das Angebot ersetzt keinen normalen Jugendclub“, ist sie sich mit ihrer Veltener Kollegin einig. In der derzeitigen Praxis gehen die Beiden aber unterschiedliche Wege. Während in Hennigsdorf die mobile Jugendarbeit eingestellt wurde, sind die Veltener weiterhin in der Stadt unterwegs. Es sei der Wunsch von Bürgermeisterin Ines Hübner (SPD) gewesen, diese Arbeit zu intensivieren, sagt Scherdin. „Anfangs haben uns einige mit dem Ordnungsamt verwechselt und sind weggerannt“, erzählt sie. „Die sind müde davon, den ganzen Tag zu Hause zu sitzen“, hat die Oase-Chefin über die Motivation erfahren, die Wohnung zu verlassen. Viele hätten das Joggen für sich entdeckt. Bei den Zufallsbegegnungen mit den Sozialarbeitern oder auch beim Klopfen am Jugendclub-Fenster kann auch mal Frust abgelassen, können Probleme angesprochen werden. Häufig sei von schlechter Stimmung in den Familien und von Eltern die Rede, die mit den Schulaufgaben ihrer Kids überforderten sind. Einem Fall häuslicher Gewalt habe aber erst einmal nachgegangen werden müssen. Scherdin fügt hinzu: "Die Dunkelziffer wird definitiv viel höher liegen.“

Burczyk und Scherdin sind froh, wenn die Clubs wieder öffnen dürfen. Eines aber haben sich beide vorgenommen: Die virtuellen Angebote soll es auch danach vorerst weiter geben.