Handel mit Nazi-Andenken: Rathaus toleriert Militaria-Messe

Im Kulturhistorischen Museum Magdeburg können Waffen wie ein SA-Dolch (links) in den richtigen Kontext gesetzt werden. Auf Märkten kann damit das falsche Publikum angezogen werden.
jew fdtBörse findet seit 2015 statt
Bereits seit 2015 veranstaltet der Berliner Helmut Wirth diese Sammlerbörsen. Außer zur Premiere 2015 hat sich vom städtischen Ordnungsamt nie jemand darum gekümmert, ob bei dieser Händlerbörse der besonderen Art alle Vorschriften eingehalten werden. Nach fünf Jahren soll das diesmal wieder erfolgen, hieß es aus dem Rathaus. Auf die Frage, ob die Stadt darauf achte, dass keine verbotene Ware angeboten wird, antwortete Rathaussprecherin Stefanie Steinicke-Kreutzer: „Bitte wenden Sie sich mit dieser Frage direkt an den Veranstalter.“
Sammlerbörsen-Chef Wirth spricht von 25 bis 30 Händlern, die zweimal im Jahr ihre Militaria den 130 bis 180 Besuchern anbieten. „Das sind alles normale Sammler, stinknormale Menschen“, legt Wirth für die Kunden seine Hand ins Feuer. Er räumt allerdings ein, dass er niemandem in den Kopf schauen könne.
Auf der Börse wird mit militärischen Objekten aus dem Kaiserreich und aus NVA-Beständen ebenso gehandelt wie mit solchen aus der Hitlerzeit. „Das sind keine Kopien, nur Originale“, versichert Wirth. Verkauft werde auch solche Ware, auf der Nazisymbole wie SS-Runen oder Hakenkreuze zu sehen sind. Allerdings gelten dabei strenge Regeln: „Diese Embleme müssen abgeklebt sein und sind damit nicht sichtbar“, versichert der Veranstalter. Allerdings dürfen die Händler auf Wunsch dem Kunden diese Symbole kurz zeigen.
Besondere Regeln gelten auch für die Blankwaffen. Dolche & Co. dürfen durchaus offen und für jeden greifbar auf den Händlertischen liegen. Wer eine solche Waffe kauft, muss laut Wirth allerdings durch die Halle zumindest bis zum Ausgang begleitet werden.
„Es ist auch Ausdruck des Toleranzverständnisses der Stadt Velten, nicht mit zweierlei Maß bei einer Vermietungsanfrage zu messen“, beantwortet Steinicke-Kreutzer die Frage, weshalb das Rathaus Militariamessen in städtischen Räumen zulässt. Man habe bei der ersten Anfrage 2015 „kritisch und sehr intensiv die Vermietungsanfrage prüfen lassen“, so die Rathaussprecherin. Das eigene Ordnungsamt und die Polizei hätten keine rechtliche Grundlage gesehen, diese als Preußische Sammlerbörse titulierte Veranstaltung zu untersagen.
Höchst kritisch sieht Dr. Axel Drecoll, Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, solche Märkte. Dem Veltener Rathaus empfiehlt er: „Die Stadt ist als Vermieter sehr, sehr gut beraten, sehr, sehr genau hinzuschauen, was dort angeboten wird und wer einkauft.“ Seine Erfahrung sage ihm, dass dorthin auch Besucher „aus politisch bedenklichen Kreisen kommen. Solche, die man nicht haben will, wenn man sich als Stadt auf Toleranz beruft.“
Sich grundsätzlich von solchen Märkten verabschieden will sich die Stadt Velten nicht. Die oben erwähnte Toleranz seitens des Rathauses für jegliche Art von Flohmärkten soll allerdings eingeschränkt werden. Steinicke-Kreutzer kündigt an, dass in die Benutzerordnung für die Ofen-Stadt-Halle ein Passus eingearbeitet werden soll, der das Handeln mit Waffen verbietet. Zudem soll jeder Mieter im Vertrag ein Bekenntnis zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung unterschreiben. Es wird sich zeigen, ob diese Vorschläge eine Mehrheit im von Pro Velten, CDU, AfD und NPD dominierten Stadtparlament erhalten.
Ob diese Neuerungen schon für Wirths nächsten Markt gelten, bleibt abzuwarten. „Mein Vertrag für die nächste Sammlerbörse am 12. September ist schon unter Dach und Fach.“
Varianten vonBlankwaffen
Unter die Kategorie Blankwaffe sind Handwaffen zu verstehen, die ihre Wirkung durch den direkten Einsatz von Muskelkraft entfalten.
Dazu zählen Säbel, Dolche und Schlagwaffen wie Morgenstern und Keulen.⇥red