Heerstraße Berlin-Spandau
: Stau und verstopfte Straßen – warum es dringend Lösungen braucht

In Berlin-Spandau kommt es nicht nur auf der Heerstraße regelmäßig zu Stau und vollen Straßen. Das Problem ist bekannt – getan hat sich dennoch nichts. Warum Lösungen immer dringender werden.
Von
Johannes Leichsenring
Berlin-Spandau
Jetzt in der App anhören

Stau von Spandau nach Berlin: Viele Pendler fahren mit ihrem Auto vom Außenbezirk und den umliegenden Städten in die Metropole. Das Stop-and-Go auf den Straßen gehört zum Alltag. Nicht nur wenn Schnee gefallen ist. (Symbolbild)

Rainer Jensen

Wer wochentags von Spandau mit dem Auto in die Berliner Innenstadt pendelt, braucht Zeit und Nerven. Fast immer kommt es zu den Stoßzeiten zwischen 7 und 8.30 Uhr beispielsweise auf der Heerstraße, der Ruhlebener Straße und der Nonnendammallee zu Stau. Dabei beginnt das Stop-and-Go bereits viel früher und ist auch schon längst bekannt. Warum sich die Lage zuspitzen wird und welche kurzfristigen Lösungen es gäbe.

Rund 30 Jahre lang sind Brigitte Wündsch (65) und ihr Mann aus dem Süden Spandaus mit dem Auto nach Berlin gependelt. Er fuhr nach Wedding, sie ans Salzufer in Charlottenburg-Wilmersdorf, später nach Siemensstadt. Von Kladow aus führte ihre Route über die Potsdamer Chaussee zur Heerstraße und von dort aus Richtung Innenstadt. Bereits ab dem Landschaftsfriedhof Gatow habe es sich regelmäßig gestaut.

Infrastruktur kommt mit Zuzug nicht hinterher

„Der Verkehr hat über die Jahre deutlich zugenommen“, sagt Wündsch, die seit ein paar Jahren in Rente ist. Denn seit der Wende hat es nicht nur Zuzug in Kladow und Gatow gegeben, sondern vor allem in den stadtnahe Randgebieten wie in Groß Glienicke, Seeburg, Falkensee und Potsdam. Während die Einwohnerzahl in Kladow und Gatow sowie den umliegenden Städten und Gemeinden stieg, habe sich an der Infrastruktur nichts geändert. „Bis auf ein paar Ampeln ist nichts dazugekommen“, sagt Wündsch. Außer weitere Autos.

Stau auf der Heerstraße – Stunde länger unterwegs

Das habe sich auf die Fahrzeiten der Eheleute ausgewirkt. Fuhren sie vormals zwischen 8 und 8.30 Uhr in Kladow los, verschoben sie die Abfahrt auf 7 beziehungsweise 7.30 Uhr, als ihre Kinder alleine zur Schule gehen konnten. Während mehr Autos aus Süden kommend zur Heerstraße fahren, stoßen diese auf ein erhöhtes Verkehrsaufkommen aus dem Westen, welches mit dem dynamischen Wachstum brandenburgischer Gemeinden und Städten wie beispielsweise Falkensees zusammenhängt. Die Einwohnerzahl Falkensees hat sich seit der Wende von knapp 22.000 auf rund 45.000 Einwohner mehr als verdoppelt.

Nimmt das rasante Wachstum im Westen Spandaus ab, entstehen derzeit im Süden riesige Wohnareale. Während das Parkviertel in Kladow, in Nähe der General-Steinhof-Kaserne, bereits nachverdichtet wird, soll im dritten Quartal 2024 das ebenfalls kasernennahe Wohnquartier Christoph-Columbus-Straße fertiggestellt werden. Insgesamt entstehen mehr als 100 neue Mietwohnungen.

Gleichzeitig erwächst in Krampnitz auf dem Gelände der ehemaligen Heeres-Reitschule im Norden Potsdams ein 140 Hektar großes Wohnquartier. Es soll Platz für rund 10.000 Menschen bieten. Laut Plan sollen die ersten Wohnungen noch 2024 bezogen werden. Viele der künftigen Bewohner von Krampnitz und der Kladower Quartiere werden die Straßen Spandaus nutzen, um beispielsweise morgens zur Arbeit zu kommen.

Bessere Anbindung wurde „verschlafen“

Jedoch hat sich im Süden Spandaus bei der Infrastruktur kaum etwas verändert. Die beiden Zubringer zur Heerstraße, die Potsdamer Chaussee und der Kladower Damm, wurden weder verbreitert noch wurde der ÖPNV auf der Strecke ausgebaut, um mehr Autos von der Straße zu bekommen. Die Busse auf der Linie 135, die Kladow mit dem Rathaus Spandau verbindet, würden laut Brigitte Wündsch beispielsweise nach wie vor nur im 20-Minuten-Takt fahren. Pläne, dies zu ändern, lägen der BVG nach eigenen Angaben derzeit nicht vor, während die Linien 134 und X34 bereits im 10-Minuten-Takt fahren.

Die CDU moniert daher öffentlich, dass der zuständige Senat es „verschlafen“ hätte, die Neubaugebiete adäquat anzubinden. Doch wie könnte dies aussehen? Die Grünen beispielsweise fordern ein Straßenbahnnetz für Spandau.

Laut Dara Kossok-Spieß, Vorsitzende der Grünen-Fraktion der Bezirksverordnetenversammlung Berlin-Spandau, werde zumindest eine Streckenführung vom Rathaus Spandau nach Krampnitz derzeit geprüft. Doch würden Jahre vergehen, bis nach einem Beschluss die Tram tatsächlich fahren würde. Daher bräuchte es andere Lösungen, um den Verkehr durch besseren ÖPNV zu entlasten.

Grüne wollen ÖPNV in Spandau attraktiver machen

„Spandau ist ein Flächenland wie Brandenburg“, so Kossok-Spieß. Deshalb ist das Fahrrad für viele Menschen keine Alternative. Für eine schnelle und mittelfristige Lösung des zunehmenden Verkehrs und der damit zusammenhängenden Staus auf der Straße müsse der ÖPNV attraktiver werden.

Für die Fraktionsvorsitzende heißt das: eine höhere Taktdichte der Busse, wo möglich die Einführung ausgewiesener Busspuren, damit die Busse nicht im Stau stehen, und kostenfreie Parkmöglichkeiten am Bahnhof Spandau, um den Wechsel vom Auto auf die Schiene attraktiv zu machen.

Pendeln

Warum kommt die Bahn zu spät? Was bringt ein Tempolimit auf der Autobahn? Und wie sieht die perfekte Innenstadt für Radfahrer und Fußgänger aus? Wir berichten über Mobilität in unserer Region - und darüber hinaus.