Innovation: Ein T-Shirt, das denken kann

Das T-Shirt von Jakob Dobrowoda (links) speichert Körperdaten, die automatisch auf eine App übertragen werden, die Sönke Paschko in der Hand hält. Die App kann mit den erhaltenen Informationen vor medizinischen Notlagen warnen.
Roland BeckerSpätestens als die AEG Schienenfahrzeuge auf die Ingenieure aufmerksam wurden, wurden aus den Hobbybastlern Profis. Tüftler sind die beiden Geschäftsführer und ihre knapp 20 Mitarbeiter, die seit 1996 in Hennigsdorfs Blauem Wunder sitzen, bis heute geblieben. Es hört sich eher nüchtern an, wie Freyer den Zweck der Arbeit umreißt: „Die Entwicklung und Herstellung von elektronischen Systemen, spezifisch auf die Kunden zugeschnitten.“
Derzeit dreht sich vieles um ein T-Shirt. Um ein ganz besonderes. Dabei geht es nicht um Mode, sondern um medizinische Hilfe. In Zusammenarbeit mit einem sächsischen Textilunternehmen und der Charité wird ein Shirt entwickelt, das mittels eingebauter Sensoren wichtige medizinische Indikatoren speichert. „Dazu entwickeln wir eine App, an die diese Informationen geleitet und von der sie abgerufen werden können“, erläutert Entwicklungsleiter Sönke Paschko. Übertragen werden Daten zu Atemfrequenz, Körpertemperatur und Puls, zur Hautfeuchte oder zur Lage des Körpers. „So kann festgestellt werden, ob der Patient gestürzt ist und hilflos am Boden liegt, ob er fiebert, dehydriert oder Kreislaufprobleme hat“, umreißt Freyer das Info-Tableau.
Softwareentwickler Jakob Dobrowoda steckt in solch einem glänzend blauen T-Shirt. Schaut man genau hin, zeichnen sich Konturen ab, nämlich die in der Testphase noch deutlich größeren Sensoren. Hat die vom Bundeswirtschaftsministerium geförderte Innovation die Reife zur Serienproduktion erreicht, sollen diese Mikroelektronik-Baugruppen auf Knopfgröße schrumpfen. Schon jetzt streift nicht nur der hauseigene Software-Experte das Shirt über, sondern auch Probanden der Charité. Eines Tages soll es pflegenden Familienangehörigen oder in Krankenhäusern und Pflegeheimen wertvolle Hilfe leisten. "Das Shirt reagiert und informiert, wenn medizinische Grenzwerte überschritten werden“, erläutert Peer-Kristian Siegel. Mit dem Aufzeichnen von Bewegungsprofilen kann Schwerstarbeit fürs Pflegepersonal entfallen. "Wird angezeigt, dass sich ein Patient selbst gedreht hat, kann das ansonsten im Zwei-Stunden-Takt nötige Wenden des Kranken gespart werden“, preist Siegel die Erfindung.
Übrigens haben die findigen Hennigsdorfer für ein Start-up auch das Funksystem für ein Kuh-Monitoring optimiert, bei dem das Tier einen Sensor schluckt, der im Magen verbleibt und frühzeitig Erkrankungen anzeigen kann. „Bei der Kuh hat das mit dem Shirt nicht funktioniert“, scherzt Siegel.
Innovationstag mit300 Ausstellern
Das mit Sensoren ausgestattete Shirt wird die Firma Freyer & Siegel am 9. Mai beim Innvoationstag Mittelstand des Bundeswirtschaftsministeriums präsentieren. Dieser findet von 10 bis 16 Uhr in der AiF Projekt GmbH in Berlin-Pankow, Tschaikowskistraße 49, statt. Mehr als 300 Unternehmen und Forschungseinrichtungen präsentieren technologische Neuheiten verschiedenster Bereiche, die mit Hilfe finanzieller Förderung entstanden sind. ⇥rol