Kriminalität: Betrüger räumen Geschäftsfrau aus Hennigsdorf alle Konten leer

Heike Kühne hat sich finanziell von dem Schaden noch nicht erholen können. Kriminelle brachten vor vier Monaten die Hennigsdorfer Geschäftsfrau an den Rand des finanziellen Ruins.
Roland BeckerGleich an zwei Fronten hat Heike Kühne, Inhaberin des Pflanzen–Discounts an der Berliner Straße in Hennigsdorf derzeit zu kämpfen. Zwar darf sie, eingestuft als Gartenbaumarkt, Pflanzen verkaufen. Doch das für sie wichtige Frühjahrsgeschäft kommt wegen des Coronavirus nicht so recht in Gang. Dabei beschäftigt sie noch ein ganz anderer Ärger. Der begann vor vier Monaten.
Mehr lesen:Nach Betrug: Heike Kühne muss ihren Pflanzenladen in Hennigsdorf schließen
Drohung: Online–Banking sperren
Es war der 19. November, als sie drei Briefe von ihrer Bank erhielt. Per Post erhielt sie von der Berliner Volksbank den Code fürs Online–Banking und die Zulassung, um Überweisungen per Handy tätigen zu können. Am selben Tag traf auch ein Schreiben der Volks– und Raiffeisenbanken ein. Da die Berliner Bank zu dieser Finanzgruppe gehört, wurde Kühne nicht stutzig. In dem Schreiben wurde sie aufgefordert, auf einer Internetseite einen Code einzugeben, um die Banking–App zu aktivieren. „Ich hatte keine Zeit und habe den Brief erst mal weggelegt“, erinnert sie sich. Doch dann habe sie den Anruf eines Mannes erhalten, der sich als Mitarbeiter der Bank ausgab und sie mahnte, die App zu aktivieren. Sonst werde ihr Online–Banking gesperrt. Also wurde sie aktiv.
Aktiv wurden aber noch ganz andere. Am 27. November erhielt sie einen Anruf der Volksbank. Die Mitarbeiterin wollte wissen, ob die Überweisung von 3 500 Euro korrekt sei. Ehe Heike Kühne reagieren konnte, erhielt sie die Hiobsbotschaft, die sie an den Rand des finanziellen Ruins brachte. Die Mitarbeiterin habe gesagt: „Ach herrje, all Ihre Konten sind leer, und der Dispo ist auch ausgeschöpft.“ Es stellte sich heraus, dass am Vortag Kriminelle innerhalb von drei Stunden 20 133,34 Euro abgeräumt hatten. „Das Gefühl, das ich in dem Moment hatte, kann man nicht beschreiben. Ich besaß nur noch die 40 Euro im Portemonnaie“, erinnert sich Kühne. Den nächsten Schock erlebte sie fünf Tage später, als die Bank mitteilte, für den Schaden nicht aufzukommen. Vier Monate später empört das die Geschäftsfrau noch immer: „Die Bank hat grob fahrlässig gehandelt.“ Weder habe man ihr Überweisungslimit beachtet, noch Daten wie die IP–Adresse des Kontoabräumers gesichert.
Auch das Fernsehen berichtete
Mittlerweile hat der Fall bundesweit Wellen geschlagen. Jüngst war ein Team der ZDF–Sendung „Vorsicht Falle!“ bei ihr. Und zehn Tage, nachdem am 17. Januar das ARD–Mittagsmagazin über den Fall berichtet hatte, teilte ihre Bank mit, 10 000 Euro zu ersetzen. „Für mich war das wie ein Teileingeständnis ihrer Schuld“, bewertet Kühne. Doch sie will auch darum kämpfen, die zweite Hälfte des Schadens ersetzt zu bekommen. Ihre Anwältin möchte sich zum Fall nicht äußern. Generell stehe aber juristisch der Weg offen, per Zivilprozess zu erreichen, dass die Bank den vollen Schaden begleicht.
Die Berliner Volksbank bestätigt zwar den Fall, will sich aber mit Verweis auf das Bankgeheimnis dazu nicht äußern. Man habe gegenüber Kühnes Anwältin ausführlich Stellung genommen.
Heike Kühne leidet bis heute unter den Folgen der kriminellen Tat: "Jetzt kann ich alles erzählen, ohne zu heulen. Früher ging das nicht. Aber der Vorfall hat mein ganzes Leben verändert.“