Musikalisches Zwillingspaar
: Hennigsdorfer erfolgreich bei Jugend musiziert

Die Hennigsdorfer Zwillinge Kai und Jona Rakoczy teilen die Liebe zur Musik und zur asiatischen Küche. Jona hat sich für den Landesausscheid Jugend musiziert qualifiziert.
Von
Roland Becker
Hennigsdorf
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Haben sich die Blumen verdient: Jona (links) und Kai Rakoczy gehören zu den besten Violine-Spieler der Hennigsdorfer Musikschule. Das haben sie erneut beim Regionalausscheid Jugend musiziert bewiesen.

Roland Becker

Für Jonas Mutter Jun Chikami-Rakoczy lohnte sich die Fahrt nach Rathenow. Denn mit Jona brachte sie auch dessen Zwillingsbruder Kai zum Wettbewerb. Beide spielen dasselbe Instrument: die Violine. Und Kai war fast genauso erfolgreich wie sein Bruder. Ihm fehlte nur ein Punkt, dann wäre auch er zum Landeswettbewerb geschickt worden, der im März in Eberswalde stattfindet.

Auf den ersten Blick wirken die Zwillinge ein wenig schüchtern, als Musikschul-Direktor Ronny Heinrich am Montag die beim Regionalausscheid durchweg erfolgreichen Schüler vorstellt. Im Gespräch aber ist dieser Eindruck schnell verschwunden. „Unsere Mutter wollte eigentlich, dass wir Klavier spielen lernen. Aber dafür waren die Wartelisten zu lang. Weil es aber noch Plätze für Violine gab, sind wir zufällig bei diesem Instrument gelandet“, erinnert sich Kai. „Am Anfang hatten wir gemeinsam Unterricht, aber später wurde das getrennt“, plaudert Jona über die ersten Unterrichtsstunden. Und die liegen schon rund sieben Jahre zurück. Beide waren erst viereinhalb Jahre alt, als sie das Streichinstrument das erste Mal in die Hand nahmen. Ihre Mutter bereut es nicht mehr, dass die Zwillinge nun nicht die Tasten eines Klaviers anschlagen. „Ich bin zufrieden. Beide Kinder haben Spaß.“

Mit elf Jahren die Violine meisterhaft zu beherrschen, das ist schon ein kleines Wunder. Aber das Zwillingspaar hat noch mehr Überraschungen parat. Von Kindesbeinen an haben sie eine für unsere Breiten höchst ungewöhnliche Sprache gelernt: das Japanische. Von Klein auf hat die aus Japan stammende Mutter ihre Kinder zweisprachig erzogen. Mit Mama wird zuhause nur japanisch geredet. „Aber untereinander sprechen wir meist deutsch“, verraten die Brüder.

Natürlich kennen beide auch schon die Heimat ihrer Mutter. „Aber wir sind nicht jedes Jahr in Japan. Dafür ist der Flug zu teuer“, erzählt Jona. Weil das Wetter dann am schönsten ist, besuchen sie ihre Großeltern meist in den Herbstferien. Und was gefällt ihnen an diesem so fernen Land? „Das Essen ist lecker. Es gibt so Nudeln mit einem ganz speziellen Gewürz“, macht Jona neugierig auf die japanische Küche. Kai liebt besonders „ich sag mal Maultaschen auf japanische Art. Die sind mit Schweinehackfleisch oder Chinakohl gefüllt.“ „Aber wir mögen besonders die mit dem Schweinefleisch“, konkretisiert Jona den Zwillings-Geschmack.

Die japanische Küche können sie nicht jeden Tag genießen. Ihren Spaß am Musizieren schon. „Ich spiele auch gern auf der Violine, wenn ich traurig bin“, verrät Jona und fügt hinzu, dass das Instrument für ihn dann wie ein Freund ist, der nur nicht sprechen kann.

Der Teilnahme am Wettbewerb hatten beide entgegengefiebert. Und zwar im wahrsten Sinn des Wortes. „Weil beide krank waren und hohes Fieber hatten, war es bis kurz vorher fragwürdig, ob sie teilnehmen können“, erzählt ihre Mutter. Auch Musikschul-Chef Ronny Heinrich staunte: „Wo du die Energie herhattest, mit tropfender Nase zu spielen!“, lobt er Kai. Und Jona bekommt sein Extra-Lob: „Die zuzuschauen war toll. Du hast super gespielt!“

Dabei war die Mutter offensichtlich nervöser als ihr Nachwuchs. „Ich war nicht so aufgeregt wie beim ersten Mal. Es war ja nicht meine erste Teilnahme an einem Wettbewerb.“ Wie das bei Zwillingen so gemeinhin erwartet wird, sind sich die beiden in vielen Dingen ähnlich. Das betrifft nicht nur die japanische Küche, sondern auch den musikalischen Geschmack. Beide spielen am liebsten Stücke des 1875 in Wien geborenen Komponisten Fritz Kreisler. Unterschiede gibt’s im Detail: „Ich mag am meisten ‚Liebesleid’“, verrät Kai. Jona hingegen bevorzugt die „Variationen über ein Thema von Corelli“.

Die beiden Sechstklässler, die das Humboldt-Gymnasium in Berlin-Tegel besuchen, sehen es durchaus als Vorteil an, dasselbe Instrument zu erlernen. „Manchmal spielen wir zu zweit. Und wenn ich mal nicht weiß, wie ich ein Stück spielen soll, kann ich meinen Bruder fragen“, freut sich Kai. Neid darauf, dass nur sein Bruder zum Landesausscheid zugelassen wurde, ist ihm fremd: „Ich würde gern mit ihm mitfahren.

Musikkarrieren

■ Zwei der sieben Teilnehmer am Regionalausscheid Jugend musiziert würden gern Berufsmusiker werden.

■ Magdalena Clauß (12) fände es am schönsten, wenn sie Violin-Solistin werden könnte. Sie möchte sich an der Universität der Künste in Berlin schon jetzt um eine Nachwuchsförderung als Schülerin bewerben.

■ An derselben Uni oder an der Musikhochschule Hanns Eisler möchte Louis Ferdinand Glauch (12) studieren, um Solist zu werden. „Aber auch in einem Orchester zu spielen, wäre nicht schlimm.“⇥(rol)