Namensgebung
: Eine Brücke in die Freiheit

Die Originaltafel erinnert an den einst politisch motivierten Namen der Havelüberquerung. Eine Hennigsdorferin schlägt einen neuen Namen vor.
Von
Roland Becker
Hennigsdorf
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  • Bei Google Maps wird die Überquerung des Havelkanals noch immer mit dem in der DDR verliehenen Namen Brücke der deutsch-sowjetischen Freundschaft angezeigt.

    Bei Google Maps wird die Überquerung des Havelkanals noch immer mit dem in der DDR verliehenen Namen Brücke der deutsch-sowjetischen Freundschaft angezeigt.

    Roland Becker
  • HGA_rol_brücke Brücke der deutsch-sowjetischen Freundschaft Brücke Nieder Neuendorf Havelkanal Hennigsdorf Juli 2019 (abfotografiert von Google Maps)

    HGA_rol_brücke Brücke der deutsch-sowjetischen Freundschaft Brücke Nieder Neuendorf Havelkanal Hennigsdorf Juli 2019 (abfotografiert von Google Maps)

    Roland Becker
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1960 nach Hennigsdorf gezogen, habe die Familie oft am Ufer – dort, wo es noch zugänglich war – gebadet. Als Renate Bischoff 1984 bei der Baumechanik, wie der aus Dresden stammende volkseigene Betrieb salopp genannt wurde, zu arbeiten begann, konnte sie von ihrem Bürofenster aus aufs Wasser und musste auf die Mauer sehen. „Oft fragte ich mich, ob ich es jemals erleben würde, das andere Ufer betreten zu können“, erinnert sie sich.

Mittlerweile können die Hennigsdorfer bereits den 29. Sommer am Nieder Neuendorfer Ufer ohne Mauer genießen und den Blick nicht nur nach Heiligensee schweifen lassen, sondern auch hinüberpaddeln. „Im Sommer gibt es für uns Wassermenschen nichts Schöneres, als die Umgebung zu erkunden, speziell die vielen Seen.“ Daher, so schreibt Bischoff, sei die einstige Brücke der Deutsch-Sowjetischen-Freundschaft eine der Freiheit: „Man kann in alle Richtungen gelangen, ohne Mauer, ohne willkürlich gezogene Grenzen.“

Offiziell trägt die Brücke einen geradezu emotionslosen Namen. In den Akten des verantwortlichen Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts Brandenburg ist sie als „Straßenbrücke Nieder Neuendorf“ verzeichnet. Der für den Brückenneubau zuständige Sven Brückner, weiß, dass die DDR-Bezeichnung bei Google Maps nicht erst zu lesen ist, seitdem er die Tafel mit diesem Namen wieder (und prominenter als bis 1989) platzieren ließ. „Ich habe schon versucht, die Namen zu löschen. Aber ich konnte ihn bei Google Maps nur verschieben“, erzählt er. Auch im Hennigsdorfer Rathaus wird die Namensdiskussion aufmerksam verfolgt. „Wir können der Brücke aber keinen Namen geben“, sagt Rathaussprecherin Ilona Möser mit dem Hinweis darauf, dass die Stadt nicht Eigentümerin der Brücke sei. Das bestätigt auch Sven Brückner, fügt aber hinzu: „Man kann über einen neuen Namen nachdenken.“ Für sein Amt spiele der Name eine untergeordnete Rolle. Das ändert sich allerdings, wenn dieser geändert werden soll. Hennigsdorf könne zwar einen solchen Antrag stellen. Aber darüber entscheiden müsse mit der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt die in Bonn ansässige und ihm übergeordnete Behörde. Zudem "ist es relativ schwer, einen Namen in unserer Datenbank zu ändern“. Dennoch kann auch er der Idee etwas abgewinnen: „Freiheitsbrücke, das wäre sicher auch ein schöner Name.“

Haben auch Sie einen Vorschlag, wie die neu errichtete Brücke über den Havelkanal, die Hennigsdorf und Nieder Neuendorf verbindet, heißen könnte? Dann schreiben Sie uns oder rufen an: lokales@hennigsdorfer-generalanzeiger.de, 03301 596384

TechnischeDaten

Der Havelkanal wurde 1951 und 1952 erbaut und galt auf dem Wasserweg als Umfahrung von Westberlin. Er beginnt an der Havel in Nieder Neuendorf und erreicht nach 34 Kilometern Paretz. 17 Brücken überspannen ihn.

Die Breite des Wasserspiegels wird mit 34,5 Meter angegeben, die Tiefe beträgt drei Meter. Damit können Schiffe mit einem Tiefgang bis zu 1,75 Meter den Kanal passieren. Eine geplante zweite Ausbaustufe wurde nicht umgesetzt.Bis 2019 wurde ein Neubau errichtet, der trotz höherer Verkehrsbelastung als vor 65 Jahren nicht breiter gebaut.⇥rol