Ein paar Monate herrschte so etwas wie Normalität auf der S-Bahn-Linie nach Hennigsdorf. Das wird noch ein paar Wochen so bleiben, die Pendler sollten es genießen. Der nächste Stresstest steht nämlich schon vor der Tür.
Ein Bahnsprecher teilte auf Nachfrage von moz.de mit, dass wieder eine Sperrung auf der S25 zwischen Tegel und Schönholz bevorsteht. Diese sei nötig, weil an den Brücken Tegel und Eichborndamm die Lager gewechselt werden müssen.
Für die Pendler wirkt sich das so aus: Ab Freitag, 28. Oktober, 22 Uhr, bis Montag, 31. Oktober, 4 Uhr, wird der Verkehr zwischen Tegel und Schönholz eingestellt. Als Ersatz fahren Busse.

S-Bahn baut – U-Bahn auch

Nun können manche aufatmen, indem sie sich sagen, dass sie schlimmeres gewohnt sind, als für ein Wochenende auf ihre Hennigsdorfer S-Bahn verzichten zu müssen. Stimmt. Doch diese kurzzeitige Sperrung ist er der Auftakt für das, was ab November – und dann für mehr als zwei Jahre – auf Pendler in und nach Berlin zukommt.
Zuerst betrifft es die Hennigsdorfer, für die dies der schnellste Weg ist, ihr Ziel in Berlin zu erreichen: Mit der S-Bahn bis Tegel, dann die kurze Strecke bis zum U-Bahnhof Alt-Tegel gelaufen, um mit der U-Bahn U6 Reinickendorf, Wedding oder die Stadtmitte zu erreichen. Damit wird voraussichtlich ab November 2022 Schluss sein. Und das für rund zweieinhalb Jahre.

U-Bahn nach Alt-Tegel für zweieinhalb Jahre gesperrt

„Wir planen eine Grunderneuerung des nördlichen Streckenabschnittes auf der U6 zwischen den U-Bahnhöfen Alt-Tegel und Kurt-Schumacher-Platz“, teilte auf Nachfrage von moz.de BVG-Sprecher Jannes Schwentu mit. Dafür wird auf diesem Abschnitt der U6 der Verkehr völlig eingestellt. Die im November beginnenden Arbeiten sollen bis ins Frühjahr 2025 dauern.
Mit der Sanierung nimmt die BVG ein Projekt in Angriff, das eigentlich schon längst hätte beendet sein sollen. 2018 hieß es, dass das Vorhaben 2020 begonnen und nach 20 Monaten, also im Laufe dieses Jahres, abgeschlossen werden sollte. Beides ist längst Makulatur.
Bei der Grunderneuerung der U6 bleibt auf rund vier Kilometern kein Stein auf dem anderen. Das betrifft vor allem den sechs Meter hohen Gleisdamm zwischen den Stationen Borsigwerke und Kurt-Schumacher-Platz. Neben weiteren Brücken müssen auch Weichen und Abstellanlagen saniert werden. Zu den Bahnhöfen, die eine Generalkur erhalten sollen, gehört auch der in Alt-Tegel. Im Visier sind dabei der Bahnsteig, die Treppen und die Ausgänge.
Dieses Jahr noch die S-Bahn von und nach Hennigsdorf genießen: Ab Sommer 2023 ist auf der Strecke mit massiven Einschränkungen zu rechnen.
Dieses Jahr noch die S-Bahn von und nach Hennigsdorf genießen: Ab Sommer 2023 ist auf der Strecke mit massiven Einschränkungen zu rechnen.
© Foto: Christiane Birkholz
Inwieweit kommen sich aber BVG und S-Bahn bei ihren Bauvorhaben auf der U6 und der S25 ins Gehege? „Es gibt hier stete und laufende Abstimmungen“, verweist der BVG-Sprecher auf die diesbezügliche Kommunikation zwischen beiden Verkehrsunternehmen. Ob sich die Arbeiten überschneiden, konnte er allerdings nicht sagen.

Ab Juni 2023 wird es auch auf der S25 eng

Dahingehend weiß der Bahnsprecher mehr. Im Klartext: Die Baustellen beider Verkehrsunternehmen werden sich zeitlich überschneiden. Das geschieht auch nicht nur für ein paar Wochen, sondern voraussichtlich für eineinhalb Jahre. Der Grund dafür ist am S-Bahnhof Wollankstraße zu finden. Dort werden voraussichtlich ab Juni 2023 zwei nebeneinander liegende Brücken erneuert. Nach den bisherigen Zeitplänen soll das bis kurz vor Weihnachten 2024 dauern. Dazu kommen noch Gleiserneuerungen im Bereich Schönholz für S- und Regionalbahnen.
Noch ist laut dem Bahnsprecher nicht klar, wie der Verkehr während der Bauzeit geregelt wird. Da die beiden Brücken nacheinander erneuert werden, bliebe theoretisch zumindest ein Gleis für die S-Bahnen frei. Dass darüber der gesamte Verkehr abgewickelt werden kann, erscheint jedoch fraglich. Denn neben der S25 von und nach Hennigsdorf verkehren über das künftige Nadelöhr auch die S1 nach Oranienburg und die S26 nach Waidmannslust. Daher ist davon auszugehen, dass entweder ein Pendelverkehr oder ein Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet wird.

Autobahn als Alternative zur Schiene?

Wenn für eineinhalb Jahre Ausnahmezustand auf der S25 und der Tegeler U-Bahn-Linie herrschen, dürften viele aufs Auto umsteigen. Allerdings ist man auch als Autofahrer vor Unheil nicht gefeit. Die Bauarbeiten an der U-Bahn-Linie werden auch den Verkehr auf der Stadtautobahn A111 beeinflussen. Erneuert wird zum Beispiel die Brücke in Höhe Seidelstraße, die in direkter Nachbarschaft zur Autobahn A111 liegt. „Dort wird es während der Bauzeit Auswirkungen im Bereich der Anschlussstelle Seidelstraße geben“, teilt der BVG-Sprecher bezüglich des Verkehrs auf der A111 mit. Ob davon nur die dortigen Auf- und Abfahrten oder aber auch der Durchgangsverkehr auf der Autobahn betroffen sein werden, ging aus der Antwort nicht klar hervor.
Vonseiten der Autobahn GmbH des Bundes heißt es, dass dieser vonseiten der BVG noch kein konkreter Antrag auf Verkehrsbeschränkungen vorliege. Allerdings „gehen wir bisher davon aus, dass es auf der Autobahn A111 im Bereich der Brücke Seidelstraße zur Verkehrsraumeinschränkung mit Reduzierung von Fahrstreifen kommen wird“, teilte Dr. Cornelia Mitschka, Sprecherin der Autobahn GmbH, mit.

Nach der U-Bahn-Sanierung ist die Stadtautobahn dran

Bei einem so großen Bauvorhaben wie dem der BVG ist es nicht selten, dass sich Bauzeiten verlängern. Im Fall der U6 dürften viele bangen, ob dies passiert. Denn ab 2025 soll auch der nördliche Teil der Autobahn A111 saniert werden. Sollte die U6 bis dahin nicht fertig sein, bliebe den Pendlern nur die Wahl zwischen Pest und Cholera: Stau auf der Autobahn oder sich per Schienenersatzverkehr durch die Stadt kutschieren zu lassen. Auch auf der S25 ist dann mit weiteren Bauarbeiten zu rechnen. So sollen zwischen Schönholz und Tegel mehrere Bahnhöfe modernisiert und deren Bahnsteige verlängert werden. Ohne Einschränkungen im Zugverkehr wird auch das nicht vonstattengehen.