Stadtwerke
: Fernwärme wird um 13 Prozent teurer

Hennigsdorfs Stadtwerke verkünden die höchste Preissteigerung der vergangenen sieben Jahre. Als Grund dafür werden unter anderem die Investitionen in Zukunftstechnologien angegeben.
Von
Roland Becker
Hennigsdorf
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Seit dem Sommer wächst auf dem Gelände des Heizwerks Zentrum ein neuer Netzpufferspeicher in die Höhe. Investiert wird zudem in das neue Heizkraftwerk Nord II. In etwa zehn Jahren muss auch das Biomasse-Heizkraftwerk technisch völlig überholt werden.

Stadtwerke Hennigsdorf

Stadtwerke-Chef Thomas Bethke erläuterte die preislichen Auswirkungen am Beispiel einer 60 Quadratmeter großen Wohnung. Bei einer monatlich um zehn Euro höheren Rechnung schlage die Preiserhöhung jährlich mit 120 Euro zu Buche. Der Preis pro Kilowattstunde wird im Bruttopreis von 8,5 Cent auf 5,23 Cent sinken. Der bislang bei 65,45 Euro liegende jährliche Grundpreis wird sich allerdings fast verdreifachen und erreicht 175,95 Euro. Die neue Preisliste gilt ab 1. Januar 2020. Bethke weist darauf hin, dass die Mieter von ihren Hausverwaltungen gegebenenfalls höhere Kosten in Rechnung gestellt bekommen können. Denn von denen werde noch Nebenkosten umgelegt, die zum Beispiel für das Ablesen der Zähler entstehen.

Drei Ursachen

„Es ist nicht schön, wenn etwas teurer wird. Aber die Erhöhung ist relativ moderat“, bewertet der Stadtwerke-Chef die stärkste Preissteigerung seit mindestens sieben Jahren. Der die Kunden teuer kommende Schritt habe drei Ursachen. Zum einen „sind dringend notwendige Ersatzinvestitionen in technische Anlagen nötig, die aus der Zeit Anfang der 1990er-Jahre stammen“, sagt Bethke. Der zweite Grund liege im Bau  neuer Anlagen zur Wärmeerzeugung. Dazu zählt er den Umbau des Heizhauses am Busbahnhof und die Investition in das neue Heizhaus Nord. Dort soll aus dem Stahlwerk stammende Abwärme dafür genutzt werden, dass Hennigsdorfer Haushalte versorgt werden können. „Das sind Investitionen in die Zukunft, mit denen wir 20 Jahre leben werden“, blickt Bethke voraus. Als dritten Preistreiber erwähnt er „die energiepolitischen Rahmenbedingungen“. Darunter fällt vor allem das (noch nicht vom Bundesrat bestätigte) Klimaschutzpaket der Bundesregierung. Bis 2025 soll von Jahr zu Jahr der Preis für jede produzierte Tonne CO2 von anfangs zehn auf 60 Euro steigen.

Die im Grundpreis präsenten Kosten, zu denen neben den Investitionen auch die Gehälter der Mitarbeiter gehören, nehmen gegenüber den flexiblen Kostenstellen (zum Beispiel der Einkauf von Kohle, Öl und Gas) einen immer höheren Anteil ein. Mittlerweile zwei Drittel der Kosten entstünden unabhängig vom Verbrauch der Kunden. Und diese Fixkosten lassen die Stadtwerke nun generell in den Grundpreis einfließen. Bethke spricht von einer „neuen Preisformel“. Zugleich weist er darauf hin, dass sich die Preise auch nach der bisherigen Berechnung erhöht hätten, allerdings nur um 5,5 Prozent. Nach dem Preisdiagramm, das Bethke am Montag vorlegte, wären die Preise entsprechend der alten Formel in Zukunft stärker gestiegen und hätten etwa 2023 das Niveau der neuen Preisformel erreicht. Danach wären sie stärker nach oben gegangen. Allerdings handelt es sich dabei um eine bis 2025 reichende Prognose, die sich in der Realität wird beweisen müssen.

Der Stadtwerke-Kunde hat durch den geringen Anteil des Arbeitspreises künftig kaum noch finanzielle Anreize, beim Wärmeverbrauch zu sparen. Weshalb soll die Heizregler herunter gedreht werden, wenn damit wegen des geringen Arbeitspreises kaum noch gespart werden kann? Bethke argumentiert, dass das Einsparpotenzial zum Beispiel durch gedämmte Fassaden ohnehin überschaubar geworden sei.

Was die Energiewende betrifft, darauf wies Benjamin Richter vom die Stadtwerke beratenden Büro Rödl & Partner hin, „steht Hennigsdorf im Wettbewerb gut da“. Bei der Fernwärmeproduktion werde seit Jahren auf Erneuerung gesetzt. „Da wachen andere Städte jetzt erst auf“, meinte Richter. Als Beispiel führte Bethke den Bau des Wärmespeichers am Heizwerk Zentrum an: „Damit sparen wir an diesem Standort 99 Prozent Schwefeldioxid, 66 Prozent Kohlenmonoxid und 1 000 Tonnen CO2 pro Jahr.“

Die neuen Preise im Überblick

Der Grundpreis für Fernwärmekunden der Stadtwerke erhöht sich ab 1. Januar 2020 von 65,45 Euro auf 175,95 Euro brutto.

Fallen wird der pro Kilowattstunde berechnete Arbeitspreis. Statt bislang 8,5 Cent schlägt er nur noch mit 5,23 Cent zu Buche.

Das ergibt laut Stadtwerke eine Preiserhöhung von 13 Prozent. Für eine 60-Quadratmeter-Wohnung sind das jährlich 120 Euro.⇥rol