Tattoo in Berlin-Spandau: Wo sich Fußball-Stars und Rapper tätowieren lassen

Ein bekanntes Tattoo-Studio in Berlin-Spandau wurde von Tim de´Robertis gegründet: Zu seinen Kunden gehören auch international bekannte Fußball-Stars wie Boateng oder Rapper wie Silla oder RAF Camora.
Ricardo KattirisIm Studio herrscht Hochbetrieb. Das surrende Geräusch der Tätowier-Maschinen ist aus den Sepáres zu hören. Am Empfang werden die Kunden und Kundinnen teilweise auf Englisch begrüßt. Das neunköpfige Team ist international aufgestellt. Asien, Südamerika, Osteuropa: künstlerisch affine Tätowierer zu finden sei in Deutschland schwer. Das zumindest sagt Tim de´Robertis, der vor 10 Jahren mit seinem Studio Love is Pain an den Brunsbütteler Damm zog. Doch wie kommt man zu diesem Beruf? Worauf sollten Kunden achten? Tim de´Robertis gibt Einblicke.
Tattoos sind in Deutschland schon lang kein Randphänomen mehr. Nach Angaben einer YouGov Studie gaben im Jahr 2021 26 Prozent der 25- bis 34-Jährige an, dass sie bereits mindestens ein Tattoo haben. Mit der wachsenden Nachfrage stieg auch die Zahl der Tätowierer in Deutschland. Von insgesamt 800 sozialversichert beschäftigten Tätowierern und Piercern stieg die Zahl auf 978. Dabei gibt es keine geregelte Berufsausbildung. Allerdings besteht seit 1995 der Berufsverband Deutschlands Organisierte Tätowiere e.V. (DOT), welcher regelmäßig Fortbildungen und Kurse anbietet.
Tattoo-Trend in Deutschland überwindet Vorurteile
Wie also wird man Tätowierer? Für den 38-jährigen Tim de´Robertis begann der Weg bis zum eigenen Tattoo-Studio nach seinem Fachabitur mit der Frage, was er beruflich machen will. „Zwischen Polizei und Grafikdesigner war alles drin.“ Er entschied sich zunächst für eine Ausbildung zum Mediengestalter. Eine künstlerische Ader habe er bereits in der Schule gezeigt, erinnert sich de´Robertis. Natürlich habe es Vorteile, wenn man eine gewisse Vorstellung habe, wie ein Schatten oder das Licht fallen muss. „Aber der Bleistift hat gar nichts mit der Tattoo-Maschine zu tun.“ Die Bearbeitung der Haut müsse man nochmals ganz neu lernen.
Den Sprung von der Bleistiftmine zur Tattowiernadel hat der 38-Jährige einem damaligen Bekannten zu verdanken, der ihn ermutigte, ein Motiv auf seinen Unterarm zu tätowieren. „Der hatte schon seinen ganzen Körper voll mit Tattoos“, erinnert sich de´Robertis. Eine Kuriosität für den damals knapp 20-Jährigen, der Tattoos vor allem „mit Knackis oder Seefahrern“ in Verbindung brachte. Ein Vorurteil, das er schnell überwand und welches mit dem einsetzenden Tattoo-Trend in Deutschland auch in breiten Teilen der Gesellschaft mit den Jahren verblasste.
Erstes Tattoo: Hertha BSC Schriftzug
Was nicht verblasste sind jedoch die Erinnerungen an sein erstes gestochenes Tattoo, auf eben jenen Unterarm des Mannes, der ihn ermutigt hatte, überhaupt mit dem Tätowieren zu beginnen. So etwas „vergisst man nicht“. Er erinnert sich genau: „Ich war ein bisschen aufgeregt, aber auch stolz, weil man jetzt endlich loslegen konnte. Und dann hat man richtig den Widerstand gemerkt, wie die Nadel in die Haut geht. Und das war ja neu für mich.“ Ein wenig geübt hatte er davor auf Bananenschalen und Zitrusfrüchten. Aber nicht nur von der Textur her fühlte sich der Eingriff bei seinem Bekannten anders an.
„Man darf nicht vergessen, ich habe da am größten Organ des Menschen, an der Haut rumoperiert. Ich habe dem halt Farbe unter die Haut gestochen. Und das war schon seltsam im ersten Moment“, erinnert sich de´Robertis. Das Bewusstsein, dass das Tattoo nun ein Leben lang an dem Arm sein wird, verursachte am Ende auch einen gewissen Druck.
Tattoo in Berlin-Spandau: Boateng, Philipp, Silla und RAF Camora als Kunden
Doch der Bekannte und de´Robertis selbst waren mit dem Ergebnis, ein Hertha-BSC-Schriftzug, ganz zufrieden. So kamen immer mehr Bekannte und Freundesfreunde und er eröffnete sein erste Tätowier-Studio. Um 2014 stand eines Tages Jérôme Boateng bei ihm im Studio. de´Robertis hatte zuvor einer gemeinsamen Bekannten gesagt, sie solle den Fußballspieler mal mitbringen ‒ was sie dann auch tatsächlich tat. Boateng hat mehrere Termine bei de´Robertis gehabt. „So kamen dann einige andere Fußballer dazu.“ So wie Maximilian Philipp. Auch Rapper wie Silla oder RAF Camora waren bei de´Robertis in Spandau, um ihre Haut gestalten zu lassen.
Die meisten Kunden und Kundinnen sind zwischen 17 und 35 Jahre alt und überwiegend Frauen. „Es hat sich so ein bisschen gewandelt.“ Früher seien die Kunden überwiegend Männer und älter gewesen. Auch bei der Motivauswahl setzt sich ein neuer Trend durch. Kleine Tattoos mit feinen Linien seien gefragt.
Tattoo in Berlin-Spandau: Was ein gutes Studio ausmacht
Im Beratungsgespräch werden dann die Details besprochen und der sich daraus ergebende Preis. Bei sehr jungen Kunden und Kundinnen kommen auch die Eltern mit. Der sogenannte Elternzettel ist bei unter 18-Jährigen Pflicht. Viele Erziehungsberechtigte haben aber auch Fragen speziell zur Nachsorge und Pflege des Tattoos. Dafür nimmt sich de´Robertis viel Zeit. Neben den hygienischen Standards, die ein Tattoo-Studio zu erfüllen hat, rät er immer darauf zu achten, ob Zeit eingeräumt wird für eine umfassende Beratung und ob die „Chemie stimmt“ zwischen Tätowierer und Kunde.

