Theaterpremiere: Gymnasiasten führen „Mein Kampf“ auf
„Und jetzt absolutes Ober-Freeze – das ist die übelste Szene im Stück“, ruft Thomas Wiesenberg in die Aula des Hennigsdorfer Puschkin-Gymnasiums. Wie auf Befehl scheinen die 15 Schüler auf der Bühne in ihren Bewegungen einzufrieren und sorgen so für eine spannungsvolle Szene. Es sind die Proben zum Theaterstück „Mein Kampf“ von George Tabori, die am Dienstag im Gymnasium stattfinden.
In der Farce geht es zurück in die Zeit vor dem Nationalsozialismus, in der sich der erfolglose Hitler in Wien um ein Kunststudium bewirbt und sich vom Juden Schlomo Herzl bemuttern lässt. In komödienhaft zugespitzter Weise erlebt der Zuschauer, wie sich der Antisemitismus Hitlers immer stärker ausprägt und am Ende eine Ahnung vom späteren Demagogen aufkommt.
Das Potsdamer Theater Poetenpack führt "Mein Kampf“ diese Woche im Stadtklubhaus auf. Das Besondere: Mit dabei sind 15 Schüler des Puschkin-Gymnasiums, die das Theaterstück mit Spiel, Gesang und Musik bereichern. „Das ist eine super Gruppe“, lobt Schauspieler Thomas Wiesenberg die Nachwuchsakteure. Sie brächten eigene Impulse in das Stück, hinterfragten einzelne Szenen und seien mit großem Ernst bei der Sache. „Das wird gut, wenn wir als Kollegen auf der Bühne stehen“, ist sich Wiesenberg sicher.
Das Puschkin-Gymnasium ist bislang die fünfte Brandenburger Schule, die mit den Profischauspielern aus Potsdam eine Kooperation eingegangen ist. Deutschlehrerin Claudia Schümann hatte die Idee dazu: „Ich habe das Talent der Klasse für die szenische Darstellung im Unterricht gesehen. Deshalb wollte ich Schülern die Möglichkeit geben, das auch außerhalb des Unterrichts zu vertiefen.“ Also machte sie sich vor gut einem Jahr auf die Suche und fand auf der Plattform Kulturelle Bildung das Projekt des Theaters Poetenpack, das aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Landes Brandenburg gefördert wird.
Dass die 15 Schüler nun bald Theaterluft schnuppern können und dabei so motiviert sind, freut Claudia Schümann. Wer mitmachen wollte, musste sich aber erst bewerben. Theater statt Schule – das sollte nicht im Vordergrund stehen, auch wenn die Schüler für den Zeitraum der Proben vom Unterricht befreit sind. Vielmehr waren schauspielerisches und musikalisches Talent unabdingbar genauso wie der Mut, vor Publikum aufzutreten. Ellen Thuge, Lehrerin für Darstellendes Spiel, hatte deshalb ebenfalls ein Auge auf die Schüler und half beim Entscheidungsprozess.
Das Vorgehen scheint von Erfolg gekrönt zu sein. In den Proben wird zwar viel gelacht und locker miteinander geredet, doch genauso arbeiten die Schüler konzentriert am Stück, wiederholen immer wieder Szenen, optimieren ihre Einsätze und ihre Körperhaltung, setzen Anweisungen von Thomas Wiesenberg bereitwillig um. „Sehr schön“, lobt dieser dann oft die Gymnasiasten auf der Bühne.
„Es ist viel intensiver als das, was wir im Unterricht machen“, findet Lusia Nguyen. Die 15-Jährige gibt zu, dass sie ein humorvolles Stück zur Thematik der Schoah anfangs kritisch betrachtet hatte. „Jetzt gefällt es mir, weil ich weiß, was der Schreiber des Stücks damit ausdrücken wollte: Er wollte Hass nicht mit Hass bekämpfen."(aho)
„Mein Kampf“ wird am Donnerstag, 21. März, um 19 Uhr im Stadtklubhaus, Edisonstraße.1, aufgeführt. Karten kosten unter www.theater-poetenpack.de 15 Euro, ermäßigt 12 Euro. An der Abendkasse kosten die Karten 18 oder 15 Euro. Eine Schülervorführung gibt es am Freitag um 11 Uhr.

