Tiere
: Goldschakal in Hennigsdorf gesehen?

Ein Hennigsdorfer meint, einen Goldschakal gesehen zu haben. Tierexperten halten das für sehr unwahrscheinlich.
Von
Roland Becker
Hennigsdorf
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  • Verwechslungsgefahr: Der Goldschakal kann durchaus auch für einen Rotfuchs gehalten werden – und umgekehrt natürlich auch.

    Verwechslungsgefahr: Der Goldschakal kann durchaus auch für einen Rotfuchs gehalten werden – und umgekehrt natürlich auch.

    Tontantravel
  • Rotfuchs Rotfuchs Fuchs (Creative Common Lizenz, daher immer unbedingt den Autor mit angeben, allerdings nur für Print zu verwenden, NICHT für Online!!!)

    Rotfuchs Rotfuchs Fuchs (Creative Common Lizenz, daher immer unbedingt den Autor mit angeben, allerdings nur für Print zu verwenden, NICHT für Online!!!)

    Lutz Leitmann
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„Erst dachte ich, es wäre ein Fuchs. Aber dazu war das Tier viel zu hochbeinig. Und das Fell war zu 80 Prozent grau.“ Das Tier habe sich mit seinen Vorderläufen auf den gut einen Meter hohen Zaun gestützt „und hat diesen mit einem eleganten Sprung überwunden.“ Als Peter Balke am nächsten Tag in dieser Zeitung den Artikel "Des Wolfes kleiner Bruder“ las, war ihm klar: „Das muss ein Goldschakal gewesen sein.“ In dem Bericht ging es um vermehrte Sichtungen des Goldschakals in Deutschland.

„Grundsätzlich kann das durchaus sein“, will Sebastian Kolberg eine Begegnung mit diesem in Deutschland ausgesprochen seltenen Tier nicht ausschließen. Kolberg ist im Bundesverband des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) Referent für Artenschutz. Er meint: Die sich vom Balkan aus ausbreitenden Goldschakale „könnten nördlich von Berlin einen für sie günstigen Lebensraum vorfinden“. Allerdings dürfte es sich dabei eher um nicht sesshafte Einzeltiere handeln. Dass sich ein solches Raubtier aber innerhalb einer Stadt beziehungsweise in Dörfern oder deren Umgebung zeigt, sei ihm in Deutschland noch nicht untergekommen.

Wesentlich skeptischer beurteilt Andreas Kinser von der Deutschen Wildtier Stiftung die vermeintliche Beobachtung des Hennigsdorfers. Der Wildtierexperte hält eine Schakal–Sichtung zwar für nicht gänzlich ausgeschlossen, aber „sie ist extrem unwahrscheinlich und liegt bei 1 zu 100 000.“ Pro Jahr gebe es in Deutschland ganze ein bis zwei nachgewiesene Sichtungen.

Der Goldschakal sei, vor allem bei schlechterer Sicht in der Dämmerung, leicht mit einem Wolf oder Fuchs zu verwechseln. Auf die Beschreibung des Hennigsdorfers eingehend, dass das Tier „sehr hochbeinig“ gewesen sei, setzt er in diesem Fall auf einen Fuchs und hat dafür auch eine Erklärung: „Der Goldschakal wirkt hochläufiger als der Fuchs. Doch Ende März haben die Fähen (weibliche Füchse/Anm. d. Red.) bereits ihre Welpen im Bau. Sie haben dann meist keine Haare mehr am Bauch und sind abgemagert. Dann wirken sie wie ein hochläufiges Tier.“ Sollte es sich nicht um einen Fuchs gehandelt haben, wäre die Sichtung eines Wolfes wahrscheinlicher als die eines Goldschakals. „Aber auch hier liegt die Wahrscheinlichkeit bei unter einem Prozent“, meint der Experte. (rol)