Hund Alonso ist jetzt ein echter Filmheld. Rund 30 Minuten dauert die Dokumentation über seine Streifzüge. Das Besondere: Die meiste Zeit glänzt der Hauptdarsteller durch Abwesenheit. Dabei warteten alle Zuschauenden wochenlang auf seinen Auftritt. Über mehrere Monate war er untergetaucht. Lediglich für ein paar Momente lässt er sich kurz erspähen, huschte durchs Bild der Wildbeobachtungsfallen.
Am 15. Januar 2022 zeigte er endlich endgültig Präsenz vor der Kamera. Dank Tierretter Stefan Bröckling, der als eine Art McGyver auftrat.

133 Tage auf der Flucht

Bis dahin war der Rüde Alonso fünf Monate auf der Flucht. Walter Rehe und seine Frau Doris hatten den schwarzfelligen Hund Ende August 2021 in ihre Familie aufgenommen. Eine Woche wohnte der aus Rumänien stammende Mischlingshund in Velten. „Meine Tochter Svenja ist ehrenamtlich im Verein ,hands and paws together’ aktiv. Dieser vermittelt Straßentiere aus Rumänien nach Deutschland. Über die Einnahmen soll die Kastration von Straßenhunden in Rumänien mitfinanziert werden“, erzählt Walter Rehe.
Fünf Jahre nach dem Tod ihres Dackel-Terriermischlings Struppi hatten Doris und er sich entschlossen, noch einmal Hundeeltern zu werden. „Voraussetzung war, dass ich das Tier mit zur Arbeit nehmen kann.“ 14 Tage klappte das recht gut. Dann fuhren Doris und Walter Anfang September zu einer Haushaltsauflösung nach Schiffdorf-Spaden bei Bremenhaven – zu Walters Mutter. Sie war nach Berlin gezogen.

Nach großem Schreck einfach abgehauen

Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände – Leine los, ungewohnt laute Geräusche, eine bellende andere Hündin und ausgerechnet in diesem Moment offene Zimmer-, Haus- und Grundstückstüren – verschwand Alonso. „Er hat sich fürchterlich erschreckt und ist abgehauen.“ Alles Rufen und Hinterherlaufen verstärkte nur den Fluchtreflex.
Der Hund suchte das Weite. Er lief über Wege, Wiesen, querte die A27 und dadurch sogar einen Fluss, wurde angefahren, lief weiter, versteckte sich in einem Feld. „Wir waren sehr traurig“, sagt Doris. Sie hoffte auf die Hundesuchstaffel K9, einen eingetragenen Verein, der zwei Tage nach dem Verschwinden versucht, den Flüchtigen wieder einzufangen. Vergeblich. Zwei Wochen bleibt sie im Dorf, wartet, dass Alonso zurückkehrt in bekannte Umgebung.

Einfangversuche blieben zwecklos

Er wohnte zuvor einige Monate in der Region. Mithilfe engagierter Menschen erstellt sie Suchflyer, bittet um Sichtungsmeldungen, aber um ausdrücklich „keine Einfangversuche. Alonso ist absolut schreckhaft und ängstlich“, erklärt sie. Tatsächlich entdecken mehrere Menschen den Rüden.
Er streift durch die weitere Umgebung, nimmt einige Futterstellen an. Unter anderem die eines Jägers in Brameln. Dieser war sich sicher, Alonso einfangen zu können: „Ist mir bislang bei jedem entlaufenen Hund gelungen.“ Bei diesem nicht. „Der geht nicht in die Falle, ist einfach zu schlau.“
Vermisste Hunde Nicht hinterher laufen

Falkensee/Havelland

Walter sieht Alonso einige Male. Doch der hegt offenbar keinen Gedanken an Rückkehr. Zu Futterstellen lässt er sich locken, unter anderem in Autobahnnähe. „Die Polizeikräfte vor Ort haben uns geholfen, die Futterstelle mit Falle zu versorgen. Unglaublich nette Leute“, sagt Walter. Sein Hund lässt sich zwar sehen aber nicht fangen. In Gnarrenburg, rund 45 Kilometer entfernt vom Fluchtort, versucht die Hundesicherung Bremen, die inzwischen involviert ist, Alonso zum Gang in die Falle zu bewegen. Doch er entwischt erneut. Ratlosigkeit.

Stefan vom Tiernotruf übernimmt

Schließlich schlägt Alina von der Hundesicherung Bremen vor, Stefan Bröckling vom Tiernotruf zu verständigen. Der Mann ist perfekt ausgerüstet mit Fahrzeug-, Kamera-, Fallen- und Gehegetechnik. Auf YouTube dokumentiert er seine Aktionen.
Er baut Fallenvarianten, wacht Nächte hindurch, hält seinen Einsatz per Bord- und Handykamera fest. Er beobachtet Alonso mehrere Male als Nachtschatten auf Infrarotbildern. Der Tierretter findet heraus, dass der Entlaufene sich stets nach oben absichert, um einem möglichen Fangnetz zu entgehen und über keine sichtbare Türschwelle tritt. Stefans Idee: „Wir konstruieren eine Gehegefalle, sechs mach drei mal zwei Meter groß mit Lichtschrankentür.“

Erfolg nach nächtelangem Warten

Mehrmals baut er das Gehege auf. Zuletzt am 15. Januar. Walter schläft 20 Minuten entfernt in einer Herberge. Alina und andere Helferinnen und Helfer von der Hundesicherung Bremen stehen bereit, um Alonso in die Arme zu nehmen, wenn er das Gehege betritt und sich das Tor schließt. Kaum jemand glaubt noch daran, selbst Stefan nicht, der für alles, egal ob technisches oder menschliches Problem, eine Lösung zu haben scheint. Er gibt zunächst auf, begibt sich auf den Rückweg zu seinem Zuhause. Mitten in einer Baustelle entdeckt er auf dem Fallenbildschirm: Alonso sitzt im Gehege fest.

Youtube Alonsos Reise

Stefan gelingt es, über seinen Bruder das Hundesicherungsnetzwerk zu verständigen. Walter hat in seiner Pension keinen WhatsApp-Empfang. Eine SMS erreicht ihn schließlich. Da sitzt Alonso schon in einer Box, versorgt von Alina. Große Freude und Erleichterung.

Großer Dank an das Helfernetzwerk

„Wir hatten unseren Hund zurück. Nach fünf Monaten. Hunderte von Kilometern hat er zurückgelegt, war zwischendurch abgemagert“, erzählt Walter. Er und Doris sind allen Helferinnen und Helfern unendlich dankbar. „Wir haben so viele liebe Menschen kennengelernt, die uns völlig selbstlos beigestanden haben.“
Beate beispielsweise, die die Flyer druckte, verteilte, Futter kaufte, die Community zusammenhielt. Oder die ältere Dame in Gnarrenburg, die Alonso wochenlang fütterte, herausfand, was er am liebsten frisst: Hühnerbein, Leberwurst, Trockenfutter? Sie sorgte so mit dafür, dass der Tierarztbefund bei Alonso lautete: „Kerngesund, der Kerl.“

Dann waren es plötzlich zwei Hunde

Genau, wie seine Schwester Lotte. Sie wohnt seit November in Velten. „Wir haben sie geholt, weil wir nicht mehr viel Hoffnung hatten, Alonso wiederzubekommen.“ Jetzt gehen Doris und Walter mit zwei Hunden Gassi, zahlen insgesamt 101 Euro Hundesteuer im Jahr und verfüttern etwa 500 Gramm Trockenfutter pro Tag. Alonsos Flucht und die Arbeit der Retter lässt sich leicht über den YouTube-Kanal von Stefan Bröckling oder auf www.tiernotruf.de abrufen.