Tiere in Velten
: Fuchs klaut Wäsche – fragen Sie mal bei Frau Haase nach

In Velten-Grün verschwindet Kleidung von Wäscheständern. Der Täter, ein Fuchs, verteilt seine Beute auf einem Grundstück. Wie die Besitzer wieder zu ihrer Kleidung kommen.
Von
Roland Becker
Velten
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Fuchs klaut Kleidung T-Shirt in Velten Velten-Grün

Ist dieser Fuchs modebewusst? In Velten-Grün verschwinden seit einiger Zeit in Gärten aufgehängte Kleidungsstücke. Vermutet wird, dass dieser Fuchs oder seine Geschwister dafür verantwortlich sind.

Volker Gnadt

Es geht ein Dieb um in Velten-Grün. Einer auf vier Beinen. Dass Füchse auf Raub spezialisiert sind, ist bekannt. Doch gemeinhin schaut sich Reineke Fuchs dafür innerhalb der Tierwelt um. Hier eine Maus, da ein Kaninchen. Doch in Velten werden derzeit weniger Nager als Wäschestücke vermisst.

Eine, die den Fuchs im Visier hat, ist Frau Haase. Das hat nichts mit damit zu tun, dass sich der Fuchs für sie besonders interessiert. Schließlich schreibt sich Ulrike Haase mit Doppel-A und passt – aufrecht auf zwei Beinen gehend – nicht ins Beuteschema des Raubtieres. „Der Fuchs generell ist nicht mein bester Freund“, räumt sie ein. Dabei verweist die Veltenerin auf diverse Hühner, die die räuberischen Vierbeiner in der Umgebung bereits gerissen haben.

Wäschestücke im Fuchsrevier eingesammelt

Die Mitarbeiterin des an der Pinnower Chaussee gelegenen Gärtnerhofs beobachtet häufig, wie Alt- und Jungfüchse auf der mit Obstbäumen bestandenen Wiesen hinter der Gärtnerei zugange sind. „Ich habe auch schon mal einen mit Brötchen im Maul gesehen“, erzählt sie. Jetzt hat sie aber einen ganz anderen Verdacht.

Vor allem in der ersten Augusthälfte hat sie von der Wiese – dem Reich der zweier Fuchsfamilien – diverse Kleidungsstücke eingesammelt. „Die liegen da zwischen den Obstbäumen rum“, weiß sie. Ihr Verdacht: Füchse – wahrscheinlich der diesjährige Nachwuchs – klauten T-Shirts, kurze Sommerhosen und sogar eine Babydecke im benachbarten Wohnviertel. „Dort stehen ja die Wäscheständer auf den Terrassen“, ahnt sie die Herkunft der menschlichen Bekleidung. In einem Fall dürfte sich der Fuchs gleich zweimal auf demselben Grundstück bedient haben; die T-Shirts sind in Farbe und Aufdruck identisch.

Nein, eine Angelegenheit für den Staatsanwalt sind die entwendeten Kleidungsstücke nicht. Dafür fehlen handfeste Beweise. Es gibt zwar ein Foto, auf denen der vermeintliche Textil-Räuber zu sehen ist, aber keines, das ihn des Diebstahls überführt. Um Beweise zu sammeln, müssten die Füchse gefangen werden, um eine DNA-Probe zu entnehmen. Die könnte dann mit den Spuren auf den Shirts verglichen werden. Unnötiger Aufwand, denn: Das Verhalten eines Fuchses fällt nicht unters deutsche Strafrecht – egal, ob es Hühner oder Kleidungsstücke betrifft.

Ulrike Haase geht es um etwas anderes. Sie hat das knappe Dutzend Beutestücke eingesammelt, von ihrem Chef Volker Gnadt fotografieren lassen und sucht jetzt nach deren Besitzern. Farblich hat es der Räuber übrigens eher auf helle und schwarze Bekleidung abgesehen, grelle Farben scheint er zu meiden. Wer auf den Fotos das wiederfindet, was in seinem Kleiderschrank fehlt, kann sich das im Gärtnerhof abholen. Allerdings warnt Frau Haase: „Die meisten davon sind dreckig.“ Also dann nochmal in die Waschmaschine und gut bewacht zum Trocknen aufhängen!

Fuchs klaut Kleidung T-Shirt in Velten Velten-Grün

Diese Textilien gehören zu denen, die Ulrike Haase auf der Wiese am Gärtnerhof Velten gefunden hat. Wem sie gehören, der oder die kann sich in dem Geschäft an der Pinnower Chaussee melden.

Volker Gnadt

Schon im Frühjahr war Ulrike Haase fündig geworden. Damals waren es Schuhe, die der Fuchs stibitzt hatte und die auf der Wiese zwischen Gärtnerhof und Moorgraben in der Nähe der beiden Fuchsbauten auftauchten. Einige davon fanden sogar zurück zu ihrem Besitzer.

Dass vor allem junge Füchse sich gern Schuhe schnappen, ist kein Einzelfall. Jüngst berichtete die zu dieser Verlagsgruppe gehörende Lausitzer Rundschau aus Neu Bückgen, einem Ortsteil von Großräschen (Oberspreewald-Lausitz), dass dort zwei Dutzend Schuhe gestohlen wurden, darunter solche mit Stahlkappe und sogar Rollschuhe. Im Gegensatz zu Velten liegen Beweise vor: ein Video, das zwei Füchse mit jeweils zwei Schuhen im Maul zeigt.

Mit den geklauten Shirts spielerisch das Erlegen von Beute üben

Dass Füchse Schuhe stehlen, ist für Christiane Schröder nichts Neues. Die Geschäftsführerin des Naturschutzbundes Brandenburg (Nabu) und zugleich Expertin für Säugetiere weiß, dass die eher ins Beuteschema dieser Tiere passen. Das macht sie auch am Geruch fest. „Schuhe riechen eher wie eine gammelige Maus.“ Zudem sei das Schuhwerk – idealerweise vor der Haustür abgestellt – leicht erreichbar.

Von Reineke Fuchs als Textilräuber hat sie noch nichts gehört. Riecht ja auch eher zu gut, so nach Weichspüler. Solche Beute würde sie eher Waschbären zutrauen: „Die machen sich damit ihr Zuhause hübsch.“ Andererseits kann sie sich vorstellen, dass durch Wind bewegte und von Licht erstrahlte Kleidung den Fuchs anlockt: „Der reißt sie als vermeintliche Beute runter und bringt sie zum Bau.“ Vorstellen kann sie sich auch, dass junge Füchse mit dem Erlangen solcher Textilien das Erlegen von Beute simulieren.

Auf Veltens Wäscheständern und Leinen könnte es jetzt wieder ruhiger zugehen. Auf der Internetseite Fuchsratgeber.ch heißt es, dass diebische Füchse am häufigsten zwischen April und Juli zuschlagen. Danach hätten Jungfüchse kein Interesse mehr an derlei Spielzeug. Man wird erwachsen.

Das dürfte auch den in Velten-Grün wohnenden Frank Steinbock beruhigen. Der hat zwar bislang keine Verluste zu beklagen. Als eingefleischter Fußballfan sorgt er sich aber dennoch: „Hauptsache, der Fuchs klaut mein Hertha-T-Shirt nicht!“

Wo und wann vermisste Kleidung abgeholt werden kann

Sollte das dennoch passieren, kann er sich wie alle anderen, die Shirt oder Hose vermissen, im Gärtnerhof an der Pinnower Chaussee melden. Geöffnet ist in der letzten Augustwoche am Montag, Mittwoch und Freitag von 9 bis 13 Uhr, ab 2. September ist wieder täglich geöffnet: montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr und samstags bis 13 Uhr.