Tierrettung
: Operierte Gans watschelt wieder

Die von einem Spaziergänger am Mittwoch am Nieder Neuendorfer See entdeckte Kanadagans, in der zwei Pfeile einer Armbrust steckten, hat die Operation in der Schönfließer Tierklinik gut überstanden.
Von
Roland Becker
Hennigsdorf
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Die Kanadagans ließ sich relativ leicht einfangen. Für die anschließende Operation in der Schönfließer Tierklinik wurde ihr eine Narkose verpasst.

Feuerwehr Hennigsdorf

„Anfangs war es nicht ganz klar, ob das gut ausgehen würde“, berichtet sie. Ein Pfeil habe nur in der Haut gesteckt und sei leicht zu entfernen gewesen. „Der zweite Pfeil ging quer durch die Brust, hatte aber keine Organe verletzt“, stellte Schäffer fest. Wie ein menschlicher Patient bekam auch das Schnattervieh erst einmal eine – in diesem Fall leichte – Narkose. Es habe die Gefahr bestanden, dass die Luftsäule, große Gefäße oder wichtige Organe Schaden nehmen könnten, wenn der Pfeil herausgezogen wird. „Der war schon relativ tief eingewachsen“, hatte die Tierärztin diagnostiziert. Dieser tief eingewachsene Pfeil deutete auch darauf hin, dass das Tier schon längere Zeit mit der Behinderung herumgelaufen ist. Das habe auch die Wildtierrettung des Wensickendorfer Gnadenhofs berichtet, die die Gans gebracht hatten. Laut der Ärztin sei Mitarbeitern des Gnadenhofs das Tier schon am 9. Dezember aufgefallen. Damals sei die Kanadagans bei dem Versuch entwischt, sie einzufangen.

Die Operation hat der Vogel gut überstanden. Es habe keine akuten Blutungen gegeben. „Nach dem Aufwachen konnte sie wieder laufen.“ Die Kanadagans wollte sogar schon wieder aus der Pferdebox raus, in der sie zur Genesung und Beobachtung untergebracht wurde.

Diana Schäffer hatte eigentlich erst wieder am Donnerstagnachmittag Dienst. „Aber ich frage immer nach meinen Patienten. Und es war nicht ganz klar, ob die Gans überlebt“, sagte sie. Deshalb habe sie sich schon am Vormittag nach dem Wohlergehen ihrer tierischen Patientin erkundigt und konnte aufatmen. Noch am Donnerstag sollte das operierte Tier zurück zum Gnadenhof kommen. Mit im Gepäck hatte es Antibiotika und ein Schmerzmittel. Zu gegebener Zeit wird die Gans ausgewildert und kann wieder über den Nieder Neuendorfer See schwimmen.

Die Rettungsaktion ausgelöst hatte ein aufmerksamer Spaziergänger. Der hatte am Mittwoch gegen 12.15 Uhr gemeldet, an der Nieder Neuendorfer Naturbadestelle eine Gans gesehen zu haben, in der zwei Pfeile stecken. Später teilte die Polizei noch mit, dass es sich dabei um Pfeile einer Armbrust handelt. Beim Abschießen können solche Pfeile eine Geschwindigkeit von mehr als 300 Stundenkilometern erreichen.

Polizei nimmt Anzeigen auf

In die sofort ausgelöste Rettungsaktion waren Polizei, Feuerwehr, Ordnungsamt und die Wensickendorfer Wildtierrettung involviert. "Den Tiernotrettungsdienst haben wir sofort angerufen“, berichtet am Tag nach der Aktion Hennigsdorfs Rathaussprecherin Ilona Möser über das prompte Handeln des Ordnungsamts. „Als wir hörten, dass sich die verletzte Gans an der Naturbadestelle aufhält, haben wir sofort ein Auto rausgeschickt“, sagte Stadtbrandmeister Frank Dobratz. Als der Wagen an der Badestelle ankam, war die Gans allerdings schon auf dem Wasser in Richtung Grenzturm unterwegs gewesen. Daraufhin schickte die Feuerwehr einen zweiten Wagen los. Am Grenzturm kam das verletzte Tier mit einer ganzen Gänsemannschaft ans Ufer. „Sie war ganz lieb, hat gefuttert und sich in eine Transportbox stecken lassen“, erinnerte sich Dobratz an den Einsatz der Wildtierretter. Die Kameraden der Feuerwehr hätten das Tier aber auch einfangen können, versicherte der Stadtbrandmeister: „Wir hatten einen großen Kescher dabei.“

Für die Polizei ist der Fall trotz der glücklichen Rettung noch längst nicht zu den Akten gelegt. „Für das Ermittlungsverfahren haben wir die Pfeile sichergestellt“, sagte Dörte Röhrs, Sprecherin der Polizeidirektion Nord in Neuruppin. Von Amts wegen wurden zwei Anzeigen aufgenommen. Ermittelt wird nun sowohl wegen eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz als auch wegen eines Verstoßes gegen das Waffengesetz.

Seit den 1970er-Jahren Brutvogel in Deutschland

Die Kanadagans ist die größte in Europa frei lebende Gans. Sie übertrifft damit die ebenfalls einheimische Graugans sogar noch ein wenig.

Ursprünglich stammt diese Art aus Nordamerika. In Europa wurde sie zum Teil gezielt angesiedelt. Ein großer Teil der Population stammt aber von Tieren, die aus Gefangenschaft flohen. In Deutschland ist sie seit den 1970er-Jahren auch als Brutvogel vertreten.⇥rol