Typisierung: 1150 potentielle Spender für krebskranke Emma

Keine dröge Spendenaktion: Organisatorin Franziska Wischniewski mit den Star-Wars-Helden, die ehrenamtlich für Unterhaltung sorgten.
Marco WinklerDie anderthalbjährige Emma leidet an Blutkrebs. Nur ihr genetischer Zwilling kann ihr jetzt noch mit einer Stammzellspende helfen. Aufregung und Nervosität. So beschreibt Emmas Vater Björn Druckrey seine Gefühle. „Aber ich bin beeindruckt, wie viele Leute gekommen sind“, sagt er. Im Arm hat er Sohn Emil. „Es ist erstaunlich, wie stark so eine kleine Stadt zusammenhalten kann.“
Der Schritt in die Öffentlichkeit sei für die Familie selbstverständlich gewesen. „Wir müssen das machen, das war uns klar. Selbst wenn heute kein Spender für unsere Emma gefunden wird, kann vielleicht einem anderen Menschen, der darauf angewiesen ist, geholfen werden.“ Er klingt pragmatisch. Doch natürlich sei Hoffnung mit im Spiel. Es gehe schließlich um das Leben von Emma. „Sie hatte vergangene Woche ihre sechste Chemotherapie. Wegen der Nebenwirkungen ist sie momentan wieder im Krankenhaus.“
Überwältigt von der Resonanz und vom Zusammenhalt in ihrer Stadt zeigt sich auch Bürgermeisterin Ines Hübner (SPD). „Das ist einfach überragend“, sagt sie. „Die Aktion geht weit über Velten hinaus.“ In der Tat: Zeitgleich gibt es in Braunschweig und Augsburg zwei weitere Typisierungsveranstaltungen. Die in Bayern hat Emmas Onkel auf die Beine gestellt.
100 Freiwillige helfen, damit die Aktion in Velten ein Erfolg wird. Dass sie überhaupt stattfindet, ist Franziska Wischniewski, einer Freundin der Familie, zu verdanken. „Und der Eigeninitiative von so vielen, die helfen wollten“, sagt sie. Das fünfköpfige Kernorganisationsteam habe auf viel Unterstützung setzen können. „Emmas Blutwerte sind schlecht“, sagt sie. „Besserung ist noch nicht in Sicht. Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir einen Spenden finden.“ Franziska Wischniewski schrieb Anfang April die DKMS an, erklärte das Schicksal ihrer Freundin — und brachte somit alles ins Rollen. "Wir selbst sind da nicht proaktiv“, sagt Antonia Lukas von der Spenderneugewinnung der DKMS. "Aber wenn sich jemand bei uns meldet, starten wir sofort.“ Vier Wochen haben die Vorbereitungen gedauert. "Das meiste passiert vor Ort, wir koordinieren nur etwas.“
Antonia Lukas habe Typsierungsaktionen erlebt mit 100 Registrierungen und solche mit 4 000. Beides Extreme. „In Velten ist die Anteilnahme groß, das spürt man“, sagt sie. Die Speichelproben werden in Dresden ausgewertet. Wenn jemand infrage kommt, muss er noch einmal Blut abgeben, um mögliche Abweichungen im genetischen Material auszuschließen.
Die Anteilnahme in Oberhavel ist groß. Viele Vereine, Institutionen und Privatpersonen spenden Geld. Am Ende kommen 18 000 Euro für die DKMS zusammen. „Das ist einfach sensationell“, sagt Antonia Lukas. Für Petra Heinz (36) aus Velten war klar, dass sie hilft. „Das geht der ganzen Familie nah“, sagt sie. Romano Bergling bringt es erneut auf den Punkt: „Velten hält zusammen, mehr Kraft können wir der Familie nicht zukommen lassen.“