Übernahme durch Alstom
: Betriebsräte sorgen sich um Jobs bei Bombardier

Betriebsräte von Bombardier und Gewerkschaftler der IG Metall fordern von der Bundesregierung Unterstützung beim Erhalt der Arbeitsplätze, wenn Alstom Bombardier übernimmt.
Von
Roland Becker
Hennigsdorf
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Auch der Hennigsdorfer Standort gehört zu dem Paket von Bombardier-Werken, das Alstom kaufen will.

dpa

Damit reagieren die Unterzeichner, zu denen auch der Hennigsdorfer Bombardier–Betriebsrat Volkmar Pohl gehört, auf den angekündigten Aufkauf der Bombardier–Bahnsparte durch den französischen Konkurrenten Alstom. „Wir werden nicht hinnehmen, dass eine Übernahme zu Lasten deutscher Standorte und Arbeitsplätze beider Unternehmen geht“, heißt es in dem Brief, der am 21. Februar versandt wurde.

Die Unterzeichner erinnern daran, dass der französische Staat bei der 2019 geplanten, aber schließlich geplatzten Fusion der Bahnsparten von Alstom und Siemens mit den Arbeitnehmern klare Regelungen zur Sicherung der französischen Werke und deren Jobs durchgesetzt hatte. Da davon auszugehen sei, dass dies auch diesmal der Fall sein wird, fordern die Arbeitnehmervertreter ein ebensolches Engagement der Großen Koalition. Von diesem Einsatz hänge es ab, ob die 10 000 Arbeitsplätze an den deutschen Standorten von Bombardier und Alstom erhalten bleiben. Von der Schlüsselindustrie Schienenfahrzeugbau hängen zudem tausende Arbeitsplätze in der Zulieferindustrie ab. Die Unterzeichner appellieren: „Wir erwarten ein schnelles politisches Handeln, um die Arbeitsplätze unserer Kolleginnen und Kollegen langfristig zu sichern.“

Darüber hinaus wird in dem Brief die Forderung erhoben, dass „die Bundesregierung auch ihren Einfluss auf den Großkunden der Branche, das Staatsunternehmen Deutsche Bahn, ausübt.“ Dahinter steckt die Kritik, dass die Bahn Milliarden Euro schwere Aufträge ins Ausland vergibt. „Wir müssen nicht gleich Sozialismus befürchten, wenn wir hier ein staatliches Eingreifen fordern“, sagt Jan Otto. Der für die sächsischen Bombardier–Werke zuständige Gewerkschaftler interpretiert die Forderung an die Bundesregierung so, dass diese in Vergaberichtlinien festlegen soll, dass ein prozentualer Mindestanteil der Aufträge der Deutschen Bahn im eigenen Land bleiben muss. „Die Franzosen machen genau das“, fügt er hinzu.

Am 17. Februar hatte Alstom verkündet, Bombardiers Bahnsparte zu kaufen. Dem Geschäft muss die EU noch zustimmen.