Virtuelle Mitfahrzentrale: Mit der Pendler-App zur Arbeit

Detlef Olschewski möchte das Auto nicht abschaffen, wohl aber es besser ausgelastet wissen. Deshalb wird in der Cleopa GmbH an einer App gebastelt, die Pendler in und um Hennigsdorf zusammenbringen soll.
Roland BeckerViele weitere Angebote möglich
Die Firma des Wahl-Velteners hat ihren Sitz im Blauen Wunder. Dort sind 24 Mitarbeiter aus neun Ländern mit zahlreichen Forschungs- und Innovationsvorhaben beschäftigt, die es zum Beispiel Firmen ermöglichen, effizienter zu arbeiten, zu haushalten und Energie zu sparen. Das vom Wirtschaftsministerium des Bundes finanzierte Programm Smart Maas (Smart Mobility as a service) bietet der Cleopa-Mannschaft ein neues Betätigungsfeld. Die Hennigsdorfer Pendler-App, wie Olschewski sie getauft hat, soll dazu der erste Schritt. Ziel ist es, einen Marktplatz für Mobilitätsdienste aufzubauen. Auf der App können sich neben dem Pendler-Dienst viele andere Angebote andocken. Vorstellbar sei etwa ein E-Bike-Angebot. „Ein Fahrer nimmt jemanden bis zum Krankenhaus mit. Der aber muss zum Stahlwerk und kann über die App ein an den Kliniken stehendes E-Bike oder einen E-Scooter reservieren“, schaut der Cleopa-Geschäftsführer in die Zukunft. Auch eine Mitfahrer-Versicherung oder Angebote von FlixBus, Taxi und Carsharing könnten eingebunden werden.
Für Hennigsdorf ist diese Bündelung von Angeboten auf einer App noch Zukunftsmusik. Die Pendler-App soll aber bereits spätestens im Juni starten ."Ab 200 bis 300 aktiven Nutzern fängt es an zu laufen“, ist sich Olschewski sicher. Doch diese Interessenten müssen erst einmal anbeißen. Und das im wahrsten Sinn des Wortes: „Zu einem solchen Innovationsprogramm gehört auch eine Bratwurst.“ Olschewskis Plan besteht darin, mit dem Grill vor die Tore eines Unternehmens zu ziehen, das er für das App-Vorhaben gewinnen kann. Zur Bratwurst gibt es werbende Infos. „Wir wollen erst einmal die Interessenten von einem großen Arbeitgeber bündeln, damit sich schnell möglichst viele Menschen anmelden“, erläutert der App-Erfinder. Wenn täglich zu bestimmten Zeiten besonders viele ein Ziel anstreben, komme das dem Start der App zugute. In die Kampagne eingebunden werden auch Mitarbeiterzeitschriften und prominente lokale Größen: „Wir brauchen drei Köpfe aus der Stadt, die sagen: ‚Ich fahre auch mit der App!’“. Nach den Sommerferien soll der Interessentenkreis bereits so groß sein, dass die Pendler einen Nutzen aus der App ziehen können.
Läuft das Projekt erfolgreich, kann sich Olschewski weitere darin gebündelte lokale Angebote vorstellen. Eine Disco-App könnte Mitfahrangebote zur und von der Marwitzer Brotfabrik vermitteln. Wer in Stolpe-Süd oder Nieder Neuendorf wohnt, könnte Fahrten ins Stadtzentrum oder zur Musikschule buchen.
Für die Nutzer wird die Pendler-App kostenlos sein. Was fürs Mitfahren gezahlt wird, machen die Partner unter sich aus. Mit der App Geld zu verdienen, das wird noch eine Weile dauern und ist in der Anfangsphase dank der bis März 2021 laufenden Bundesförderung auch nicht nötig. Es gebe aber schon Unternehmen, die bereit wären, für ihr auf der App gespeichertes Angebot zu zahlen. Das reiche vom Disco-Betreiber bis zum E-Scooter-Verleiher.
Anonymität ist gesichert
Hinsichtlich Anonymität und Sicherheit im Netz verspricht Olschweski, dass die Beteiligten zur Identifizierung nicht mehr als ihre Telefon- und ihre Nutzernummer benötigen: „Das läuft so anonym wie das Shoppen im Internet.“
Aus der Firmengeschichte
Geboren wurde die Cleopa GmbH 1998 in Berlin-Tegel. 2010 zog Geschäftsführer Detlef Olschewski mit der Firma ins Blaue Wunder nach Hennigsdorf.
Seither hat sich die Zahl der Mitarbeiter von 10 auf 24 erhöht. "Ich könnte sofort zehn weitere Ingenieure einstellen", sagt Olschewski. Doch trotz guter Arbeitsbedingungen sei es schwierig, Mitarbeiter zu finden.⇥rol