Wasserversorgung
: Zöpfe aus Feuchttüchern provozieren Havarien

Coronaviren im Trink- oder Abwasser hält OWA-Geschäftsführer Günter Fredrich für ausgeschlossen. Er appelliert an alle Haushalte, die Leitungen nicht mit Abfall zu verstopfen.
Von
Roland Becker
Hennigsdorf
Jetzt in der App anhören
  • Günther Fredrich konnte in der vergangenen Woche das neue Filterkesselhaus ans Netz anschließen lassen.

    Günther Fredrich konnte in der vergangenen Woche das neue Filterkesselhaus ans Netz anschließen lassen.

    Roland Becker
  • So sieht ein "Zopf" aus: Die Zellstoffwurst hat ein Pumpwerk im Zweckverband Fließtal lahmgelegt. Allerdings war das schon vor Corona-Zeiten. Auch die Fließtal-Geschäftsführerin Katja Richter appelliert an ihre Kunden, ausschließlich Toilettenpapier auf dem WC zu benutzen.

    So sieht ein "Zopf" aus: Die Zellstoffwurst hat ein Pumpwerk im Zweckverband Fließtal lahmgelegt. Allerdings war das schon vor Corona-Zeiten. Auch die Fließtal-Geschäftsführerin Katja Richter appelliert an ihre Kunden, ausschließlich Toilettenpapier auf dem WC zu benutzen.

    Archiv-Foto: Zweckverband Fließtal
1 / 2

Bitte an alle Haushalte

„Bitte entsorgen Sie keine Feuchttücher und kein Papier von Küchenrollen in der Toilette!“ Zöpfe nennt Fredrich das, was sich in den Leitungen zusammenballt. Während sich normales Toilettenpapier auflöst, ist das bei den festeren Feucht- und bei Küchentüchern nicht der Fall. Bis zu einem Meter lange Zöpfe haben in  den Pumpwerken schon zu Ausfällen geführt. „Und die haben in den vergangenen 14 Tagen deutlich zugenommen“, konstatiert Fredrich. Um diese Havarien zu beseitigen, musste die Kanalreinigung fast vollständig eingestellt werden. Die Kollegen werden jetzt in besagten 250 großen und kleineren Pumpwerken benötigt. Dass sich das Abwasser zurück in die Haushalte drückt, müsse aber niemand befürchten. Fredrich beruhigt: „Wir haben im Kanalnetz genügend Speichermöglichkeiten.“ Für die Mitarbeiter sei das Beseitigen dieser Abfall-Zöpfe aber eine eklige Angelegenheit. Teils lasse sich das Problem mit Hochdruckspülgeräten lösen. „Manchmal ist diese Masse aber so fest, dass wir mit Stangen operieren müssen. Sehr unangenehm!“ Häufig sei auch ins Klo geschüttetes Katzenstreu Schuld daran. „Das müssen wir fast bergmännisch abbauen“, scherzt Fredrich und ärgert sich zugleich über alle, die seinen Kollegen derart die Arbeit erschweren.

Seit zwei Wochen stellt Fredrich fest, dass der Wasserverbrauch erheblich anzieht. Das Hennigsdorfer Wasserwerk verlassen täglich an die 6 000 Kubikmeter, ein Drittel mehr als üblich. Er vermutet: „Alle haben jetzt Zeit für ein Bad in der Wanne, zum Wäschewaschen, Saubermachen, oder um im Garten zu gießen.“

Wasser ist sicher

Weder das Trink- noch das geklärte Abwasser seien durch Corona-Viren belastet, versichert Fredrich. Auf der OWA-Website heißt es dazu: „Das Umweltbundesamt erklärte, dass eine Übertragung des Coronavirus über das Trinkwasser unwahrscheinlich sei.“ Gutachten unterstützen das. „Die Abwässer werden über Stunden behandelt“, beruhigt der OWA-Chef zudem. Erst nach drei Reinigungsstufen werde das Abwasser von der Wansdorfer Kläranlage in den Havelkanal gepumpt. Zudem könnten sich die Viren nicht über Tage oder Wochen am Leben erhalten und fräßen sich aus Nahrungsmangel gegenseitig auf.

Pläne für den Notfall

Wäre die Lage brenzlig, wenn ein Großteil seiner Mitarbeiter in Quarantäne müsste? Auch diese Frage kann Günter Fredrich nicht aus der Ruhe bringen. Die Reparaturtrupps würden konstant in derselben Zusammensetzung arbeiten und dadurch voneinander getrennt. Fiele einer aus, gebe es noch die anderen Arbeitsgruppen. Für das Betreiben der technischen Anlagen sei, da diese automatisch liefen, so gut wie kein Personal nötig. Und wenn speziell geschulte Mitarbeiter, wie etwa die Steuerungstechniker, ausfielen und eine Havarie eintritt? „Das darf nicht passieren“, hofft Fredrich. Doch auch hierfür sei vorgesorgt worden. „Wir haben uns mit den benachbarten Wasser- und Abwasserverbänden verständigt, uns in solch einem Fall gegenseitig zu helfen“, sagt der Wasserspezialist.

Freude über neue Technik

Bei all dem Corona-Stress hat Fredrich auch gute Nachrichten zu vermelden. Seit voriger Woche ist in Hennigsdorf die neue Trinkwasser-Aufbereitung mit einer offenen und einer geschlossenen Filteranlage am Netz. 2,4 Millionen Euro wurden seit 2018 investiert, um den aus den 1960er-Jahren stammenden und mit Schwächen behafteten Vorgänger zu ersetzen. Mit der Anlage sei zudem die Trinkwasser-Kapazität verdoppelt worden. Fredrich hat dabei auf Zukunft gebaut. Gegenüber 2017 verkaufte die OWA 2019 mit 7,4.Millionen Kubikmetern eine Million Kubikmeter mehr. Den Hauptgrund sieht Fredrich im Bevölkerungszuwachs des Speckgürtels: „Jedes Jahr haben wir 400 bis 500 neue Haushalte anzuschließen.“

OWA bringt und holt das Wasser

Die OWA liefert Trinkwasser nach Hennigsdorf und Velten, nach Öberkrämer, Leegebruch und Germendorf sowie in die Stadt Kremmen und einige Ortsteile wie Beetz und Sommerfeld.

Die Entsorgung der Abwässer ist ebenfalls OWA-Aufgabe. Zumeist erledigt das Unternehmen dies über sogenannte kommunale Eigenbetriebe. Die Abwässer der Haushalte von Hennigsdorf und Velten, Oberkrämer und Leegebruch fließen durch die OWA-Rohre.⇥rol