Sie hatte genau vier Minuten Zeit, die Jury von sich zu überzeugen – und die hat Anja Graffius optimal genutzt. Die Hennigsdorferin hat beim Internationalen Speaker Slam den Excellence Award erhalten. Der Speaker Slam ist ein Redner-Wettbewerb.

73 Rednerinnen und Redner sprachen über ihre Themen

Nach Stationen in New York, Wien, Frankfurt (Main) und Hamburg fand er Redner-Wettbewerb nun am vergangenen Freitag in Berlin statt und wurde im Live-Stream auf Youtube übertragen. Gemeinsam stellten die 73 Rednerinnen und Redner aus sieben Nationen einen neuen Weltrekord auf, denn noch nie haben so viele Redender in Berlin unmittelbar hintereinander auf der Bühne gestanden und ihre selbst gewählten Themen präsentiert. Zur Jury gehörten unter anderem Jörg Rositzke (Geschäftsführer beim Fernsehsender Hamburg 1), Martina Kapral (Redneragentur Potential AG) und André Jünger (Geschäftsführer des Wirtschaftsverlags Gabal).

Energie und Leidenschaft für die Arbeit

Für ihr Thema war Anja Graffius in ihrer Rede wörtlich hochmotiviert: Denn Motivation, vor allem die Frage, was Menschen dazu bringt, sich mit ganzer Energie und Leidenschaft in ihre Arbeit einzubringen, ist das Sujet, für das die 37-jährige Wirtschaftspsychologin erklärtermaßen förmlich brennt. Der Funke sprang sowohl aufs Publikum als auch auf die Juroren über. Aus den Händen von Top-Speaker, Firmencoach und Bestsellerautor Hermann Scherer nahm Anja Graffius den Award entgegen. „Von mir bekommst du fünf Sterne und ein Pluszeichen obendrauf“, gab der versierte Vortragsredner ihr mit auf den Weg. Und: „Die Wirtschaft und die Welt brauchen dich!“

Jeder sollte sein Potenzial einsetzen können

Ein paar Tage später ist Anja Graffius die Begeisterung über den Abend und die Auszeichnung am Telefon noch ganz deutlich anzuhören, und dass sie mitreißend reden kann, stellt sie wiederum in Minutenschnelle unter Beweis. „Ich möchte Menschen begeistern, ihre Motivation und ihr Potenzial voll einzusetzen“, sagt sie.
Geboren und aufgewachsen in Hennigsdorf, hat Anja Graffius in Magdeburg studiert und ging dann zunächst nach Göttingen. Inzwischen lebt sie wieder in Hennigsdorf. Eine berufliche Stationen war das Unternehmen Bombardier. Dort betreute sie ein Projekt im Personalbereich.

Erfahren, was Menschen bewegt

„Es war sehr spannend, so dicht an den Menschen in der Firma dran zu sein, zu erfahren, was sie bewegt, was nicht ganz an der Oberfläche liegt“, beschreibt sie ihre Arbeit. „Es kommt inzwischen in den Unternehmen an, dass es nicht mehr reicht, gute Rahmenbedingungen für die Beschäftigten zu schaffen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wollen mitgenommen werden und auch am Sinn ihrer Arbeit Anteil haben“, ist sie überzeugt. Beispielsweise habe durch verstärkte Digitalisierung auch die Verunsicherung bei den Beschäftigten wie beim Führungspersonal zugenommen.
Nach Mediationsausbildung und Master in Wirtschaftspsychologie hat sich Anja Graffius auf das Coaching-Gebiet Motivation spezialisiert. Derzeit arbeitet sie für die Deutsche Energie Agentur, will ihre Expertise aber auch als selbstständige Beraterin anbieten.
Der unbefangene Blick von außen sei wichtig. „Dann öffnen sich die Menschen“, hat sie festgestellt. Aufmerksamkeit und Zeit für Gespräche seien ein wichtiger Faktor für die Motivation. „Wir wissen von der ganzen Welt, aber manchmal wenig von uns selbst“, ist ihr Eindruck.

Weitere Sprecher-Slams nicht ausgeschlossen

Sie wolle Menschen in der Arbeitswelt etwas Gutes tun und so gesellschaftliche Veränderungen mitgestalten, nicht zuletzt, um ihrer eigenen Kinder willen, erklärt Anja Graffius einen Teil ihrer eigenen Motivation. Ihre Jungs sind zwar erst sechs und sieben, aber eines Tages sollen sie ihre Persönlichkeit im Arbeitsleben voll entfalten können, wünscht sie sich.
An weiteren Sprecher-Slams teilzunehmen, kann sich Anja Graffius nach diesem erfolgreichen Start in die Speaker-Szene gut vorstellen. Ja, doch, natürlich sei sie auch aufgeregt und habe Lampenfieber. „Es ist schon ein tolles Gefühl, auf der Bühne eine Botschaft zu einem Thema zu verbreiten, das berührt“, sagt sie. „Und Motivation können wir doch alle immer gut gebrauchen.“