Zu viel Phosphat
: Abfischen soll mehr Sichttiefe im Bernsteinsee bringen

Alle Fische raus: Mit dem Abfischen soll der Phosphatgehalt im Bernsteinsee gesenkt und die Sichttiefe besser werden.
Von
Roland Becker
Velten
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Große Pläne, die viel Zeit benötigen: REG-Geschäftsführer Michael Kühne erläutert anhand eines Planes, wie sich der Bernsteinsee in den kommenden Jahren entwickeln soll.

Roland Becker

Bis dahin gilt es, kleinere Brötchen zu backen. Oder anders gesagt: Der für den See zuständige Chef der Regionalen Entwicklungsgesellschaft (REG) will den See Schritt für Schritt attraktiver gestalten.

Das Pfund, mit dem die Freizeitanlage, zu der an heißen Wochenenden bis zu 3 600 Badelustige kommen, ist das Wasser. Das allerdings trübt sich bisher sehr schnell ein. Sichttiefen von unter einem halben Meter waren wegen der Grünalgen-Dichte an der Tagesordnung.

„Wir planen noch vor der Saison verschiedene Maßnahmen, die eine Sichttiefe bis zu zwei Meter ermöglichen“, kündigt Kühne an. Dr. Olaf Mietz vom Institut für angewandte Gewässerökologie soll den Auftrag ausführen. Dessen Institut hat nach einem Bericht der Potsdamer Neuesten Nachrichten bereits vor Jahren die Sichttiefe des Großen Seddiner Sees von 25 Zentimetern auf bis zu 1,80 Meter verbessert. Um den hohen Phosphatgehalt des Gewässers drastisch zu senken, soll der Bernsteinsee abgefischt werden. Für das Phosphat sind laut Stadtentwicklungs-Chef Berthold Zenner die Ausscheidungen der Fische verantwortlich. Geplant ist, dass der See mit Schleppnetzen völlig abgefischt wird. „Es gibt zu viele Fried- und zu wenige Raubfische“, argumentiert Zenner. Für die See-Ökologie sei es wichtig, das auszugleichen.

Der Eintrittspreis soll 2019 stabil bleiben. Eine Erhöhung, so wird argumentiert, sei erst gerechtfertigt, wenn sich die Angebote am See verbessert hätten. Außerdem sei, so heißt es in einem Schreiben, eine solche Maßnahme im Wahljahr „allgemein negativ besetzt“.

Mit einigen Maßnahmen soll schon 2019 den Besuchern der Aufenthalt angenehmer gestaltet werden. „Ich hoffe, dass wir noch vor Saisonbeginn die Sanitäranlagen erneuern können“, plant Kühne. Dazu zählt, Fenster und Türen sowie die Sanitärkeramik auszuwechseln. Zudem sollen im rückwärtigen Bereich des Badestrands in einem Bungalow in Eigenarbeit der REG-Crew Umkleiden entstehen. „Ein oft geäußerter Wunsch unserer Gäste“, begründet Kühne dies.

In diesem, dem Wald zugewandten Bereich wird ein Großteil der alten Bebauung abgerissen. Dazu zählt auch das Restaurant Perla del Lago. Für dieses Jahr hat der langjährige Pächter letztmalig einen Vertrag erhalten. „Im Herbst werden wir den mit Asbest belasteten DDR-Bau, durch den es regnet, abreißen.“, schaut der REG-Chef voraus. Da sich die Gastronomie im Außenbereich befindet, ist ein Neubau nicht möglich. 2020 sollen auf dem Areal erstmals mobile Blockhütten aufgestellt werden, für die man Gastronomen sucht. Mittelfristig ist im jetzigen Eingangsbereich am Seeufer eine Gaststätte geplant, die auch außerhalb der Saison Gäste anzieht. „Ob hier die Stadt oder ein Erbbaupächter baut, ist noch offen“, sagt Kühne. Im Rathaus ist man anderer Meinung. Zenner sieht die Stadt als Investor eher außen vor und bezweifelt ohnehin, dass sich solch ein Restaurant rechnet: „Das ist eine Millionen-Investition. Da ist es die Frage, ob das Restaurant wirtschaftlich tragfähig ist.“

Dem REG-Chef aber schwebt mehr als nur Gastronomie vor, wenn er an künftige Winter denkt. Geplant ist ein Wanderweg, der rund um den See und auf rund 200 Metern in Richtung Naturbadestelle übers Wasser führt. Sein Rezept fürs Winterhalbjahr: spazieren gehen und danach einkehren.

Bis solche Ideen Wirklichkeit werden, setzt Kühne einen Zeitraum von fünf bis zehn Jahre an. Kühne schätzt den gesamten Finanzbedarf auf acht Millionen Euro. Dazu zählt auch eine Art kleine, natürliche Arena mit bis zu 1 500 Plätzen. Die könnte dort entstehen, wo sich jetzt der laut Kühne der „viel zu große Wirtschaftshof“ befindet. Abgeschirmt durch Erdwälle kann dort etwa eine Sport- und Freizeitwiese von 100 mal 120 Meter angelegt werden, die auch für Konzerte geeignet wäre. Auch ein Sommerzeltlager für Kinder ist auf den Plänen verzeichnet.

Zu den Zukunftsprojekten gehört auch die Verlagerung der Beach-Volleyball-Anlage an den Südstrand. Wo jetzt noch die Bälle fliegen, möchte Kühne den Badegästen Platz bieten: „Die Beach-Volleyballer werden mich dafür hassen. Aber es ist der schönste Abschnitt für einen Strand“, argumentiert der Bernsteinsee-Betreiber.

Blick versperrt

■ In Anekdoten wird davon berichtet, dass der Bernsteinsee nach seiner Eröffnung als Badesee den Verkehr auf der vorbeiführenden Autobahn beeinträchtigt habe.

■ Immer wieder sollen angeblich Autofahrer abgebremst haben, weil sie von der Autobahn aus Blicke auf die am FKK-Strand Badenden werfen wollten. Weil das die Unfallgefahr erhöhte, wurde später ein Wall gebaut, der den Blick versperrte.⇥(rol)