Arzt in Königs Wusterhausen
: Kein Termin – Menschen aus KW fühlen sich im Stich gelassen

Termine für Fachärzte in Königs Wusterhausen sind rar, beklagen Patienten. Oft werde man abgewiesen. Zudem fehlen Hausärzte. Woran krankt es?
Von
Jana Scholz
Königs Wusterhausen
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Patientin bei einem Hausarzt: Privatversicherte müssen in der Breite mit Beitragserhöhungen rechnen.

Patientin bei einem Hausarzt: Nicht nur in den ländlichen Regionen herrscht akuter Ärztemangel, auch in den Städten wie Königs Wusterhausen ist es Glück, zeitnah einen Termin bei einem Facharzt zu bekommen.

Bernd Weißbrod/dpa
  • Facharzttermine in Königs Wusterhausen sind schwer zu bekommen, Hausärztemangel verschärft Situation.
  • Umfrage "Wahlkompass": Über 50% der Einwohner haben Probleme, Facharzttermine zu erhalten.
  • Augenärzte: Lange Wartezeiten, Online-Terminvergabe problematisch für ältere Patienten.
  • Kardiologe Dr. Gunkel: Praxis nur privat, lange Wartezeiten bei Kollegen.
  • Brandenburg: Ärzte fehlen, KVBB sieht Politik verantwortlich.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die medizinische Versorgung in den ländlichen Gebieten Brandenburgs ist schon lange ein Thema. Allerdings wird das auch zunehmend in den Städten zum Problem. Das zeigt die Umfrage "Wahlkompass", die MOZ.de im Rahmen der anstehenden Landtagswahl und in Zusammenarbeit mit der Agentur „Die Mehrwertmacher“ durchgeführt hat. Über 15.000 Brandenburger haben sich daran beteiligt, darunter 231 Menschen aus Königs Wusterhausen.

Erschreckende Zahlen liefert dabei der Punkt medizinische Versorgung. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer beklagt Probleme, Termine bei Fachärzten zu bekommen oder gar generell in einem Praxisgeflecht aufgenommen zu werden.

Terminvergabe beim Augenarzt in KW einfach bis kompliziert

Genannt wird in KW außerdem ein Mangel an Augenärzten. Stichprobenartig haben wir uns ans Telefon gesetzt und einige Praxen abtelefoniert. Mit dem Ergebnis: Es werden sowohl Neupatienten aufgenommen als auch Termine vergeben. In einigen Fällen muss aber mit Wartezeiten von etwa zwei Monaten gerechnet werden, was jedoch bei nicht-akuten Anliegen noch akzeptabel erscheint. Auch die Notfallversorgung ist gesichert. In einer Wildauer Praxis-Zweigstelle einer großen Augen-Praxis gibt es täglich zwischen 8 Uhr und 10 Uhr eine Sprechstunde für Akutpatienten.

Aufregender wird die Terminvereinbarung beim Augenarzt für die ältere Generation, die ohne Smartphone und Tablet auskommen muss. Denn in einer der Arztpraxen werden Termine ausschließlich online vergeben. Dennoch sieht die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg (KVBB) keinen Grund zur Sorge.

Im Ärzteschlüssel für Augenheilkunde stehen für die etwa 180.000 Einwohner des Landkreises Dahme-Spreewald genau 12,5 Augenärzte zur Verfügung. Auch wenn das je Mediziner circa 16.450 Patienten zu Grunde legt, ist man damit noch 14,3 Prozent über dem Versorgungsgrad – und dementsprechend für weitere Augenärzte derzeit gesperrt.

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Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Königs Wusterhausen

Benutzt man für die Suche nach einem Kardiologen in Königs Wusterhausen eine Online-Suchmaschine wie Google, wird man schnell in der Eichenallee fündig. Allerdings ist diese Arztpraxis eine Privatpraxis. Das heißt, dass alle notwendigen Untersuchungen hier nicht wie sonst üblich mit der Krankenkasse abgerechnet werden, sondern der Patient aus eigener Tasche zahlen muss.

Kardiologe Dr. Oliver Gunkel hat seine Praxis im Jahr 2022 eröffnet. Der Facharzt für Herz- und Kreislaufkrankheiten entschied sich bewusst für die Stadt Königs Wusterhausen, auch weil es vor Ort bisher keine Facharzt-Praxis gab. Er stellte beim Zulassungsausschuss für Ärzte der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg einen Antrag als Arzt für Kardiologie in KW praktizieren zu dürfen. „Der Bedarf vor Ort war schon damals gegeben, doch die KVBB lehnte meinen Antrag ab“, berichtet Gunkel. Er ging in Berufung, allerdings bekam er erneut eine Absage seitens der Kassenärztlichen Vereinigung.

Herzspezialist Dr. Oliver Gunkel aus Königs Wusterhausen. Der Facharzt bemühte sich um eine kassenärztliche Zulassung, bekam jedoch mehrmals einen Ablehnungsbescheid. Nun praktiziert er als Privatarzt.

Herzspezialist Dr. Oliver Gunkel aus Königs Wusterhausen. Der Facharzt bemühte sich um eine kassenärztliche Zulassung, bekam jedoch mehrmals einen Ablehnungsbescheid. Er praktiziert nun als Privatarzt.

Dr. Oliver Gunkel

Herzgesundheit geht in KW auf den eigenen Geldbeutel

So blieben dem Facharzt nur zwei Möglichkeiten – er verwirft den Plan einer eigenen Praxis in der Stadt Königs Wusterhausen oder er praktiziert als Privatarzt. Er entschied sich für Letzteres – und bereut den Entschluss nicht. Denn trotz des Selbstzahlerstatus seiner Patienten ist der Zulauf in der Herzpraxis groß. „Derzeit beträgt die Wartezeit auf einen Termin etwa drei Wochen“, erklärt der Arzt gegenüber MOZ.de. „Von meinen Patienten höre ich immer wieder, dass, wenn sie mit ihren Überweisungsträgern bei Kollegen in der Region nach einem Termin fragen, dann erst nach drei oder vier Monaten, manchmal erst nach einem halben Jahr behandelt werden. Das ist für Herz-Kreislauf-Patienten aus meiner Sicht nicht zumutbar“, sagt der Spezialist.

Dennoch kann sich Gunkel über den Zuspruch seiner privaten Praxis nicht beschweren – aus Gründen. Ein weiterer Kardiologe im Stadtgebiet KW ist nur stationär im Achenbach Krankenhaus zu finden. In umliegenden Gemeinden gibt es Fachärzte für Innere Medizin, die ebenfalls das Fach Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit abdecken, jedoch nicht so spezialisiert sind wie er. Und genau diese Fachärzte sind im gesamten Land Brandenburg Mangelware. „Es gibt einen Kollegen im Spreewald, in Rangsdorf gibt es eine Praxis und in Bad Saarow“, weiß Gunkel zu berichten. „Allesamt haben wir die Terminbücher voll und alle Hände voll zu tun.“

Unterschiede zwischen einem Facharzt für Innere Medizin und einem Kardiologen

Facharzt für Innere Medizin (Internist)

Ausbildung: Medizinstudium + Facharztausbildung in Innerer Medizin (ca. 10–12 Jahre) Aufgabengebiete: Diagnose und Behandlung von Erkrankungen der inneren Organe (Magen-Darm, Leber, Nieren, Lunge, Blut, Stoffwechsel)
Arbeitsumfeld: Krankenhäuser, Kliniken, Praxen

Kardiologe

Ausbildung: Medizinstudium + Facharztausbildung in Innerer Medizin + Spezialisierung in Kardiologie (zusätzlich ca. 3 Jahre)
Aufgabengebiete: Spezialisierung auf Herz- und Kreislauferkrankungen (koronare Herzkrankheiten, Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen)
Arbeitsumfeld: Kardiologische Praxen, Kliniken, Herz-Zentren

Es gibt zu wenig Hausärzte in KW

Aktuell leben in Königs Wusterhausen – Stadt und Ortsteile zusammengenommen – mehr als 75.000 Einwohner. Mit insgesamt 48 Allgemeinmedizinern im Stadtgebiet und den dazugehörenden Ortsteilen, kommen hier mehr als 1.400 Patienten auf einen Hausarzt. Im Umkehrschluss sind das laut Statistik der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg mit 92,9 Prozent zu wenig.

Damit die medizinische Grundversorgung zu 100 Prozent gewährleistet werden kann und die Bedarfsplanung gedeckt wird, müssen sich zwingend weitere Ärzte finden, die in KW und Umgebung praktizieren möchten. Christian Wehry, Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg, sagt, dass sich im Ballungsgebiet KW noch weitere neun Hausärzte niederlassen könnten. Jedoch seien die gar nicht verfügbar.

Wehry erklärt, dass die Schuld dafür beim ehemaligen Gesundheitsminister Horst Seehofer läge, der Mitte der 90er-Jahre die Studienplätze für Mediziner gekappt hätte. „Das fällt uns jetzt auf die Füße“, betont der KVBB-Sprecher. „Die Leute, die damals Mitte der 90er nicht studiert haben, das wären jetzt wunderbare Ärzte, die so um die 50 sind, die schön in der eigenen Praxis arbeiten könnten. Die sind aber nicht ausgebildet worden, die gibt es einfach nicht“, moniert er und betont: „Wir müssen also mit den Ärzten arbeiten, die wir haben und da natürlich zusehen, dass möglichst viele in den ambulanten Bereich kommen.“

Mehr Fachärzte wünschen sich auch Menschen im Raum Erkner

Den Eindruck, dass es vor Ort an Fachärzten mangelt, haben übrigens nicht nur Einwohner im Ballungsgebiet KW. Auch anderswo im Berliner Speckgürtel wird dies moniert, wie aus dem "Wahlkompass" hervorgeht, unter anderem im Raum Erkner und Grünheide. Auf der Hitliste der fehlenden Mediziner ganz oben rangieren hier Hautärzte, Orthopäden, Augen- und HNO-Ärzte. Immerhin: Nach jahrelangem Warten hat in der Berliner Rand-Gemeinde Gosen-Neu Zittau erst kürzlich eine neue Hausärztin ihre Praxis eröffnet.