Flughafen BER Schönefeld: Schusswaffe im Koffer – was der Zoll alles aufspürt

Am Flughafen BER ist der Zollbeamte Tobias A. gerade auf der Suche nach Walfleisch im Koffer.
Maria Häußler- Zollbeamte am Flughafen BER in Schönefeld entdecken regelmäßig verbotene Waren in Koffern.
- Der Beamte Tobias A. fand Walwurst, was ein Strafverfahren nach sich zieht.
- Sicherheitsausrüstung umfasst Westen und Pfefferspray; Rache von Neonazis und Clans gefürchtet.
- Häufige Funde: Zigaretten, geschützte Arten, Drogen, Bargeld.
- Tobias A. schätzt seine Arbeit als spannend und sinnstiftend.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Auf einem Bildschirm am Berliner Flughafen BER erscheinen orangefarbene Rechtecke. Zollbeamte deuten auf die blau-grünen Formen in den Rechtecken und greifen dann nach den Koffern. Eine Familie, die gerade aus Norwegen zurück nach Deutschland gereist ist, wartet gebannt auf das Ergebnis der Kontrolle.
Sie haben auf Nachfrage angegeben, dass sie am Flughafen Wurst gekauft hätten. Der 24-jährige Zollbeamte Tobias A. zieht eine Packung mit drei Würsten gezielt aus einem großen Reisekoffer. Laut Beschriftung handelt es sich um Rentier-, Elch- und Walfleisch.
Tobias A. hat laut der Pressesprecherin Christiane Ullrich einen „Riecher“. Auch seine Kollegen deuten gleich auf ihn, als die Frage nach den skurrilsten Funden aufkommt.
Zollbeamte am BER befürchten Rache von Neonazis und Clans
Tobias A. nimmt die Wurst mit ins Büro, um zu recherchieren, ob sie tatsächlich Walfleisch enthält und wie geschützt die Walart ist. Er tippt eine Weile am Computer, nickt dann und sagt bestimmt: „Das ist Zwergwahl und der ist streng geschützt. Bitte Strafverfahren einleiten“. Sein Kollege Alex G. geht aus der Tür, zurück zur Familie, die sich gerade streiten.
Der Vater wirft seiner Tochter vor, die Wurst gegenüber den Beamten erwähnt zu haben. Dem Zollbeamten versichert er immer wieder, dass er nicht wusste, dass die Wurst in Deutschland verboten ist. „Das glaube ich Ihnen. Aber wir müssen jeden gleich behandeln“, sagt Alex G. und klärt ihn über seine Rechte auf.
Die Familie reagiert zwar verärgert, aber nicht aggressiv. Tobias A. sagt, dass er am BER immer wieder mit Menschen zu tun hat, die gar nicht mit der Kontrolle einverstanden sind. Die Beamten tragen schusssichere Westen. Waffen und Pfefferspray gehören ebenfalls zur Sicherheitsausrüstung am Flughafen. Seinen vollen Namen will Tobias A. nicht auf Social Media oder in der Zeitung lesen.
Die Beamten wollen vermeiden, dass bestimmte Leute herausfinden, wo sie wohnen: So wie die Neonazis, die sie vor kurzem nach einem Konzert in Osteuropa durchsucht hätten. Oder auch Clanmitglieder und Rockergruppen, die sie teilweise gezielt zur Kontrolle bitten.
Neben dem Artenschutz kümmern sich die Zollbeamten am BER in Schönefeld um die Einfuhr von Betäubungsmitteln, Bargeld, Zigaretten, gefälschte Markenartikel und besonders teuren Waren. Tabakwaren finden sie am häufigsten – das sei „der Klassiker“, erklärt Tobias A. auf dem Weg in die sogenannte Gepäckförderanlage (GFA).
So erkennen die Zollbeamten verdächtige Koffer am BER
Die Gepäckförderanlage ist eine große Halle im Untergeschoss des Schönefelder Flughafens. Farblos, mit eckigen Säulen und nummerierten Bereichen, erinnert sie ein wenig an ein Parkhaus. Rumpelnd fahren große Gepäckwagen hin und her. Schließlich hält einer direkt vor den Zollbeamten, Mitarbeiter klappen eine blaue Plane hoch und befördern die Koffer aufs Band.
Heute hat sich das Team vom Zoll einen Flug aus der türkischen Stadt Antalya vorgenommen. In der GFA findet eine Art Vorkontrolle der Koffer statt. Oben wird der Schmuggler dann herausgezogen, sobald er den Koffer vom Band holt oder zunächst beobachtet, ob er den grünen oder den roten Ausgang nimmt. Die Zollbeamten brauchen die gesamte Handlung als Beweis.
„Das sieht komisch aus“, sagt einer der Beamten und zeigt auf viele blau gefärbte Reißverschlüsse im Röntgenbild. „Ich vermute Produktpiraterie“, sagt er und öffnet den Koffer. Metall ist blau gefärbt, organisches, wie die Walwurst, grün. Doch die kleinen Taschen sehen so aus, als hätten sie „keinen großen Wert“. Der Beamte schließt den Koffer wieder. Waren sind bis zu einem Wert von 430 Euro erlaubt.
In einem zweiten Koffer erkennen die Beamten die typisch rechteckige Form von Zigaretten. Alex G. öffnet den Koffer und zählt die Packungen. Es sind zwei zu viel, aus einem Land außerhalb der EU ist eine Stange erlaubt. Für die Beamten ebenfalls kein Grund, einzuschreiten.

Der häufigste Fund der Zollbeamten am Flughafen BER in Schönefeld sind Zigaretten.
Maria HäußlerFür geschützte Arten, Drogen, Zigaretten und Bargeld kommen auch spezialisierte Spürhunde zum Einsatz. Je nach Verfügbarkeit finden die Kontrollen aber auch ohne Hund statt, so wie heute. Nur ein hüfthoher Zwinger neben dem Kontrollband erinnert an die vierbeinigen Begleiter.
„Das ist wie sein Wohnzimmer, ein Rückzugsort“, sagt Alex G. „Die Hunde sind das gewohnt.“ Leider sei er kein Hundeführer, aber die Arbeit mit den Hunden mache ihm besonders viel Spaß. Die Hunde lernen nach und nach dazu und könnten mit der Zeit immer mehr erschnüffeln. „Wie Zollbeamte auch“, sagt Alex G..
Zurück im oberen Bereich des Flughafens stellen sich die Beamten rechts und links vom grünen Ausgang auf. „Anmeldefreie Waren/nothing to declare“, steht dort. An den Gepäckbändern sind rote und grüne Hinweisschilder angebracht, die darüber informieren, was verzollt werden muss. Wen er kontrolliert, entscheide er „nach Bauchgefühl“, sagt Tobias A.. Hinweise seien bestimmte Tüten oder die Größe des Gepäcks.
Affenkot und Nashornsperma im Mikrokosmos BER
„Es gibt aber keine Stereotype, nach denen man vorgehen kann“, sagt er. Eine 75-jährige Großmutter aus Israel habe zwei Schlagringe mitgeführt und behauptet, die seien für ihre Enkel zum Klavier spielen. Vor kurzem habe er eine geladene Schusswaffe in einem Socken gefunden. Die Besitzerin aus den USA sei überrascht gewesen, dass sie noch im Koffer war.
Ein anderer Fund sei eine Feuerwerksbatterie bei einem Flug aus Thailand gewesen. „Das geht eigentlich gar nicht“, sagt er. „Die hätte bei der Kontrolle dort oder beim Umstieg schon auffallen müssen.“ Bei der Reisenden sei er auf völliges Unverständnis gestoßen. Auch sie war eine Rentnerin.
Dann macht sich das Team auf den Rückweg zum Pausenraum. Zollbeamte haben keine festen Pausen und müssten jede Gelegenheit nutzen, sagt Pressesprecherin Ullrich und packt Schokolade für alle aus. Tobias A. betritt den Raum etwas später. Er habe gerade Affenkot überprüfen müssen. „Das Max-Planck-Institut braucht den für Proben“, sagt er. „Die haben zwar immer alle nötigen Unterlagen für ihre Proben dabei und melden sich frühzeitig an. Trotzdem dauert das immer eine Weile, sowas wie Affenkot oder Nashornsperma zu überprüfen.“
Beim Essen spricht Tobias A. darüber, wie glücklich er mit seiner Arbeit als Zollbeamter am Flughafen BER ist. Er empfinde sie als „sinnstiftend“. „Das ist ein ganz besonderer Mikrokosmos und unfassbar spannender Raum“, sagt er. „Die Menschen, die ein- und ausreisen, bringen verschiedenste Geschichten mit. Ein Reisender kommt von einer Beerdigung in der Türkei, ein anderer aus den Flitterwochen auf Mallorca.“
Außerdem interessiert er sich für Flugzeuge. Der Beamte schwärmt regelrecht vom Geräusch einer startenden Maschine und den Lichtern auf den Start- und Landebahnen.



Die Flugbranche beschwert sich über zu hohe Kosten am Flughafen BER und anderen deutschen Flughäfen. Muss die Ticketsteuer, die nicht einmal Privatjet-Flüge erfasst, weg?