Fundsachen-Auktion am BER
: So kommt man an Überraschungs-Koffer vom Flughafen

Am Flughafen BER bleiben Laptops, Schmuck und vor allem viele Gepäckstücke zurück. Die kommen dann in Berlin unter den Hammer – inklusive Inhalt! Was die Koffer kosten und was (sicher nicht) drin ist.
Von
Till Eichenauer
Schönefeld/Berlin
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Shlomit Mizrachi im Auktionshaus Mizrachi in Berlin.

Zwei Koffer und jede Menge Schmuck aus dem Fundsachen des Flughafen BER. Shlomit Mizrachi, Chefin des Auktionshaus Mizrachi in Berlin, versteigert immer wieder alles, was am Flughafen so liegen bleibt.

Till Eichenauer
  • In Berlin werden Fundsachen vom Flughafen BER versteigert – inklusive ungeöffneter Koffer.
  • Rund 40 Koffer kamen gleich zu Beginn unter den Hammer, Startgebot: 20 Euro pro Doppelpack.
  • Elektronik ist oft gesperrt, dient daher meist als Ersatzteillager, sagt Auktionatorin Mizrachi.
  • Kontrolle vorab entfernt Medikamente, Dokumente und Verderbliches, Wertvolles bleibt im Koffer.
  • Nächste Kofferversteigerung: 23. Juni im Auktionshaus Mizrachi, Besichtigung ab 9 Uhr, Start 11 Uhr.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„30 sind geboten – zum ersten, zum zweiten. 40. 50, dort hinten!“ Etwas schüchtern hebe ich meine Hand und habe wenige Sekunden später zwei Rollkoffer ersteigert. 60 Euro zahle ich für die beiden Plastik-Trolleys. Was drin ist, finde ich erst zu Hause beim Auspacken heraus. Das ist der Reiz dieser besonderen Versteigerung in Berlin-Wilmersdorf.

Im Auktionshaus Mizrachi werden nämlich Fundsachen vom Flughafen BER meistbietend verkauft. Heute stehen 203 Posten zur Auktion, darunter Kameras, unzählige Laptops, ein Paar Skier und zwei Kettensägen – alles, was am Flughafen so liegen bleibt.

Die spannendsten Posten kommen gleich zu Beginn der Versteigerung: Rund 40 Koffer kommen unter den Hammer. Was drin ist, bleibt geheim. Auktionatorin Shlomit Mizrachi arbeitet seit über 25 Jahren im Auktionshaus und leitet die Versteigerung. Sie weiß, was Kunden von den Überraschungs-Koffern erwarten können – und was nicht: „Man muss ein bisschen von sich ausgehen: Mit was fliege ich in den Urlaub und was packe ich in den Koffer?“ Die teure Rolex und den Goldschmuck dürften eher unwahrscheinlich sein, die hätten die Menschen normalerweise immer am Arm oder im Handgepäck.

Koffer vom Flughafen BER werden vor dem Verkauf kontrolliert

Und Shlomit Mizrachi kennt sich aus, denn sie hat schon viele Koffer geöffnet: „Wir sind verpflichtet, die Koffer vor der Versteigerung zu kontrollieren.“ Verschreibungspflichtige Medikamente, persönliche Dokumente, gefälschte Markenware oder auch verdorbenes Essen nehmen sie und ihre Mitarbeiter heraus. Sonst lasse sie aber alles drin – auch wertvolle Dinge: „Das ist ja unser Geschäftsmodell. Nur glückliche Kunden kommen auch wieder zurück“, sagt Mizrachi.

Links, einige der rund 40 Koffer vom Flughafen BER, die an diesem Tag im Auktionshaus Misrachi versteigert wurden. Rechts, werden Bluetooth-Kopfhörer schalenweise verkauft.

Links einige der rund 40 Koffer vom Flughafen BER, die an diesem Tag im Auktionshaus Mizrachi versteigert wurden. Rechts werden Bluetooth-Kopfhörer schalenweise verkauft.

Till Eichenauer

Die Waren liegen vor dem Start der Auktion zwei Stunden zur Besichtigung aus. Viele Dinge werden nur in großer Stückzahl angeboten. Etwa ein großer Karton mit Dutzenden Nackenkissen – ein Klassiker am Flughafen. Daneben gibt es Schalen mit gleich zehn Kopfhörern, verschiedenen Uhren oder Modeschmuck. Einige Profis unter den Kunden nehmen die vermeintlichen Juwelen vor der Auktion genauestens mit einer Lupe.

Apple‑iPhones und Tablets werden meistens gleich im Fünferpack angeboten. Aber Shlomit Mizrachi dämpft gleich zu Beginn der Versteigerung die Schnäppchen-Freude: „Die Handys und Laptops sind zu 70 Prozent gesperrt. Da kommt man nicht rein. Leider verlieren die meisten Leute ihre Geräte nicht zusammen mit dem Passwort und einer Quittung.“ Die Elektronik dient daher wohl oft als Ersatzteilspender. Trotzdem geht ein Paket Apple-iPads für 130 Euro weg.

Koffer aus den Fundsachen vom BER: Startgebot 20 Euro

Auch die Koffer werden nur im Doppelpack angeboten – Startgebot 20 Euro. Das Gepäck kann man sich vorher anschauen – aber nur von außen! Öffnen ist streng verboten. Das Einzige, was man sicher bekommt, ist der Koffer, den man sieht. Auktionatorin Mizrachi sagt aber aus Erfahrung, dass der äußere Schein kaum etwas über den Inhalt verrät: „Der schäbigste Koffer kann die besten Klamotten darin haben. Eine teure Tasche garantiert nicht teuren Inhalt.“

Aber ob teurer Inhalt oder nicht, die Frage bleibt: Warum holen die Reisenden am Flughafen BER ihre Koffer nicht ab? Shlomit Mizrachi weiß, dass viele Koffer etwa beim Transfer zu anderen Flügen im Gepäcksystem hängen bleiben. „Oft ist es wohl günstiger für die Airlines, eine Entschädigung zu zahlen, anstatt lange nach den verschwundenen Koffern zu suchen“, vermutet sie. Grundsätzlich werden die Gepäckstücke aber drei Monate am Flughafen aufbewahrt, bevor sie verkauft werden.

Koffer von Fußball-Nationalspieler bei der Versteigerung

Um die Privatsphäre der ursprünglichen Besitzer der Koffer zu schützen, ist es strikt verboten, mit ihnen Kontakt aufzunehmen, falls man doch über den Inhalt ihre Identität herausfinden kann. Falls man sich daran nicht hält, kann es ernsthaften Ärger geben: „Wir hatten einmal einen Koffer vor einigen Jahren, der gehörte einem namhaften deutschen Fußball-Nationalspieler“, so Mizrachi. Der Käufer hat daraufhin den Sportler kontaktiert – der Fall landete laut Auktionatorin dann vor Gericht.

Um herauszufinden, ob meine beiden Koffer auch einem Promi gehören, muss ich mich noch etwas gedulden. Nach dem Ende der Auktion bezahle ich die Ware an der Kasse und eile mit meiner Beute nach Hause. Es fühlt sich ein wenig an wie Weihnachten zu Kindertagen, als der Inhalt der Geschenke unter dem Baum noch die Fantasie beflügelt hat.

Überraschung im BER-Koffer: Piloten-Uniform und Designer-Schuhe

Als ich den Reißverschluss des ersten Koffers öffne, kommt auch sofort die erste Überraschung: eine Pilotenuniform der französischen Armee inklusive Mütze! Daneben noch ein Kurbelradio mit Taschenlampe und etwas alte Wäsche. Glücklicherweise auch ein paar schicke Lederhandschuhe – mit denen an den Händen, kann ich gleich die alten Unterhosen und Socken im Koffer aussortieren.

Inhalt aus zwei Koffern der Fundsachen-Auktion des Flughafens BER. Neben einer Pilotenuniform auch spanische Designerschuhe.

Inhalt aus zwei Koffern der Fundsachen-Auktion des Flughafens BER. Neben einer französischen Armee-Uniform der Luftwaffe auch spanische Designerschuhe.

Till Eichenauer

Der zweite Koffer hat vor allem eins: Schuhe. Drei Paar sportliche Sneaker. Kein Ramsch, aber auch nichts Besonderes. Aber auch einen echten Knaller: Herrenschuhe der spanischen Designer-Marke Balenciaga. Ausgesprochen hässlich – aber auch ziemlich teuer und in gutem Zustand: Neupreis laut Website 925 Euro! Und selbst gebraucht wohl noch mehrere hundert Euro wert.

Falls mir ein Mode-Freak aus dem Internet die Schuhe abkauft, habe ich die Kosten von 60 Euro für die Koffer in jedem Fall wieder reingeholt und kann beim nächsten Karneval noch als französischer Pilot gehen. Mein Fazit: Die Koffer waren nicht der ganz große Jackpot, aber durchaus eine kleine Überraschung.

Wer selbst einmal sein Glück versuchen will, kann zur nächsten Kofferversteigerung am 23. Juni ins Auktionshaus in der Bundesallee 220 in Berlin kommen. Die Besichtigung der Posten startet um 9 Uhr, die Versteigerung um 11 Uhr. In Ferienzeiten wird mehr gereist und deshalb auch mehr Gepäck verloren. Deshalb werden im Sommer die Fundsachen vom Flughafen teils im Vier-Wochen-Rhythmus versteigert.